Die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Douentza durch islamistische Gruppen gefährdet auch den Süden des Landes. Douentza liegt an der Straße nach Timbuktu in einer Art Pufferzone zwischen den von Islamisten und Regierungstruppen kontrollierten Gebieten. Der Weg zur Hauptstadt Bamako ist nun offen. Nach französischen Berichten hat inzwischen die Übergangsregierung ECOWAS offiziell um militärische Hilfe gebeten.
Eine inoffizielle "Koalition für Mali" bestehend aus Politikern und Zivilgesellschaft hat Verhandlungen aufgenommen mit der Führung der islamistischen Bewegungen Ansar Dine und der Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika (MUJAO), die die nördlichen Städte Timbuktu, Gao und Kidal seit April kontrollieren. Sowohl in der Hauptstadt Bamako wie auch im Norden bilden sich Widerstandsgruppen von Jugendlichen, die gegen die Islamisten kämpfen wollen. Die Regierung lehnt eine militärische Intervention der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) weiterhin ab.
Auf Druck der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hat Interim-Präsident Dioncounda Traoré sein neues Kabinett vorgestellt. Scheich Modibo Diarra bleibt trotz Protesten Premierminister. Die 31 Mitglieder, darunter vier Frauen, repräsentieren die unterschiedlichen politischen Kräfte im Land. Dass die Schweiz Vermittlungsversuche Burkina Fasos mit der Tuareg-Bewegung MNLA finanziert und die Rebellen damit aufwertet, wird in Mali kritisch gesehen.
Burkina Fasos Außenminister Djibrill Bassole flog in Auftrag der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) nach Gao und besuchte das Krankhaus, führte aber keine Gespräche mit den Führern der "Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika" (MUJAO). In Kidal traf sich Bassole mit den Anführern der islamistischen Gruppe Ansar Dine. ECOWAs diskutiert eine militärische Intervention, während UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Sanktionen fordert. Die Hälfte der Bevölkerung ausGao ist geflohen, 400.000 Menschen in der ganzen Region sind heimatlos geworden.Trotz Protesten der Bevölkerung wurden in strikter Anwendung der Sharia zwei Ehebrecher gesteinigt und einem Dieb die Hand amputiert. Auf seiner Afrikareise machte Minister Dirk Niebel einen Abstecher nach Bamako.
Der Übergangspräsident Traoré forderte in einer Fernsehansprache die schnelle Schaffung einer Einheitsregierung. Alle Kräfte müssten zur Rettung des Landes mobilisiert werden. Das Ultimatum der westafrikanischen Staatengemeinschaft läuft am 31. Juli aus. ECOWAS setzt sich für eine Eingreiftruppe von 3000 Mann in Mali ein, um den islamistischen Separatistenstaat im Norden noch zu verhindern. Die Islamisten drängen immer stärker auf totale Kontrolle des Nordens und die Einführung der Scharia. Am Wochenende wurde ein Paar wegen Ehebruchs gesteinigt.
Eine Gruppe bewaffneter Jugendlicher von Burkina Faso ist in im nord-malischen Gao eingetroffen, um mit vielen andern Rekruten eine religiöse und militärische Ausbildung anzutreten. In knapp zwei Tagen kamen 200 Jugendliche, entweder überzeugt, bezahlt oder mit großen Versprechen gelockt. Täglich kommen mehr dazu, um die mit al-Qaida verwandte Islamisten Gruppe MUJAO zu unterstützen. Diese hat inzwischen alle Tuaregs von den wichtigen Städten Gao, Kidal und Timbuktu verjagt und tyrannisiert die Bevölkerung. Über die Pläne, den Norden anzugreifen, spotten sie nur.
Das Parlament in Bamako hat sich für einen Militäreinsatz gegen die Islamisten ausgesprochen; die Bevölkerung, darunter viele Tuareg, demonstriert für die Befreiung des Nordens von den radikalen Kräften. Ihr Versuch, den kompromisslosen Islam einzuführen, die Zerstörung der Heiligtümer in Timbuktu und die Verminung der strategisch wichtigen Stadt Gao – wo jetzt noch die Cholera ausgebrochen ist – machen die Menschen bereit zu kämpfen. Die Regierung und die UNO jedoch zögern.
Islamistische Extremisten setzen ihr Zerstörungswerk fort. Am Wochenende fielen sieben der 16 Mausoleen in Timbuktu ihrer Wut zum Opfer. Jetzt haben sie noch die „heilige Tür“ der Sidi-Yahya-Moschee aus dem 15. Jahrhundert mit Spitzhacken eingeschlagen. Es ist nicht nur eine sinnlose Verwüstung von Weltkulturerbe Stätten, sondern auch ein Verbrechen an der Identität der Menschen dort, die diese Heiligtümer nutzten, denn ihr Islam hat sich über die Jahrhunderte mit afrikanischen Praktiken durchsetzt. Ban Ki Moon rief zum Einhalt der Zerstörung und zu Verhandlungen auf.
Manche Klassen sind auf ein Viertel der Schülerzahl geschrumpft, weil Jugendliche und ihre empörten Eltern die Einführung der Scharia mit Lehrplanwechsel und unannehmbaren Verhaltensregeln nicht dulden wollten. Schulen im Süden haben Tausende aufgenommen, und das Ministerium in Bamako hat die Examen verschoben und extra Klassen eingerichtet, um den Geflohenen Anschluss zu geben. Die Verurteilung eines jungen Paares in Timbuktu zu je 100 Peitschenhieben wegen eines unehelichen Kindes hat die Menschen aufgeschreckt.
Noch Ende letzten Monats, nach der gemeinsamen Eroberung des Nordens, wollten Tuareg-Rebellen und islamische Ansar Dine Kämpfer einen Scharia-Staat gründen. Nun bekämpfen sie sich heftig, besonders in Kidal, deren Bewohner sich gegen die Scharia wehren. Auch die Tuareg tendieren zu einem unabhängigen weltlichen Staat. In Timbuktu soll eine dritte bewaffnete Gruppe entstanden sein, die die Islamisten verjagen will. Nach zwei gescheiterten Treffen über Mali hat ECOWAS die UNO um logistische und finanzielle Hilfe gebeten, um militärisch eingreifen zu können. Ihr Vorsitzender drängt auf sofortigen Einhalt des islamistischen Terrors, und der nigrische Präsident berichtet über Trainingslager in Gao im nördlichen Mali, wo Dschihadisten aus Afghanistan und Pakistan nigerianische Boko Haram Kämpfer ausbilden.