Schlagwort: Mauretanien

In den letzten zwei Wochen sind Tausende Malier nach Westen in Richtung mauretanische Grenze geflohen, da eine mit Al-Qaida verbundene JNIM-Blockade weiterhin ganze Gemeinden von der Außenwelt abschneidet. Die meisten, denen es gelungen ist, Mauretanien zu erreichen, sagen, dass sie nicht die Absicht haben, zurückzukehren, und verweisen dabei auf die unerbittliche Gewalt, die die Region seit 2012 heimgesucht hat.

Der Bergbausektor Mauretaniens ist zu einem Eckpfeiler des nationalen Wachstums geworden und macht fast 1/5 des BIP des Landes und fast 25 % der Staatseinnahmen aus. Eisenerz-, Gold-, Kupfer- und Uranprojekte bilden das Rückgrat der Wirtschaft. Die staatliche Société Nationale Industrielle et Minière (SNIM) leistet den größten Beitrag, gefolgt von Kinross Tasiast, ein kanadischer Konzern. Internationale Investoren werden zunehmend auf das Bergbaupotenzial Mauretaniens aufmerksam. Aura Energy, ein in australisches Bergbauunternehmen, treibt sein Uranprojekt Tiris voran, während mehrere kleinere Firmen mit der Goldexploration begonnen haben. Im Jahr 2024 beschäftigte der industrielle Bergbau laut über 16.000 Menschen. Über Eisenerz, Gold, Kupfer und Gips hinaus werden neue Projekte in den Bereichen Uran, Seltenerdmetalle, Phosphate und andere strategische Mineralien vorangetrieben.

Der ehemalige Präsident Mohamed Ould Abdel Aziz, hat seine letzte Berufung gegen eine 15-jährige Haftstrafe wegen Korruption während seiner Amtszeit verloren. Nachdem Abdel Aziz 2008 durch einen Staatsstreich die Macht ergriffen hatte, wurde er zweimal zum Präsidenten gewählt. Er war von 2009 bis 2019 im Amt, bevor er zurücktrat. Im Jahr 2021 wurde er zusammen mit zehn weiteren prominenten Persönlichkeiten, darunter zwei ehemalige Premierminister, wegen illegaler Bereicherung, Amtsmissbrauch, Einflussnahme und Geldwäsche angeklagt. Seit seiner Verurteilung wurden ihm sein Vermögen und seine Bürgerrechte entzogen.

Die Regierungen von Senegal und Mali sind verärgert darüber, wie ihre Staatsangehörigen in dem Mauretanien behandelt werden. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen wurden in den letzten Monaten viele ausländische Staatsangehörige von mauretanischen Sicherheitskräften aufgegriffen, inhaftiert und über die Grenze nach Senegal und Mali geschickt wurden. Nach einer Schätzung der Mauretanischen Vereinigung für Menschenrechte (AMDH) wurden allein im März 1.200 Menschen zurückgeschickt, obwohl etwa 700 von ihnen eine Aufenthaltsgenehmigung hatten. Diejenigen, die zurückgeschickt wurden, berichteten Reportern, dass sie wahllos befragt und dann verhaftet, tagelang in engen Gefängniszellen mit unzureichendem Essen und Wasser festgehalten und gefoltert wurden. Viele Menschen blieben in Mauretanien im Gefängnis. Das größtenteils in der Wüste gelegene Land – das teure Abkommen mit der Europäischen Union unterzeichnet hat, um Migranten von der riskanten Bootsfahrt über den Atlantik zu den westlichen Küsten abzuhalten – hat die Zurückweisungen als notwendig bezeichnet, um gegen Menschenschmugglernetzwerke vorzugehen.

