Schlagwort: Äthiopien

Der 14-jährige Adan Hussein Dida wird gefeiert, weil er mit Biogas erzeugtem Strom mehrere Häuser in der südlichen Borana Zone beleuchten konnte. Im Hinterhof seiner Eltern zersetzte er tierische Abfälle und erzeugte Strom für acht Häuser. Jedem berechnet er 0,87 $ pro Monat, eine Unterstützung für seine eigene Familie. Die Menschen sind glücklich, weil sie Geld für Batterien und Taschenlampen sparen und ihre Kinder Schularbeiten zu Hause machen können. Adans Lehrer ist stolz auf seinen brillanten Schüler, der das Projekt ausweiten will, neben Biogas sich auch mit Elektronik beschäftigt und Mitschüler zu eigenen Projekten inspiriert. Sein Traum  ist es, an der neuen Borana Universität in Yebelo Ingenieurwissenschaften zu studieren.

Regierungschef Abiy Ahmed, im Beisein weiterer hochrangiger Regierungsvertreter, eröffnete die Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre (Gerd). Eine der 13 Turbinen wurde in Betrieb genommen; sie soll etwa 375 Megawatt Strom erzeugen. Trotz scharfer Kontroversen mit den Nachbarländern soll das gesamte Projekt in etwa 3Jahren vollständig fertiggestellt sein.

Die bananenähnliche Pflanze Enset ist nur in Äthiopien als Kulturpflanze bekannt, wo 20 Mio. Menschen auf sie als Grundnahrungsmittel angewiesen sind. Die stärkehaltigen Stängel und Wurzeln werden für Brei und Brot verwendet, während die Frucht selbst nicht genießbar ist. Da die Enset Pflanze auch in anderen Teilen Afrikas wild wächst, glauben Wissenschaftler der Hawassa Universität in Äthiopien und der Royal Botanic Gardens Kew, UK, dass der Anbau von Enset als Pufferpflanze in Dürreperioden die Ernährungssicherheit Afrikas verbessern könnte. Sie könnte potenziell über hundert 100 Mio. Menschen ernähren. Weil Enset jederzeit gepflanzt und jederzeit geerntet werden kann und dazu noch mehrjährig ist, nennt man sie auch den „Baum gegen Hunger“.

Mitarbeiter der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines fliehen vor dem Konflikt im Land und verstecken sich in Frachträumen. Der Konflikt zwischen dem äthiopischen Militär und den Rebellen in der Region Tigray begann vor mehr als einem Jahr. Es wird geschätzt, dass 10000 von Menschen getötet wurden. In mehreren Berichten, darunter auch vom The Telegraph, heißt es, dass die Regierungstruppen eine ethnische Säuberung durchführen und Tausende von ethnischen Tigrayern in „Konzentrationslager“ stecken, foltern und töten. Militärexperten zufolge läuft ein Teil des militärischen Nachschubs für die äthiopische Armee über die Emirate. Vor allen die VAE, China und die Türkei sollen dabei massiv mit Drohnen aushelfen, deren Luftschläge mit dafür verantwortlich sind, dass die Zahl ziviler Opfer steigt. Der EU-Außenbeauftragte Josip Borrell glaubt nicht, dass die Regierung in Addis Abeba alles tut, um Hilfe zuzulassen: „Ich rufe sie auf, humanitäre Hilfe für Menschen in Not durchzulassen. Es sind viele – die Lage ist sehr, sehr schlimm“. Nach Angaben des Welternährungsprogramms sind inzwischen 9,4 Millionen Menschen im Norden auf Hilfe angewiesen.

Tigray-Rebellen haben die nordäthiopische Stadt Lalibela zurückerobert. Dies geschah weniger als zwei Wochen, nachdem Regierungstruppen und ihre Verbündeten die Kontrolle über die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Stadt übernommen hatten. Lalibela beherbergt 11 mittelalterliche, in Felsen gehauene Kirchen und ist ein Wallfahrtsort der äthiopisch-orthodoxen Kirche. Die Welterlöserkirche ist die größte aus einem Stück Fels geschlagene Kirche der Welt. Der seit einem Jahr andauernde Konflikt zwischen Truppen der TPLF-geführten Regionalregierung und der Zentralregierung unter Ministerpräsident Abiy Ahmed hat Tausende von Zivilisten getötet, Millionen von Menschen zur Flucht gezwungen und mehr als neun Millionen Menschen von Nahrungsmittelhilfe abhängig gemacht. Äthiopien ist eine Föderation aus 10 Regionalstaaten; ethnische Zugehörigkeiten spielen eine sehr große Rolle.

