Schlagwort: Burundi

Tausende von Menschen wurden durch die Überschwemmungen vertrieben, die durch das Überlaufen des Tanganjikasees, des nach Volumen zweitgrößten Süßwassersees der Welt, verursacht wurden. Die Hauptstadt Bujumbura, die am nordöstlichen Rand des Sees liegt, wurde ebenso wie andere Küstenstädte schwer getroffen. Hunderte von Gebäuden, darunter Krankenhäuser und Schulen, wurden aufgegeben, Straßen und Brücken wurden zerstört, und die Bewohner müssen sich mit Booten fortbewegen. Der Tanganjikasee erreichte am 23. April 2024 eine Rekordhöhe von 777,2 m. Damit wurde der bisherige Rekord vom Mai 1964 gebrochen, als der See ein Jahrhunderthochwasser erlebte. Die burundische Regierung berichtet, dass über 200.000 Menschen in Burundi von den sintflutartigen Regenfällen betroffen sind und fast 100.000 Menschen in den letzten 6-7 Monaten vertrieben wurden. Die unaufhörlichen Regenfälle hätten 40.000 Hektar Ernten zerstört und 306.000 Menschen in dem nach Angaben der Weltbank ärmsten Land der Welt (gemessen am Pro-Kopf-BIP) seien auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Nachdem der burundische Präsident Evariste Ndayishimiye vor zwei Wochen Ruanda beschuldigt hatte, hinter einem Angriff im Süden Burundis zu stecken, bei dem Zivilisten von militanten „Red Taraba“-Kämpfern getötet worden sein sollen, erfolgte nun die Schließung der Grenze zwischen den beiden Ländern. Ruanda hat jegliche Beteiligung an dem Angriff oder Verbindungen zu den Militanten, die im unbeständigen Osten der Demokratischen Republik Kongo stationiert sind, bestritten.

Premierminister Gervais Ndirakobuca hat die Bewohner des Distrikts Mabayi aufgefordert, jede Zusammenarbeit mit ruandischen Terroristen zu vermeiden, die im Kibira-Wald an der Grenze zu Ruanda operieren. Er warnte die Einwohner von Mabayi unmissverständlich, dass ein Bündnis mit den ruandischen Terroristen nicht geduldet werde; außerdem, „alle Anführer“, die mit den Terroristen in Verbindung stehen, würden zur Rechenschaft gezogen. Der Nationale Burundischer Rundfunk RTNB sagte, dass die Anwohner vermutlich eine Rolle bei den jüngsten Sicherheitsvorfällen im Bezirk Mabayi gespielt haben, die von den Terroristen aus dem Kibira-Wald verübt wurden.

Tansania und Burundi haben ein Abkommen über den Bau einer 900 Millionen Dollar teuren, 282 Kilometer langen Eisenbahnstrecke zwischen den beiden Ländern unterzeichnet und suchen nach Geldgebern für das Projekt.  Tansania wird einen 156 km langen Abschnitt von der Kleinstadt Malagarasi bis Uvinza bauen, während Burundi eine 126 km lange Strecke bis Gitega bauen wird. Tansania plant den Bau einer 2 561 km langen Normalspurstrecke, die den wichtigsten Hafen des Landes am Indischen Ozean, Dar es Salaam, mit dem östlichen und südlichen Hinterland Afrikas verbinden soll. Zusätzlich zu den Verbindungen nach Burundi würde die Bahnlinie den Hafen auch mit dem Osten der Demokratischen Republik Kongo, Sambia, Ruanda und Uganda verbinden. Der Bau des ersten, 1 219 km langen Abschnitts, der Dar es Salaam mit der Stadt Mwanza im Nordwesten Tansanias am Ufer des Viktoriasees verbindet, ist im Gange. Im vergangenen Monat unterzeichnete Tansania einen Vertrag mit dem türkischen Unternehmen Yapi Merkezi über den Bau des letzten Abschnitts dieser Strecke, einer 368 km langen Verbindung zwischen der zentralen Stadt Makutopora und der nordwestlichen Region Tabora.

