Schlagwort: Tunesien

Bei der Vorbereitung des UN-Informationsgipfels hat die Nichtregierungsorganisation International Freedom of Exchange (Ifex) gegen die Wahl von Tunesien als Tagungsstandort protestiert. Tunesien sei ein Polizeistaat und schränke die Freiheit unabhängiger Organisationen immer mehr ein.

Die CERNA Bischöfe in den Ländern des Maghreb sind zu einer dreitägigen Sitzung in Tunis zusammen gekommen. Es geht um die Zukunft der christlichen Minderheiten in den Ländern des „arabischen Frühlings“, die in der Zeit des Umbruchs Hilfe brauchen. Weitere Themen sind die Flüchtlingspastoral und Caritas.

Der seit dem Umsturz mutmaßlich vernachlässigte Grenzschutz ermutigt viele Tunesier zur Überfahrt nach Lampedusa. Die nur 20 qukm große italienische Insel hat das inzwischen geschlossene Flüchtlingslager wieder eröffnet und den humanitären Notstand erklärt. Die von Rom angebotenen Polizeikräfte zur Eindämmung des Flüchtlingsstroms vor seiner Küste lehnt Tunesien als Einmischung ab.

Wenn am 23 Oktober das Ursprungsland des „arabischen Frühlings“ zur ersten freien Wahl geht, hat die Islamistenpartei al-Nahda gute Chancen. Der aus dem Londoner Exil zurückgekehrte Anführer Ghannouchi gibt sich als moderat und demokratisch, setzt sich aber ein für die Rückkehr zu den „arabisch-islamischen Wurzeln“. Die säkularen Tunesier fürchten, dass die Revolution ihr Ziel verfehlt.

Zum ersten Mal wurde mit der 46-jährigen Ahmed Nejib Chebbi eine Frau an die Spitze einer Partei gewählt. Sie löst May Eljeribi in der Leitung der Progressiven Democratischen Partei(PDP) ab.

Unter Ben Alis Regierung war sie für viele Menschenrechtsverletzungen verantwortlich und vom Volk gehasst. Ihre Auflösung war eine Kernforderung der Opposition. Der Übergangspremier hat für nach den Wahlen am 24. Juli eine neue Regierung versprochen, die keine Mitglieder des alten Regimes enthält, was viele Demonstranten als endgültigen Sieg sehen.

Dank seines umsichtigen wirtschaftlichen Management erreichte Tunesien in den vergangenen Jahren ein anhaltendes Wachstum. Es gilt daher als Vorbild für andere Länder Afrikas und des Mittleren Ostens. Tunesien verfügt über diverse Wirtschaftszweige, darunter Landwirtschaft, Industrie, Bergbau und Petrochemie. Das Realwachstum erreichte 2007 6,3%.

Nach wochenlangen Protesten ist der tunesische Ministerpräsident nun zurückgetreten, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Ghannouchi, langjähriger Regierungschef unter Ben Ali, wollte erst nach den Neuwahlen im Juli gehen, aber der Unmut der Tunesier gegen seinen Verbleib im Amt, der am Wochenende noch drei Todesopfer forderte, brachte die schnelle Entscheidung.

Die zehn Anraierstaaten des Mittelmeers diskutieren während eines Treffens in Tunesien Möglichkeiten, neue Arten von Tourismus zu entwicklen, der nicht nur der Wirtschaft der Region nützt, sondern die Umwelt schützt und der Völkerverständigung dient. Die Mittelmeerregion zieht weltweit ein Drittel aller Touristen an.

Kurz vor dem ersten Jahrestag der Revolution, die Ben Ali stürzte, wurde das Land von einer Reihe Selbstverbrennungen erschüttert. Ein Versuch aus sechs endete tödlich. Mit einer Selbstverbrennung hatten die Massenproteste im Dezember 2010 begonnen. Jetzt klagen viele Tunesier, dass es ihnen wirtschaftlich schlechter geht als zuvor.

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