Schlagwort: Südsudan

Für etwa 700,000 Rückkehrer läuft die Frist ab. Bis 8. April sollen sie nach Südsudan umgesiedelt sein. Doch will Khartum keine Lastkähne auf dem Weißen Nil zulassen, aus Angst, dass sich Kämpfer ins Grenzgebiet einschleusen könnten. Für Bahn, Straße und Luft ist der Andrang zu groß, so dass sich eine Katastrophe abzeichnet. Die Spannung wächst, besonders da kurz nach der Unterzeichnung des Nichtangriffspakts wieder Bomben auf Südsudan fielen.

Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ ist tief besorgt über die schockierende Gleichgültigkeit der UN-Truppen (UNMISS) den Flüchtlingen in Juba gegenüber, die seit Ausbruch der Gewalt Schutz im UN-Lager suchen. Man müsse nicht nur Gewalt, sondern auch Epidemien von den Vertriebenen fernhalten. Das ohnehin sumpfige Gelände ist mit Beginn der Regenzeit, wenn hunderte Latrinen überschwemmt werden, ein wahre „Todesfalle“.

Frauengruppen der verfeindeten Dinka und Nuer Ethnien trafen sich in der Stadt Bor in einem Lager der Friedenstruppe UNMISS zu Gesprächen über Versöhnung und die Notwendigkeit, ethnische Vorurteile zu überwinden. Bor war Schauplatz von Massakern im Dezember und Januar. Ob die Konfliktparteien Friedensgespräche in Addis Abeba wieder aufnehmen werden ist noch unklar.

Der Auswärtige Ausschuss hat dem Plan der Bundesregierung zugestimmet, 50 Bundeswehrsoldaten bis 15. November 2012 im Südsudan einzusetzen. Die Mission soll 1,88 Mill Euro kosten und die Konsolidierung des Friedens, den Aufbau des Staates und die wirtschaftliche Entwicklung zum Ziel haben. Die Regierung in Juba hatte schon vor der Unabhängigkeit um solche Hilfe angehalten.

Bein Angriff auf ein Dorf in der Jonglei Provinz starben 41 Menschen, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, die in den Hütten verbrannt wurden, in die sie sich geflüchtet hatten. Jonglei ist berüchtigt für ethnische Kämpfe und Rinderdiebstahl.

Südsudanesische Soldaten erschossen im Lorema Krankenhaus, unweit der ugandischen Grenze, einen Arzt, einen Patienten und vier Krankenschwestern. Sie waren unterwegs, um den Tod von acht ihrer Kameraden zu rächen, die beim Fahnden von Vieh-Dieben umkamen. Wie so oft, sind Rinder, die Wohlstand, Mitgift, Zahlungsmittel und in mageren Zeiten auch Nahrungsquelle sind, Grund für blutige Konflikte. Wo man vor 18 Monaten, zur Zeit der Unabhängigkeit, noch Straßenfeste feierte, geht jetzt die Angst um.

Juba beschuldigt Khartum, zwei Ölanlagen bombardiert und Truppen und Waffen in das schlecht definierte Grenzgebiet gebracht zu haben. Zwei MIG Flugzeuge hätten sechs Bomben über Unity State abgeworfen und so den Nichtangriffspakt vom letzten Monat verletzt. Khartum weist die Vorwürfe zurück.

Tagelang verhandelten die Präsidenten der beiden Länder, Sudan und Südsudan, über die ausstehenden Streitpunkte. Al-Bashir und Kiir sagten sogar ihre Teilnahme an der UN-Vollversammlung ab und einigten sich unter internationalem Druck wenigstens in einigen Punkten: die Ölförderung, den Transport und eine entmilitarisierte Zone im Grenzgebiet. Die Abyei Provinz und andere Strecken entlang der 1,800 km langen Grenze bleiben umstritten. Der Förderstopp hatte den Südsudan, der zu 98% von Ölexporten abhängt, an den Rand des Ruins gebracht.

Ban Ki Moon hat den neuerlichen Gebrauch von Streubomben scharf verurteilt. UN-Minenräumer haben auf der Straße zwischen der Hauptstadt Juba und Bor im Jonglei Staat Spuren dieser heimtückischen Waffe gefunden, die noch Monate nach den Kampfhandlungen eine konstante Bedrohung für die Bevölkerung vor Ort darstellt. Jedoch begrüßte Ban die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen und hofft, dass eine ausgehandelte Waffenruhe auch befolgt wird.

Zehn Monate nach der Unabhängigkeit gibt es immer noch keine klare Demarkationslinie. Die Menschen in den Grenzstaaten leben in ständiger Angst vor Bomben und Milizen. Die Regierung in Khartum soll die Verteilung von Lebensmitteln und das Errichten von Flüchtlingslagern verboten haben. Mitglieder des katholischen Klerus und der humanitären „Sudan-Aid“ sind im Hilfsprozess verhaftet worden. Caritas ist besorgt um etwa eine halbe Million Südsudanesen, die noch im Norden leben. Sie müssen entweder die sudanesische Staatsbürgerschaft annehmen oder nach Südsudan zurück kehren. Das Rückkehr Ultimatum wurde wieder verschoben.

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