In Burundi wurden durch die Folgen des Klimawandels über 100.000 Menschen in die Flucht vertrieben. Die Hilfsorganisation Save the Children erklärt „Über 84 % aller Binnenvertriebenen in Burundi sind nicht durch Konflikte, sondern durch Naturkatastrophen vertrieben worden“. Das größte Problem sei der Anstieg des Tanganjikasees, des zweitgrößten Sees in Afrika. Die extremen Wetterverhältnisse wie andauernder Starkregen haben zugenommen; dies wird vor allem auf den starken Temperaturunterschied an der Meeresoberfläche zwischen den westlichen und östlichen Gebieten des Indischen Ozeans zurückgeführt. Die UN-Klimaexperten gehen davon aus, dass künftig jährlich 2,7 Millionen Menschen durch Überschwemmungen in Afrika vertreiben werden.

Die Regierung hat den Abbau von Seltenen Erden in Gakara durch die Bergbaufirma Rainbow Mining Burundi ausgesetzt. Die Entscheidung wurde damit begründet, dass der Abbau ausschließlich zum Nutzen der Bergbaufirma Rainbow Mining Burundi geschehe, die diese Lagerstätte seit 2017 betreibt. Weiter lautet der Vorwurf, dass das Unternehmen systematisch unveränderliche Gehalte um 54 % angibt, während chemische Analysen, die an denselben Proben durchgeführt wurden, einen Gehalt von 80,9 % ergeben.

Pierre Buyoya (71) ist aufgrund von Covid-19 Komplikationen verstorben. Der pensionierte Armee-Major war 13 Jahre an der Macht, nachdem er seine Vorgänger gestürzt hatte. Im Oktober wurde er von einem burundischen Gericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt, da er beschuldigt wurde, 1993 den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes, Melchior Ndadaye, ermordet zu haben – was die Ermordung von schätzungsweise 300.000 Menschen zur Folge hatte. Er leugnete jegliches Fehlverhalten.

Das oberste Gericht Burundis verurteilte den ehemaligen Präsident Pierre Buyoya wegen „eines Angriffs auf das Staatsoberhaupt“ zu einer lebenslangen Haftstrafe. Buyoya, ein Tutsi, kam 1987 durch einen Staatsstreich an die Macht. 1993 verlor er die demokratischen Wahlen gegen Ndadaye, ein Hutu; dieser wurde nach 4 Monaten von Tutsi-Soldaten getötet. Seine Ermordung stürzte die Nation in einen jahrelangen Bürgerkrieg zwischen der Mehrheit der Hutu und der Minderheit der Tutsi. Buyoya hat das Urteil als „Betrug“ abgelehnt. „Dieser Fall ist ein rein politischer Prozess“, sagte er und deutete damit an, dass die gegenwärtige Regierung Burundis ihn für Wahlkampfzwecke ausnutzt.

Präsident John Magufuli von Tansania und sein burundischer Amtskollege, Präsident Evariste Ndayishimiye, haben vereinbart, ihre Wirtschaftsbeziehungen zu stärken. Ein erweiterter Handel und beiderseitige Investitionen sollen den Frieden und die Stabilität in den beiden Ländern voranzubringen.

Belgien und Deutschland sollen über 36 Milliarden Euro zahlen, um den Schaden zu kompensieren, den die beiden Länder über Jahrzehnte von Kolonialherrschaft verursacht haben. Auch gestohlene Archive und Gegenstände sollen zurückgegeben werden. Ab 1889 (Berliner Konferenz) war Burundi, als Teil von Deutsch-Ostafrika, eine deutsche Kolonie. Im Friedensvertrag von Versailles wurde Burundi 1919 als Teil von Ruanda-Urundi Belgien zugesprochen. 1962 wurde das Land unabhängig. Jahrzehnte andauernde ethnopolitische Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen der Hutu (ca. 85%) und Tutsi (ca. 15%) führten in den 1990er Jahren zum Bürgerkrieg, der mit dem Abkommen von Arusha im Jahr 2000 beendet wurde. Heute ist es eines der ärmsten Länder der Welt. Hoher Bevölkerungsdruck und extreme Landknappheit kennzeichnen die Lage.  Das Regime geht massiv gegen Oppositionelle vor. 430.000 Menschen sind ins Ausland geflohen.

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