Schlagwort: Eritrea

Eritrea ist aus dem ostafrikanischen Regionalblock IGAD (Intergovernmental Authority on Development) ausgetreten und wirft der Organisation vor, „zu einem Instrument gegen“ Länder wie das eigene geworden zu sein. Der Austritt erfolgt inmitten eines heftigen Wortgefechts zwischen Eritrea und dem Nachbarland Äthiopien, das Befürchtungen vor einem erneuten bewaffneten Konflikt schürt. Die IGAD wurde gegründet, um die regionale Stabilität und Ernährungssicherheit in Ostafrika zu fördern. Zu ihr gehören Äthiopien, Kenia, Sudan, Südsudan, Uganda und Dschibuti. Die Regierung in Eritreas Hauptstadt Asmara wirft der IGAD seit langem vor, in regionalen Konflikten Partei für Äthiopien zu ergreifen. Eritrea hatte den Block bereits 2007 während seines Grenzkonflikts mit Äthiopien verlassen. Erst 2023 trat es wieder bei.

Die Besorgnis über einen möglichen bewaffneten Konflikt zwischen Äthiopien und Eritrea wächst, da die feindselige Rhetorik in den letzten Wochen zugenommen hat. Der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed und Armeechef Feldmarschall Birhanu Jula haben offen Anspruch auf den südlichen Hafen von Assab in Eritrea – etwa 60 km von der Grenze entfernt – erhoben und angedeutet, dass sie ihn mit Gewalt einnehmen wollen. Nach einem jahrzehntelangen Unabhängigkeitskampf spaltete sich Eritrea, das über eine 1.350 km lange Küste am Roten Meer verfügt, 1993 offiziell von Äthiopien ab, wodurch dieses Land nun keinen Zugang mehr zum Meer hat. Am 1. September erklärte Abiy, Äthiopiens „Fehler”, durch die Abspaltung Eritreas den Zugang zum Roten Meer verloren zu haben, werde „morgen korrigiert”.

Die äthiopische Regierung hat Eritrea beschuldigt, sich mit der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) verschworen zu haben, um „Krieg“ gegen das Land zu führen. In jüngster Zeit kam es zu Spannungen zwischen den beiden Nachbarn um die Kontrolle über das Rote Meer ist. Eritrea erhielt bei der Unabhängigkeit 1993 die Kontrolle über die Küste. Äthiopien und Eritrea kämpften von 1998 bis 2000 um die Kontrolle über die Grenzstadt Badme, wobei Zehntausende Menschen ums Leben kamen.

An der Grenze zwischen Äthiopien und Eritrea wurde in Zalambessa in Anwesenheit von Dorfältesten und religiösen Führern gefeiert. Die Gemeinden aus den Grenzdörfern kamen zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder zusammenkamen. Seit dem Ausbruch des Konflikts in Äthiopiens nördlicher Tigray-Region im Jahr 2020 ist die Grenze geschlossen. Die Initiative zur Wiederöffnung eines Grenzabschnitts wurde von lokalen Aktivisten und Persönlichkeiten aus der Gemeinde ohne offizielle Unterstützung der Behörden auf beiden Seiten organisiert. Mehr als 55.000 Menschen leben, nun in Adigrat, 30 km südlich von Zalambessa, in Behelfsunterkünften und sind zum Überleben auf Verwandte angewiesen. Offiziell ist die Grenze geschlossen.

Nach mehr als 230 km schreibt Biniam Girmay aus Eritrea bei der Tour de France Radsportgeschichte; als erster Schwarzafrikaner gewinnt er eine Etappe bei der Tour de France. Über das Entwicklungsprogramm des Radsport-Weltverbandes UCI war Girmay einst nach Europa gekommen, um schließlich bei den Profis durchzustarten. Schon 2022 jubelte er, als er den Klassiker Gent-Wevelgem gewann und eine Etappe beim Giro d’Italia holte, ehe er die Rundfahrt verlassen musste, weil er sich bei der Siegerehrung einen Sektkorken ins Auge schoss. Nun kann er wieder jubeln und sagt: „Wir müssen stolz sein. Jetzt sind wir bei den großen Rennen dabei und haben Erfolg. Jetzt ist unser Moment, jetzt ist unsere Zeit gekommen. Das ist für ganz Afrika“

Israel erwägt die sofortige Abschiebung von eritreischen Asylbewerbern. Bei gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei und Auseinandersetzungen zwischen Gruppen von Anhängern und Gegnern des eritreischen Regimes wurden rund 170 Menschen verletzt. Zudem ordnete er einen neuen Plan zur Abschiebung aller afrikanischen Migranten an, die er als „illegale Eindringlinge“ bezeichnete. In Israel leben etwa 25.000 afrikanische Migranten, vor allem aus dem Sudan und Eritrea, die nach eigenen Angaben vor Konflikten oder Unterdrückung geflohen sind. Israel erkennt nur sehr wenige als Asylsuchende an, da es sie überwiegend als Wirtschaftsmigranten betrachtet, und sagt, es habe keine rechtliche Verpflichtung, sie aufzunehmen. Nach internationalem Recht kann Israel Migranten nicht gewaltsam in ein Land zurückschicken, in dem ihr Leben oder ihre Freiheit in Gefahr sind.