In den äthiopischen Regionen Kombolcha und Dessie hat das Welternährungsprogramm (WFP) die Verteilung von Nahrungsmitteln ausgesetzt, nachdem die Mitarbeiter aufgrund von Einschüchterungsversuchen – unter anderem wurden sie mit Waffengewalt festgehalten – nicht in der Lage waren, die Plünderung von Vorräten zu stoppen. Nach Angaben der Regierung haben äthiopische Streitkräfte die Städte am Montag von rebellischen tigrayanischen Kräften zurückerobert.

Frankreich rät seinen Bürgern, Äthiopien „unverzüglich“ zu verlassen. Auch Deutschland forderte seine Staatsbürger auf, das Land mit den ersten verfügbaren kommerziellen Flügen zu verlassen, nachdem die USA und das Vereinigte Königreich in den letzten Wochen ähnliche Ratschläge erteilt hatten, um die sich verschlechternde Sicherheitslage zu verdeutlichen. Die tigrayanischen Streitkräfte behaupteten, dass sie sich der Hauptstadt Addis Abeba nähern würden. Beamte in Addis Abeba betonten jedoch, dass die Sicherheitskräfte, darunter auch Jugendgruppen, daran arbeiten, den Frieden und die Stabilität in der Hauptstadt zu gewährleisten, und rieten der diplomatischen Gemeinschaft, sich keine Sorgen zu machen. Die Regierung hat einen sechsmonatigen Ausnahmezustand ausgerufen. In weiten Teilen Nordäthiopiens herrscht eine Nachrichtensperre, und der Zugang für Journalisten ist eingeschränkt, so dass Behauptungen über Kampfhandlungen nur schwer zu bestätigen sind. Die Staats- und Regierungschefs Südafrikas und Kenias fordern die rivalisierenden Parteien auf, sich zu einem sofortigen Waffenstillstand und einem politischen Dialog zu verpflichten.

Am 5. November Haben von Soldaten der Regierung in dem Don-Bosco-Zentrum in Gottera (Addis Abeba), Razzien durchgeführt und 17 Personen (äthiopischen und eritreischen Priestern, Diakonen und Laien, Mitglieder und Angestellten) des Zentrums ohne Grund festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht; darunter auch den Provinzial der Ordensgemeinschaft. Offenbar gibt es auch Razzien und Durchsuchungen in anderen Ordenshäusern. Am Montag hatten auch die Vereinten Nationen von Äthiopien die umgehende Freilassung von 16 lokalen Mitarbeitern verschiedener UN-Agenturen verlangt. Auch sie waren in Addis Abeba festgesetzt worden.

Mit sofortiger Wirkung wurde landesweit der Notstand ausgerufen. Die Behörden in Addis Abeba haben die Bürger aufgefordert, sich auf die Verteidigung der Hauptstadt vorzubereiten, da Kämpfer aus der nördlichen Region Tigray drohen, auf die Stadt zu marschieren. Der 6monatige Ausnahmezustand erlaubt u. a. die Einrichtung von Straßensperren, die Verhängung von Ausgangssperren und die Übernahme der Kontrolle in bestimmten Gebieten durch das Militär. Jeder, der verdächtigt wird, Verbindungen zu „terroristischen“ Gruppen zu haben, kann auch ohne richterlichen Beschluss inhaftiert werden, während jeder Bürger, der das Alter für den Militärdienst erreicht hat, zum Kampf eingezogen werden kann.Justizminister Gedion Timothewos sagt bei einer Pressekonferenz: „Unser Land ist einer großen Gefahr für seine Existenz, seine Souveränität und seine Einheit ausgesetzt. Und wir können diese Gefahr nicht mit den üblichen Strafverfolgungssystemen und -verfahren ausräumen“.  

Äthiopische Truppen haben ihre Luft- und Bodenoperationen gegen die tigrayanischen Streitkräfte in der nördlichen Region Amhara intensiviert. Die Luftangriffe konzentrierten sich auf drei Gebiete: in der Nähe der Städte Wurgessa und Wegel Tena sowie auf der Straße, die die Region Afar mit Amhara verbindet. Der Krieg brach im November aus, als der Premierminister Truppen nach Tigray schickte, um die TPLF zu vertreiben, die regionale Regierungspartei, die die nationale Politik bis zum Machtantritt von Regierungschef Abiy im Jahr 2018 dominierte. Obwohl die Regierungstruppen schnell die Kontrolle über die Städte und Ortschaften in Tigray übernahmen, eroberte die TPLF Ende Juni den größten Teil der Region, einschließlich der Hauptstadt Mekelle, zurück. Seitdem haben sich die Kämpfe auf die benachbarten Regionen Amhara und Afar ausgeweitet und zu einer immensen humanitären Krise geführt, die Hunderttausende von Menschen in hungerähnliche Zustände getrieben hat.

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