Schlagwort: Äthiopien

Äthiopien – Der junge Premier Abiy Ahmed – sein Vater Muslim und Oromo, seine Mutter Christin und Amharin – war schon als Vermittler prädestiniert. Mit atemberaubendem Reformtempo befreite er tausende politische Gefangene, hob den Ausnahmezustand auf, öffnete das Land für Investoren, gab die Hälfte aller Ministerposten an Frauen, sprach von Versöhnung und Demokratie und beendete nach über 18 Jahren den Krieg mit dem Nachbarland Eritrea. Er wurde Friedensstifter am Horn von Afrika, aber interne Konflikte, lange aufgestaut, mehrten sich; er überlebte zwei Attentate. Nur wenn er die Probleme im Land mit seinen 80 Ethnien überwinden und Millionen junger Äthiopier Arbeit verschaffen kann, hat er eine Chance. Der Friedensnobelpreis sollte ihm Ansporn geben. Die diesjährige Vergabe in die 100. in der Geschichte; der 99. Gewinner war auch ein Afrikaner, der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege.

Äthiopien – Der Grand Renaissance Dam, den Äthiopien am Blauen Nil zu massiver Stromerzeugung baut, nähert sich der Vollendung, doch Äthiopien, Sudan und Ägypten können sich nicht auf ein faires Abkommen der Wasserverteilung einigen. Das Wüstenland Ägypten, das 90% seines Süßwassers aus dem Nil bezieht, bangt um seine Lebensader und fordert, dass Äthiopien eine höhere Wassermenge aus dem entstehenden Stausee freigibt als bisher geplant. Nun hat es die internationale Gemeinschaft um Vermittlung gebeten.

Äthiopien – Eine junge Äthiopierin hat 30 Minuten nach Geburt ihres Sohnes im Krankenhausbett ihr Examen geschrieben und mit 75% passiert. Der Papa verpasste die Geburt, weil er unterwegs war, um Erlaubnis und Papiere zu erhalten. Die ambitionierte Mutter wollte trotz Erschöpfung weiterkommen; sie strebt ein Ingenieurstudium an. Der Spitzname des Kleinen ist der Name von Mamas Schule „Abdi Bori“, übersetzt „Hoffnung von morgen“.

Äthiopien – Bei einem Ausflug der Studentendelegation der Technion Universität in die Danakil Wüste hat sich eine 21-jährige israelische Studentin wahrscheinlich verirrt und starb. Drohnen und Hubschrauber fanden nach langer Suche ihre Leiche. Mit 50°C ist die Danakil Senke an der Grenze zu Eritrea einer der heißesten Orte der Erde. Vom Kraterrand des Erta Ale Vulkans kann man den brodelnden Lavasee beobachten. Dieser menschenfeindliche Ort ist trotz aller Gefahren äußerst faszinierend mit seinen Salzseen, bunten Schwefellandschaften und endlosen Kamelkarawanen.

Äthiopien – In einer Aktion gegen den Klimawandel wurden an einem Tag im ganzen Land 350 Millionen Bäume gepflanzt, was einen Weltrekord darstellt. Insgesamt sollen vier Millionen Bäume gepflanzt werden. Wie viele andere afrikanische Länder, leidet Äthiopien unter extremen Wetterbedingungen von Dürren und Überflutungen. In einem Jahrhundert ist die Waldfläche im Land von 35 auf vier Prozent gesunken.

Äthiopien – Die föderalistische Verfassung erlaubt es größeren Ethnien, eine eigene halb-autonome Provinz zu bilden. Neun solcher eigenständigen Provinzen gibt es bereits. Seit vielen Jahren fordert das Volk der Sidama eine Teilautonomie. Nachdem die nationale Wahlkommission zunächst die Erlaubnis gab, unter den vier Millionen Mitgliedern ein Referendum abzuhalten, dann aber den Termin verschob, kam es zu Ausschreitungen. Um eine angedrohte unilaterale Unabhängigkeitserklärung zu verhindern, griff das Militär ein. Es gab 35 Tote. Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat mit etwa 120 ethnischen Gruppen.

Äthiopien – In der Region Amhara gab es am Wochenende einen Putschversuch. Der Präsident der Region und der Chef der Streitkräfte und einige andere wurden getötet. Verantwortlich ist der Sicherheitschef der Regionalverwaltung, Asaminew Tsige, der nach neun Jahren Haft letztes Jahr begnadigt wurde. Inzwischen wurde er gefangen und erschossen. Noch ist das Internet weitgehend abgeschaltet. Äthiopien ist im politischen Umbruch. Seit Abiy Ahmed im April 2018 die Macht übernahm, hat er viele Reformen eingeleitet, doch konnte er die unzähligen ethnischen Konflikte unter den über 105 Mio. Einwohnern aus 80 Ethnien noch nicht lösen.

Äthiopien – Für die orthodoxen Christen in Äthiopien ist die antike Stadt Aksum ein heiliger Ort, die Heimat der Königin von Saba und, wie sie glauben, der Aufbewahrungsort der Bundeslade mit den von Gott an Mose gegebenen Gesetzestafeln. Mönche überwachen das Heiligtum. Der Plan der Muslime, dort eine Moschee zu bauen, wird vehement abgelehnt. Wie es in Mekka keine Kirche gibt, kann es in Aksum keine Moschee geben. 85% der Bewohner sind orthodoxe Christen. Viele Menschen sind besorgt über die Kontroverse, weil das Königreich Aksum, eine der größten antiken Zivilisationen weltweit, für seine religiöse Toleranz berühmt war.

Äthiopien – Während Markus Söders Besuch eröffnete der FC Bayern in Addis Abeba seine erste Fußballschule auf dem Kontinent. Es geht um Aus- und Weiterbildung von Spielern und Trainern. Kurz nach der Äthiopienreise des Ministerpräsidenten hat das Kabinett das erste bayerische Afrika-Paket beschlossen. Damit will der Freistaat ganz gezielt, angefangen in Äthiopien, „die Entwicklung einzelner afrikanischer Staaten unterstützen, ihre Eigenverantwortung stärken und langfristige Partnerschaften in ganz Afrika entwickeln“.

Äthiopien – Um den Beitrag von Frauen in allen Wirtschaftszweigen zu würdigen, feiert Ethiopian Airlines den heutigen Internationalen Frauentag mit einem Frauenflug von Addis Abeba nach Oslo. Der Flug wird nur von weiblichen Profis, sowohl in der Luft als auch am Boden, durchgeführt. Der Flughafenbetrieb, die Flugabfertigung, die Ladungskontrolle, der Rampenbetrieb, die Bordlogistik, die Sicherheitsüberwachung, das Catering sowie die Flugverkehrskontrolle, alles wird ausschließlich von Frauen gehandhabt. Und vom Cockpit ertönt eine Frauenstimme. Frauen stellen 35% der 16.000 Mitarbeiter der Airline.

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