Schlagwort: Tunesien

Bei seinem Besuch der drei nordafrikanischen Ex-Kolonien hat der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin in Tunesien mehr demokratische Reformen gefordert. Die Wahlen im letzten Jahr waren unter starke internationale Kritik geraten.

Wissenschaftler, die außerirdische Lebensbedingungen erforschen, berichten, dass der Salzsee Schott El Dscherid im Südwesten des Landes in Bodenbeschaffenheit und Umweltbedingungen mit bestimmten Zonen auf dem Mars fast identisch ist. Die Expedition ist Teil des Projekts Europlanet, das an der Weiterentwicklung von Raumfahrtinstrumenten arbeitet.

Erste amtliche Ergebnisse deuten auf einen Wahlsieg der lange verbotenen islamischen Ennahda – Bewegung hin, die in den 70er Jahren gegründete Gruppe war unter dem ersten Präsidenten und seinem Nachfolger Zine el Abidine Ben Ali massiv unterdrückt worden. Die Partei vergleicht sich mit der AKP-Partei des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan und nicht am Iran oder an Saudi-Arabien. Sie hat nun schon Koalitionsverhandlungen aufgenommen. Die 217 gewählten Abgeordneten sollen eine neue Verfassung ausarbeiten und den Präsidenten der Übergangsregierung bestimmen. Internationale Beobachter bescheinigten der Wahl, einen fairen und transparenten Verlauf.

Dreimal kam es in den letzten Wochen um Tunis zu Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten Banden, bei denen 14 Menschen umkamen. Nach Regierungsangaben handelt es sich um eine terroristische Gruppe aus Algerien, die den Salafisten nahe steht, bei der Botschaftspläne und Sprengstoff gefunden wurden.

Gestern hat Premier Ali Larajedh unter Druck der Opposition seinen Rücktritt erklärt. Er gehört der islamistischen Ennahda Bewegung an und hatte sich gegen alle Ben Ali Anhänger gestellt. Nur anhaltende Proteste über verletzte Menschenrechte und schlechte Lebensbedingungen brachten Islamisten und Opposition zusammen, um eine neue Verfassung zu entwerfen. Eine Interim Regierung übernimmt die Geschäfte bis zu Wahlen am Jahresende.

Papst Benedikt hat das Bistum Tunis zur Erzdiözese erhoben. Der amtierende Bischof Maroun Lahham wird somit Erzbischof.

Obwohl in der Verfassung festgeschrieben, ist die freie Religionsausübung gefährdet. Ein Grund für die Störung des friedlichen Miteinanders von Christen, Juden und Muslimen sei der Einsatz tunesischer Soldaten in Afghanistan, Tschetschenien und im Irak, wo sie auf Seiten der Islamiten kämpften.

Im Vorfeld der für den 23. Oktober angesetzten Wahlen, den ersten seit dem Sturz Ben Alis, wehrt sich die Polizei mit Tränengas gegen islamistische Demonstranten, die sie mit Steinen, Stöcken und Messern bedrohen. Es sind die schlimmsten religiös motivierten Ausschreitungen in Tunis seit Jahren. Die radikalen Islamisten befürchten, dass die neue Verfassung ihren Vorstellungen nicht genügend Rechnung tragen wird, doch könnten die Zusammenstöße den säkularen Kräften mehr Stimmen einbringen. Im Ursprungsland des „arabischen Frühlings“ wachsen die Spannungen.

Heute beginnt die drei-tägige Staatstrauer für die Opfer des Volksaufstands, der zum Fall von Präsident Ben Ali führte. Offiziell soll es 78 Tote gegeben haben. In einer Generalamnestie werden, wenn das Parlament zustimmt, alle politischen Gefangene entlassen. Dass die Akademiker die Demonstranten unterstützten, könnte Grund zur Hoffnung für Frieden und eine neue Ordnung sein.

Tausende Frauen demonstrierten in Tunis gegen den Plan der Regierung, die Rechte der Frauen in der Verfassung zu ändern. Die Konstitution garantierte bisher die Gleichheit von Mann und Frau. Der Verfassungsentwurf der islamistischen Regierungspartei Ennahda spricht von der Komplimentarität von Mann und Frau. Viele Frauen sehen darin den Versuch, die Frau dem Diktat des Mannes zu unterwerfen.

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