Schlagwort: Äthiopien

Tigray-Rebellen haben die nordäthiopische Stadt Lalibela zurückerobert. Dies geschah weniger als zwei Wochen, nachdem Regierungstruppen und ihre Verbündeten die Kontrolle über die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Stadt übernommen hatten. Lalibela beherbergt 11 mittelalterliche, in Felsen gehauene Kirchen und ist ein Wallfahrtsort der äthiopisch-orthodoxen Kirche. Die Welterlöserkirche ist die größte aus einem Stück Fels geschlagene Kirche der Welt. Der seit einem Jahr andauernde Konflikt zwischen Truppen der TPLF-geführten Regionalregierung und der Zentralregierung unter Ministerpräsident Abiy Ahmed hat Tausende von Zivilisten getötet, Millionen von Menschen zur Flucht gezwungen und mehr als neun Millionen Menschen von Nahrungsmittelhilfe abhängig gemacht. Äthiopien ist eine Föderation aus 10 Regionalstaaten; ethnische Zugehörigkeiten spielen eine sehr große Rolle.

In den äthiopischen Regionen Kombolcha und Dessie hat das Welternährungsprogramm (WFP) die Verteilung von Nahrungsmitteln ausgesetzt, nachdem die Mitarbeiter aufgrund von Einschüchterungsversuchen – unter anderem wurden sie mit Waffengewalt festgehalten – nicht in der Lage waren, die Plünderung von Vorräten zu stoppen. Nach Angaben der Regierung haben äthiopische Streitkräfte die Städte am Montag von rebellischen tigrayanischen Kräften zurückerobert.

Frankreich rät seinen Bürgern, Äthiopien „unverzüglich“ zu verlassen. Auch Deutschland forderte seine Staatsbürger auf, das Land mit den ersten verfügbaren kommerziellen Flügen zu verlassen, nachdem die USA und das Vereinigte Königreich in den letzten Wochen ähnliche Ratschläge erteilt hatten, um die sich verschlechternde Sicherheitslage zu verdeutlichen. Die tigrayanischen Streitkräfte behaupteten, dass sie sich der Hauptstadt Addis Abeba nähern würden. Beamte in Addis Abeba betonten jedoch, dass die Sicherheitskräfte, darunter auch Jugendgruppen, daran arbeiten, den Frieden und die Stabilität in der Hauptstadt zu gewährleisten, und rieten der diplomatischen Gemeinschaft, sich keine Sorgen zu machen. Die Regierung hat einen sechsmonatigen Ausnahmezustand ausgerufen. In weiten Teilen Nordäthiopiens herrscht eine Nachrichtensperre, und der Zugang für Journalisten ist eingeschränkt, so dass Behauptungen über Kampfhandlungen nur schwer zu bestätigen sind. Die Staats- und Regierungschefs Südafrikas und Kenias fordern die rivalisierenden Parteien auf, sich zu einem sofortigen Waffenstillstand und einem politischen Dialog zu verpflichten.

Am 5. November Haben von Soldaten der Regierung in dem Don-Bosco-Zentrum in Gottera (Addis Abeba), Razzien durchgeführt und 17 Personen (äthiopischen und eritreischen Priestern, Diakonen und Laien, Mitglieder und Angestellten) des Zentrums ohne Grund festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht; darunter auch den Provinzial der Ordensgemeinschaft. Offenbar gibt es auch Razzien und Durchsuchungen in anderen Ordenshäusern. Am Montag hatten auch die Vereinten Nationen von Äthiopien die umgehende Freilassung von 16 lokalen Mitarbeitern verschiedener UN-Agenturen verlangt. Auch sie waren in Addis Abeba festgesetzt worden.

Mit sofortiger Wirkung wurde landesweit der Notstand ausgerufen. Die Behörden in Addis Abeba haben die Bürger aufgefordert, sich auf die Verteidigung der Hauptstadt vorzubereiten, da Kämpfer aus der nördlichen Region Tigray drohen, auf die Stadt zu marschieren. Der 6monatige Ausnahmezustand erlaubt u. a. die Einrichtung von Straßensperren, die Verhängung von Ausgangssperren und die Übernahme der Kontrolle in bestimmten Gebieten durch das Militär. Jeder, der verdächtigt wird, Verbindungen zu „terroristischen“ Gruppen zu haben, kann auch ohne richterlichen Beschluss inhaftiert werden, während jeder Bürger, der das Alter für den Militärdienst erreicht hat, zum Kampf eingezogen werden kann.Justizminister Gedion Timothewos sagt bei einer Pressekonferenz: „Unser Land ist einer großen Gefahr für seine Existenz, seine Souveränität und seine Einheit ausgesetzt. Und wir können diese Gefahr nicht mit den üblichen Strafverfolgungssystemen und -verfahren ausräumen“.  