Der eritreische Präsident Isaias Afwerki ist auf Einladung von Präsident Wladimir Putin zu einem viertägigen offiziellen Besuch in Moskau gelandet; auch der Außen- und der Kulturminister nehmen an der Reise teil. Eritrea und Russland unterhalten herzliche Beziehungen – und Eritrea ist eines der wenigen Länder, die gegen UN-Resolutionen gestimmt haben, in denen Russlands Einmarsch in die Ukraine verurteilt wird. Präsident Isaias, der kürzlich von einem offiziellen Besuch in China zurückgekehrt ist, regiert Eritrea, seit es 1993 die Unabhängigkeit vom benachbarten Äthiopien erlangte. Das Land, ein Einparteienstaat und eine stark militarisierte Gesellschaft, liegt in einem strategisch wichtigen Gebiet am Horn von Afrika – und hat noch nie nationale Wahlen abgehalten.

Als Eritrea nach einem von der UNO unterstützten Referendum im Mai 1993 die Unabhängigkeit proklamierte, war das kleine Land am Horn von Afrika am Roten Meer „in Optimismus gebadet“. Nach 30 Jahren gibt es nichts zu feiern. Alle Hoffnung ist geschwunden. Unter der Führung von Isaias Afeworki, dem ehemaligen Rebellenführer und jetzigen Präsidenten, ist die Bevölkerung einem totalitären Regime ausgeliefert. Eritrea wird inzwischen das „afrikanische Nordkorea“ genannt. Dissidenten verschwinden und Zivilisten werden lebenslänglich in die Armee eingezogen oder zur Zwangsarbeit gezwungen. Nie gab es eine Wahl, nie eine freie Presse oder politische Opposition. Hunderttausende Eritreer sind auf der Suche nach Arbeit und Freiheit aus dem Land geflohen. Inzwischen bildet Eritrea das Schlusslicht der Weltrangliste in den Bereichen Pressefreiheit, Menschenrechte und Entwicklungswirtschaft. An eine ersehnte Rückkehr aus der Diaspora ist nicht zu denken.

In der Gegend von Ngwerere nördlich von Sambias Hauptstadt Lusaka wurden am frühen Sonntag 27 Leichen am Straßenrand entdeckt. Ein Überlebender wurde in ein nahes Krankenhaus gebracht. Nach ihren Ausweisdokumenten waren es äthiopische Staatsangehörige, alles Männer zwischen 20 und 38 Jahren, die auf dem Weg nach Südafrika waren. Die Leichen wurden zur Autopsie in das Zambia University Teaching Hospital gebracht. Eine ähnliche Aufdeckung gab es am 30. Oktober in Malawi, wo 30 Leichen – 25 in einem Massengrab –  gefunden wurden, wahrscheinlich Äthiopier auf dem Weg in den Süden. Sambia und Malawi sind wichtige Schleuser Routen für Migranten aus Äthiopien und Somalia, beides Länder, die von Instabilität betroffen sind. Südafrika bleibt ein Magnet für die Ärmsten des Kontinents.

Wegen der Wehrpflicht, die unbefristet geworden ist, haben in den letzten 2 Jahrzehnten Zehntausende junge Eritreer das Land verlassen. Nun hat sich die militärische Einberufung wegen des äthiopischen Tigray-Krieges intensiviert. Präsident Afewerki hat Äthiopien militärische Unterstützung gegen die Tigray-Rebellen (TPLF) zugesagt, doch viele seiner Bürger widersetzen sich; sie wollen nicht in einem unnötigen Krieg sterben. In der Razzia werden ältere Väter und Mütter festgenommen, um ihre untergetauchten Kinder zur Kapitulation zu zwingen. Auch Ehefrauen werden inhaftiert, wenn sich ihre Männer nicht stellen. In Asmara gibt es Straßen Razzien; in ländlichen Gebieten werden Häuser versiegelt und Viehherden beschlagnahmt. „Jemanden zu verstecken ist Verrat“. Der Tigray-Krieg wird inzwischen als „die Ukraine Afrikas“ bezeichnet.

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