Schlagwort: Äthiopien

Die EU hat die Budgethilfe für Äthiopien in Höhe von 88 Millionen Euro ausgesetzt, bis humanitäre Organisationen Zugang zu den Hilfsbedürftigen in der nördlichen Region Tigray erhalten. Am 4. November brach der Konflikt zwischen den äthiopischen Streitkräften und der in der nördlichen Region regierenden Partei aus. Tausende wurden getötet, Millionen wurden vertrieben und mehr als 50.000 Flüchtlinge sind in den Sudan geflohen.

Ende letzter Woche wurden 316 äthiopische Juden nach Israel ausgeflogen. Premier Netanjahu und sein Vize Gantz begrüßten sie am Flughafen Ben Gurion. Über 2000 weitere sollen bis Ende Januar 2021 folgen. Die versprochene Rückführung der Juden hatte sich in letzter Zeit extrem verlangsamt, doch die Kämpfe in der Tigray Region sorgten für neue Dringlichkeit, da die meisten Juden, die über Jahrhunderte treu in der Diaspora ausgehalten haben und sogar die Bundeslade zu beherbergen glauben, in der Gondar Region leben. Die Integration der äthiopischen Juden in Israel war wegen Arbeitslosigkeit, Armut und Diskriminierung immer schwierig, sollte sich aber verbessern.

Nach der Eroberung von Tigrays Provinzhauptstadt Mekelle durch Regierungstruppen hat Präsident Abyi Ahmed den Krieg für beendet erklärt. Bei den militärischen Auseinandersetzungen, die seit mehreren Monaten andauern, verloren Tausende von Menschen ihr Leben; Zehntausende sind in den Sudan geflohen. Die in Tigray regierende TPLF hat eine lange Erfahrung im Guerillakrieg und will die Auseinandersetzung mit anderen Mitteln weiterführen.

Der 12-tägige Konflikt zwischen der äthiopischen Regierung und den Streitkräften in der Tigray-Region des Landes ist eskaliert. Die Tigrayan-Streitkräfte feuerten Raketen über die Grenze ins benachbarte Eritrea ab. Die Feindseligkeiten zwischen der Regierung in Tigray und Eritrea stammen aus dem Grenzkrieg vor 20 Jahren, dem Zehntausende von Soldaten zum Opfer fielen.

Über 6.000 Äthiopier sind in die sudanesischen Grenzprovinzen Kassala und al-Qadarif geflüchtet. Man nimmt an, dass es bis 200.000 werden könnten. Premierminister Abiy Ahmed hat eine Militäroffensive gegen die Regionalregierung von Tigray gestartet, die er für unrechtmäßig hält. Trotz internationaler Aufrufe zum Dialog sagte er, es werde keine Verhandlungen geben, bis die örtlichen Führer verhaftet und ihre gut bestückten Arsenale zerstört seien.

Die Vereinten Nationen und Papst Franziskus sind besorgt über die Lage und warnen vor einem Bürgerkrieg. Der Konflikt zwischen der äthiopischen Zentralregierung in Addis Abeba und der Region Tigray spitzt sich immer mehr zu. Friedensnobelpreisträger und Präsident Abiy hat nun Militär in den Norden des Landes geschickt. Er kündigte Luftangriffe an. „Unser Einsatz zielt darauf ab, die schon viel zu lang andauernde Gesetzlosigkeit zu beenden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“. Äthiopiens Bischöfe dagegen fordern die Streitparteien auf, „ihre Differenzen im Geiste des Respekts, des Verständnisses und des gegenseitigen Vertrauens gütlich beizulegen“. In der Region Tigray sind ca. 600.000 Menschen von Lebensmittellieferungen abhängig. Rund 9 Mill.  Menschen laufen Gefahr, vertrieben zu werden.

Nach Berichten von Amnesty International wurden bei einem Angriff von mutmaßlichen Mitgliedern der Oromo-Befreiungsarmee mehr als 50 Menschen der zweitgrößten Volksgruppe der Amharen getötet. Der Angriff auf das Dorf Gawa Qanqa fand einen Tag nach dem unerwarteten und unerklärlichen Rückzug der äthiopischen Streitkräfte aus dem Gebiet statt. Etwa 200 Familien sind aus der Region geflohen.

Die äthiopische Menschenrechtskommission (EHRC) ist beunruhigt über die Zunahme von Angriffen gegen die Zivilbevölkerung im Westen des Landes, an der Grenze zum Sudan. Anfang des Monats kam es zur Tötung von Zivilisten und mindestens 300 Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben. „In Benishangul-Gumuz sind Zivilisten wiederholten Angriffen mit ungemilderter Grausamkeit ausgesetzt“, sagte Daniel Bekele, Leiter des EHRC. Die Angriffe stellen die jüngste sicherheitspolitische Herausforderung für die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed dar.

Wirtschaftsexperten befürworten die Regierungsmaßnahmen, neue Geldscheine mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen herauszugegeben. Neben dem Ersatz der alten 10-, 50- und 100-Birr-Scheine wird ein neuer 200-Birr-Schein eingeführt. Große Geldmengen, die außerhalb der Banken zirkulieren, verschärfen die wirtschaftlichen Probleme und behindern die begonnene Wirtschaftsreform.

Der Monat Meskerem leitet am 11.Sept.2020 das Jahr 2013 ein. Das neue Jahr beginnt mit dem Ende der Regenzeit, die von Juni bis September dauert; viele Tiere beenden ihren Winterschlaf und der Sonnenschein bringt Leben. Kardinal Berhaneyesus D. Souraphiel CM, Präsident der Katholischen Bischofskonferenz von Äthiopien (CBCE), sandte Neujahrswünsche an alle Nachbarländer Äthiopiens. Er unterstrich die Bedeutung des Dialogs und erinnerte die Nachbarländer an die Botschaft von Papst Franziskus vom 15. August 2020, als er an Äthiopien, Sudan und Ägypten appellierte, „den Streit um den Nil – Damm nicht zu einem Konflikt, sondern zu Verständnis und Zusammenarbeit zum gemeinsamen Wohl aller Beteiligten führen zu lassen“.

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