Schlagwort: Tunesien

Das größte archäologische Museum Tunesiens, das BARDO, heißt die Öffentlichkeit wieder willkommen. Das Museum ist in einem osmanischen Gouverneurspalast aus dem 19. Jahrhundert in der Nähe des Parlaments in Tunis untergebracht. Es wurde geschlossen, nachdem der Präsident (Kais Saied) die Legislative ausgesetzt und 2021 weitreichende Befugnisse übernommen hatte. Die Berühmtheit des BARDO beruht auf den zahlreichen seltenen Artefakten, die bei Ausgrabungen in Tunesien seit dem neunzehnten Jahrhundert entdeckt wurden. Besucher können mehrere riesige antike Mosaiken, darunter Darstellungen des römischen Gottes Neptun oder des Herkules und seiner Geliebten Omphale bestaunen. Das Museum organisiert traditionell wissenschaftliche Seminare und Tagungen und lädt junge Leute zu Workshops ein. Die Jugendlichen können zum Beispiel mehr über das Gießen und die arabische Kalligrafie lernen.

Die Insel Djerba vor der tunesischen Küste wurde in die begehrte Liste des Weltkulturerbes der UN-Kulturorganisation aufgenommen. Die Anerkennung durch die Unesco fördert häufig den Tourismus und kann die Beschaffung von Mitteln für die Erhaltung von Kulturstätten erleichtern. Besucher strömen bereits auf die malerische Insel, die für ihre weiß getünchten Dörfer und die jährliche Wallfahrt zur Ghriba-Synagoge bekannt ist. Es wird angenommen, dass Djerba eine der ersten jüdischen Siedlungen in Afrika war.

Tunesien und Libyen haben sich darauf geeinigt, gemeinsam die Verantwortung für die Unterbringung von Hunderten von Migranten zu übernehmen, die bis zu einem Monat an ihrer Grenze gestrandet waren, nachdem Dutzende von ihnen in der Wüste gestorben waren. Laut Human Rights Watch wurden bis zu 1 200 Schwarzafrikaner „von tunesischen Sicherheitskräften vertrieben oder gewaltsam in Wüstengebiete an der Grenze zu Libyen und Algerien gebracht“. Auch die Vereinten Nationen berichteten von Gewalt gegen Migranten, von denen etwa 600 000 in Libyen leben. Sowohl Libyen als auch Tunesien sind wichtige Einfallstore für Migranten und Asylbewerber, die in oft klapprigen Booten eine gefährliche Reise in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa unternehmen. Die Entfernung zwischen Sfax und der italienischen Insel Lampedusa beträgt nur etwa 130 Kilometer.

Innenminister Kamel Feki teilte dem Parlament mit, dass vom 1. Januar bis zum 20. Juli dieses Jahres 901 Leichen aus dem Mittelmeer geborgen worden seien; in etlichen Operationen wurden mehr als 34.000 Menschen gerettet. Die meisten Boote mit Migranten laufen von der südlichen Stadt Sfax aus, um nach Europa zu gelangen. Die italienische Regierung hat erklärt, dass in diesem Jahr mehr als 80 000 Menschen das Mittelmeer überquert haben und an der italienischen Küste angekommen sind. Die meisten kommen aus Tunesien und Libyen. Nach Angaben der IOM (Organisation für Migration) hat sich das zentrale Mittelmeer zur tödlichsten Migrationsroute der Welt entwickelt, die seit 2014 mehr als 20.000 Menschenleben gefordert hat.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte dem nordafrikanischen Staat eine »verstärkte Partnerschaft« und Finanzhilfen in Höhe von über einer Milliarde Euro in Aussicht, um die Abwanderung nach Europa einzudämmen und die wirtschaftliche Stabilität in dem nordafrikanischen Land wiederherzustellen. 150 Millionen Euro könnten »sofort« für den tunesischen Staatshaushalt zur Verfügung gestellt, weitere 900 Millionen als langfristige Unterstützung. Neben der Budgethilfe werden  EU-Investitionen diskutiert für andere Felder: Hochgeschindigkeitsbreitband und andere digitale Infrastrukturen sowie 300 Millionen Euro für Wasserstoff- und andere erneuerbare Energieprojekte.

Bei dem Spiel der afrikanischen Champions League, zwischen Esperance (Tunesien) und JS Kabylie (Algerien) kam es zu Ausschreitungen die von den Mannschaften als „apokalyptisch“ bezeichnet wurden. Ein Fan wurde mit einer Kettensäge auf der Tribüne gesehen, während andere Feuer legten. Die Ausschreitungen führten zu einer 40-minütigen Verzögerung. Das Spiel endete schließlich mit einem 1:1-Unentschieden, wodurch Esperance einen 2:1-Gesamtsieg errang. Der viermalige Afrikameister könnte nun gezwungen sein, künftige Spiele in diesem Wettbewerb hinter verschlossenen Türen auszutragen, wenn die Confederation of African Football (Caf) entsprechende Sanktionen verhängt. Ähnliche Vorfälle gab es bei dem Spiel Raja Casablanca (Marokko) gegen Al Ahly (Ägypten) 0:0

Wegen der schweren Dürre, haben die Behörden in der Hauptstadt und anderen Städten nachts das Trinkwasser abgestellt, um den Verbrauch zu senken. Die tunesischen Staudämme verzeichneten einen Kapazitätsrückgang von rund 1 Milliarde Kubikmeter aufgrund des Regenmangels von September 2022 bis Mitte März 2023. Der Sidi-Salem-Damm im Norden des Landes, der für die Trinkwasserversorgung mehrerer Regionen von großer Bedeutung ist, hat nach offiziellen Angaben nur noch 16 % seiner maximalen Kapazität von 580 Millionen Kubikmetern.

Präsident Kais Saied hat angekündigt, dass die 2018 gewählten Gemeinderäte aufgelöst und durch so genannte Sonderdelegationen ersetzt werden sollen. Die Räte galten als eine der demokratischen Errungenschaften in Tunesien nach dem Aufstand von 2011, der das autokratische Regime von Zine al-Abidine Ben Ali stürzte. Die Räte werden von den heute wichtigsten Oppositionsparteien dominiert.

Tunesien hat ein neues Parlament vereidigt, dessen Legitimität die Oppositionskoalition nicht anerkennen will. Nur staatliche Medien durften von der Eröffnungssitzung berichten. Unabhängigen Journalisten wurde der Zugang verweigert. Das Parlament wurde bei einer Wahlbeteiligung von knapp über 11 % gewählt, nachdem eine neue Verfassung verabschiedet worden war, die ihrem Verfasser, Präsident Kais Saied, weitreichende Befugnisse einräumte.

Während die meisten afrikanischen Länder Beileidsbekundungen schickten, hat Tunesien – trotz Knappheiten im eigenen Land – sich der langen Liste der Länder angeschlossen, die Hilfe in die vom Erdbeben betroffene Türkei und Syrien schicken. Präsident Kais Sayed hatte sofort „humanitäre Hilfe“ bestellt, darunter über 15 Tonnen Decken und Lebensmittel. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat davor gewarnt, dass bis zu 23 Millionen Menschen von dem schweren Erdbeben betroffen sein könnten.

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