Schlagwort: Südsudan

Tagelang verhandelten die Präsidenten der beiden Länder, Sudan und Südsudan, über die ausstehenden Streitpunkte. Al-Bashir und Kiir sagten sogar ihre Teilnahme an der UN-Vollversammlung ab und einigten sich unter internationalem Druck wenigstens in einigen Punkten: die Ölförderung, den Transport und eine entmilitarisierte Zone im Grenzgebiet. Die Abyei Provinz und andere Strecken entlang der 1,800 km langen Grenze bleiben umstritten. Der Förderstopp hatte den Südsudan, der zu 98% von Ölexporten abhängt, an den Rand des Ruins gebracht.

Ban Ki Moon hat den neuerlichen Gebrauch von Streubomben scharf verurteilt. UN-Minenräumer haben auf der Straße zwischen der Hauptstadt Juba und Bor im Jonglei Staat Spuren dieser heimtückischen Waffe gefunden, die noch Monate nach den Kampfhandlungen eine konstante Bedrohung für die Bevölkerung vor Ort darstellt. Jedoch begrüßte Ban die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen und hofft, dass eine ausgehandelte Waffenruhe auch befolgt wird.

Zehn Monate nach der Unabhängigkeit gibt es immer noch keine klare Demarkationslinie. Die Menschen in den Grenzstaaten leben in ständiger Angst vor Bomben und Milizen. Die Regierung in Khartum soll die Verteilung von Lebensmitteln und das Errichten von Flüchtlingslagern verboten haben. Mitglieder des katholischen Klerus und der humanitären „Sudan-Aid“ sind im Hilfsprozess verhaftet worden. Caritas ist besorgt um etwa eine halbe Million Südsudanesen, die noch im Norden leben. Sie müssen entweder die sudanesische Staatsbürgerschaft annehmen oder nach Südsudan zurück kehren. Das Rückkehr Ultimatum wurde wieder verschoben.

Nach einer Nacht mit schweren Kämpfen in den Militärlagern der Hauptstadt Juba hat die Armee die Lage unter Kontrolle gebracht. Die Stadt Bor wurde von Rebellen eingenommen und auch aus Pibor wurden Kampfe gemeldet. Die UN-Mission in Juba spricht von Hunderten von Toten und 20,000 Flüchtlingen auf dem UN-Gelände. Präsident Salva Kiir beschuldigte seinen früheren Vize-Präsidenten Riek Machar, den er im Juli seines Amtes enthoben hatte, hinter dem Putschversuch zu stehen. Machar floh aus Juba und bestreitet aber eine Beteiligung am Konflikt. Der südsudanesische Kirchenrat bot seine Vermittlerdienste an. Seit mehreren Monaten eskalieren die Spannungen zwischen den beiden größsten ethnischen Gruppen der Dinka und der Nuer. Beobachter befürchten einen neuen Bürgerkrieg.

Nach Bor ist nun auch die Stadt Malakal wieder in Händen der Regierung. Das zertrümmerte Bor ist eine Geisterstadt geworden; bei den Kämpfen in Malakal hat die Regierung im Nachbarstaat Sudan aus humanitären Gründen den Flüchtlingsströmen die Grenze geöffnet. Die Rebellen kontrollieren noch große Landstriche in den Provinzen Upper Nile und Jonglei. Der Konflikt geht brutal und unvermindert weiter.

UNICEF ist empört, dass Regierungssoldaten die speziell für Kinder zum Schulanfang gerichteten Rucksäcke plünderten. Seit Beginn der Kämpfe haben beide Seiten große Mengen Nahrungsmittel und Medizin von Depots, Schulen und Krankenhäusern gestohlen. Dieser eklatante Raub zeugt von einer totalen Missachtung der Nöte der Zivilbevölkerung.

Weil Juba behauptet, Millionen an Öleinkommen verloren zu haben, will die Regierung in zwei Wochen die Ölförderung einstellen und kein Öl durch den Norden nach Port Sudan fließen lassen. Der Druck, eine alternative Pipeline durch Kenia zum Hafen von Lamu zu bauen, wächst. Inzwischen befürchten die Länder Ostafrikas, dass die Spannungen zwischen den beiden Sudans zum offenen Kampf führen könnten.

Die Bischöfe wollen den 2. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung als Anlass nehmen, die Versöhnung innerhalb des von Spannung und Kampf geplagten Landes zu fördern. Von den Bundesstaaten Upper Nile, Unity und Jonglei sind Tausende Südsudanesen in Nachbarländer geflohen. Der Vorschlag der nationalen Versöhnungskommission ist, vor dem 9. Juli Gebets – und Fastentage zu halten, erst Muslime und Christen getrennt, dann alle zusammen, damit es „eine innere Versöhnung“ zwischen Ethnien und Stämmen gibt.

Ein Militärsprecher aus Juba bestätigt, dass in zwei Zusammenstößen zwischen Armee und Rebellen in der Jonglei Region 33 Menschen umkamen. Friedensbemühungen seitens der Regierung seien fehlgeschlagen. Der Anführer der Rebellen, David Yau Yau, verstehe nur „die Sprache der Pistole“.

Mindestens 12,000 südsudanesische Flüchtlinge, die in den Kämpfen im Grenzgebiet gefangen waren, sollen jetzt nach Khartum gebracht und dann nach Juba geflogen werden. Das hat die Internationale Organisation für Migration (IOM) beschlossen. Die sudanesische Regierung zeigt sich behilflich in Dokumentation und Frachtbeförderung. Noch sind über 300,000 Südsudanesen im Norden, die ihren Status legalisieren müssen.

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