Äthiopische Truppen haben ihre Luft- und Bodenoperationen gegen die tigrayanischen Streitkräfte in der nördlichen Region Amhara intensiviert. Die Luftangriffe konzentrierten sich auf drei Gebiete: in der Nähe der Städte Wurgessa und Wegel Tena sowie auf der Straße, die die Region Afar mit Amhara verbindet. Der Krieg brach im November aus, als der Premierminister Truppen nach Tigray schickte, um die TPLF zu vertreiben, die regionale Regierungspartei, die die nationale Politik bis zum Machtantritt von Regierungschef Abiy im Jahr 2018 dominierte. Obwohl die Regierungstruppen schnell die Kontrolle über die Städte und Ortschaften in Tigray übernahmen, eroberte die TPLF Ende Juni den größten Teil der Region, einschließlich der Hauptstadt Mekelle, zurück. Seitdem haben sich die Kämpfe auf die benachbarten Regionen Amhara und Afar ausgeweitet und zu einer immensen humanitären Krise geführt, die Hunderttausende von Menschen in hungerähnliche Zustände getrieben hat.

Abiy Ahmed wurde für eine neue fünfjährige Amtszeit als Ministerpräsident vereidigt. In der letzten Amtszeit des Friedensnobelpreisträgers wurden Zehntausende Äthiopier in dem Konflikt in der nördlichen Region Tigray getötet; Hunderttausende sind von einer Hungersnot betroffen. Die Kämpfe haben sich seitdem auf die benachbarten Regionen Afar und Amhara ausgeweitet.  Die Vereinten Nationen verurteilten die von Äthiopien angekündigte Ausweisung von 7 hochrangigen UN-Beamten und äußerten ihre Sorge um 5,2 Millionen Menschen in der Region Tigray, die einer Hungersnot entgegengehen. Einige Oppositionsparteien, vor allem in Abiys Heimatregion Oromia, entschieden sich für einen Wahlboykott und  beschwerten sich, dass ihre Kandidaten verhaftet und ihre Büros verwüstet wurden.

Viele Start-ups in Afrika haben mit Schonung der Umwelt zu tun, so auch „Zafree“. „Zaf“ äthiopisch „Baum“ und „free“ englisch „frei“. In 2017 gründeten Bethelhem und Fikre Dejene das Start-up. Das Produkt ist ein 100% „baumfreies“ Papier, nicht aus Holz, sondern aus Agrarabfällen wie Weizen und Gerste Stroh hergestellt. So wird die Abholzung des Waldes bekämpft und die Luftverschmutzung durch die Verbrennung von Ernterückständen verhindert. Technische und wirtschaftliche Machbarkeit brachten Maschinenhersteller und eine Bank an Bord, so dass die Vermarktungskampagne noch in 2021 an den Start gehen kann.

Algerien ist einer der wichtigsten strategischen Partner Äthiopiens. Bislang haben die beiden Länder mehr als 20 Kooperationsabkommen in verschiedenen Bereichen unterzeichnet, darunter Handel, Investitionsschutz und -förderung sowie Vermeidung von Doppelbesteuerung. Darüber hinaus haben sie auch eine Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft, Kultur und Technik vereinbart. Nun wollen sie ihre historischen bilateralen Beziehungen weiter festigen. Sie beraten auch die Bedingungen für eine Stärkung ihrer Rolle in der Afrikanischen Union (AU) aufgrund ihres bedeutenden Einflusses bei der Gründung der AU.

Der Wahlvorstand des Landes teilte mit, dass Abiy’s Wohlstandspartei 410 von 436 Sitzen gewonnen hat, was ihm eine weitere 5jährige Amtszeit ermöglicht. Die Wahlen waren jedoch überschattet vom Boykott der Opposition, von logistischen Herausforderungen, dem Krieg in der zerrissenen Region Tigray und ethnischer Gewalt. In 3 der 10 Regionen Äthiopiens fand die Wahl nicht statt. Die Europäische Union hatte entschieden, keine Wahlbeobachter zu entsenden. 

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