Aus vorläufigen amtlichen Wahlergebnissen geht hervor, dass nach Auszählung fast aller Wahllokale Staatschef Ghazouani mehr als 56 % der Stimmen erreicht hat. Sein Hauptkonkurrent, der Anti-Sklaverei-Aktivist Biram Dah Abeid, kam auf rund 22 %. Er kündigte an, das Wahlergebnis anfechten zu wollen. Vorläufige Zahlen zeigen, dass die Wahlbeteiligung am Samstag bei knapp 55,33 % lag. Ghazouni kam 2019 an die Macht. Er hat den Vorsitz der Afrikanischen Union inne. Seine Gegner werfen ihm Korruption und Misswirtschaft vor. Nach UNO-Angaben leben 60 % der Menschen in Mauretanien in Armut.

Mauritanien und die Europäische Union haben ein Migrationsabkommen unterzeichnet, welches 230 Millionen Dollar zur Steuerung der Migration und zur Bekämpfung von Menschenschmugglern vorsieht. Nach Angaben Spaniens haben in den ersten beiden Monaten des Jahres fast 12 000 Migranten und Flüchtlinge die Inseln im Atlantik erreicht, die etwa 100 Kilometer vor der afrikanischen Küste liegen. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wurden im Jahr 2024 bisher mindestens 191 Migranten bei dem Versuch, die Kanarischen Inseln zu erreichen, als tot oder vermisst gemeldet. Die Route von Mauretanien zu den Kanarischen Inseln ist eine der tödlichsten und gefährlichsten.

Ein Gericht in Nouakchott hat den ehemaligen Präsidenten Mohamed Ould Abdel Aziz zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht verurteilte ihn wegen unrechtmäßiger Bereicherung und Geldwäsche und ordnete die Einziehung von Vermögenswerten an, die durch Handlungen erworben wurden, die unter diese beiden Qualifikationen fallen. Seine Bürgerrechte wurden ihm entzogen. Zum Zeitpunkt seiner Anklageerhebung im März 2021 bezifferten die Ermittler den Reichtum und das Kapital, das Aziz, der Sohn eines Ladenbesitzers, in mehr als zehn Jahren an der Spitze dieses riesigen und armen sahelischen Landes mit 4,5 Millionen Einwohnern angehäuft hatte, auf 67 Millionen Euro.

Die Regierungspartei hat bei den Parlaments- und Kommunalwahlen in der vergangenen Woche einen komfortablen Sieg errungen. Dies gilt als gutes Vorzeichen für die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr. Ghazouanis Partei El Insaf war der Favorit unter den 25 Parteien. El Insaf hat alle 13 Regionalräte und 165 der 238 zu vergebenden Kommunalwahlkreise gewonnen. Am 27. Mai wird es eine Stichwahl um die verbleibenden 36 Parlamentssitze geben. Die Opposition hat sich über „massiven Betrug“ bei den Wahlen beschwert, bei denen die offizielle Wahlbeteiligung bei 71,8 % lag. 1,8 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Die Wahlen waren die ersten seit 2019, als Präsident Mohamed Ould Ghazouani an die Macht kam.

Mauretanien finanziert mit Hilfe der Europäischen Union einen alternativen Plan zur Bekämpfung des Dschihadismus. Neben umfangreichen militärischen Reformen besteht eine der Strategien darin, die durchlässige, 2.000 km lange Grenze mit einer Einsatztruppe genannt Kamelkavallerie (Méhariste) zu patrouillieren. Die Sahelzone ist bekannt für ihren ständigen Kampf gegen dschihadistische Aufstände.

Der mauretanischen Ölminister, das deutsche Unternehmen Conjuncta Hamburg und das Gemeinschaftsunternehmen Infinity Power unterzeichneten eine Absichtserklärung über den Bau eines Großprojekts, dass bis zu acht Millionen Tonnen Ammoniak oder andere auf Wasserstoff basierende Endprodukte im Jahr produzieren soll. Die Gesamtinvestition werde in der Endausbauphase voraussichtlich 34 Milliarden Dollar betragen. Hinter Infinity Power stehen der ägyptische Grünstromerzeuger Infinity sowie das staatliche Erneuerbare Energien-Unternehmen Masdar aus dem Golfemirat Abu Dhabi.

Länder