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Für dieses Ideal stehen 40 Millionen Ägypter ab heute Schlange, um ihre Stimme abzugeben. Trotz der jüngsten Gewalt hoffen sie immer noch auf ein liberales, zivilisiertes Land. Eine Verschiebung der Wahl hatte der Militärrat entschieden abgelehnt. Man vermutet, dass die unter Mubarak verbotenen Muslimbrüder gut abschneiden könnten. Als Wahlauftakt hatten Saboteure in der Nacht vor Wahlbeginn eine Gas-Pipeline auf der Sinai Halbinsel gesprengt.
Eine Woche vor Beginn der Parlamentswahl fordern viele misstrauische Bürger vehement, dass der amtierende Militärrat zurücktreten soll. Seit Freitag halten die Krawalle an, auch in Alexandria und Suez. Bis jetzt gab es 20 Tote und hunderte Verletzte.
Ägypten will für Freitag den 11.11. die Cheops-Pyramide von Gizeh nicht zugänglich machen, angeblich wegen Reparaturen, in Wirklichkeit aber wegen dem Gerücht, dass eine verdächtige Gruppe an diesem magischen Datum 11.11.11 dort seltsame Rituale abhalten wollte.
In den schwersten Auseinandersetzungen seit dem Sturz von Präsident Mubarak starben über 20 Menschen; 200 wurden verletzt. Was als friedliche Demonstration gegen den Brandanschlag auf eine koptische Kirche anfing, wurde zur Straßenschlacht. Immer mehr Kopten verlassen das Land, getrieben von der gravierenden Diskriminierung und der Befürchtung, dass es bei den Wahlen im November eine islamistische Regierung geben könnte. Liberale Parteien und eine koptische Vertretung hätten kaum eine Chance. Diese letzte Gewalt ist ein schwerer Rückschlag für Ägyptens angestrebten Übergang zu einer Zivilregierung.
Der Dachverband ägyptischer Menschenrechtsverbände berichtet, dass seit März etwa 100,000 vor allem koptische Christen das Land verlassen haben. Wachsende interreligiöse Spannungen und Angriffe von islamistischen Salafiten seien der Grund für den Exodus. Als am vergangenen Freitag der Rohbau der koptischen Georgskirche im südägyptischen Edfu in Brand gesteckt wurde, griffen Sicherheitskräfte nicht ein und hinderten die Feuerwehr daran, den Brand zu löschen. Von den Medien wurde der Vorfall geleugnet oder runter gespielt.
Vor zwei Tagen wurde der 6. Anschlag seit dem Sturz Mubaraks auf die Sinai- Gasleitung verübt. Nach einem Beschuss explodierte eine ferngesteuerte Sprengladung an der Pipeline. Die Befürchtung wächst, dass die ägyptische Regierung die Kontrolle über den Sinai verliert. Militante Palästinenser, über Jahrzehnte unterdrückte Beduinen und Islamisten nutzen den geschwächten Sicherheitsapparat aus.
Nachdem sich die anti-israelische Stimmung bei dem Sturm auf die israelische Botschaft in Kairo entladen hat, bemühen sich beide Länder um eine Entschärfung des Konflikts. Auch die Muslimbrüder, die Israels „Arroganz und Aggression“ ankreiden, wollen kein Ende des Friedensabkommens von 1979. Es ist möglich, dass sich die Wut der Demonstranten mehr gegen das ägyptische Militärregime als gegen Israel richte, meinte der Menschenrechtsexperte von MISSIO.
Ex-Präsident Hosni Mubarak wurde zur Eröffnung des Verfahrens gegen ihn auf einem Krankenbett in den Gerichtssaal gebracht. Die Anklage lautet: Korruption und Erteilung eines Schießbefehls auf Demonstranten, worauf die Todesstrafe steht. Vor dem Gebäude in der Polizeiakademie bewarfen sich Anhänger und Gegner Mubaraks mit Steinen. 600 Ägypter können den Prozess im Gerichtssaal und Millionen auf dem Fernsehschirm verfolgen.  
Behandelnde Ärzte sagen, dass der gestürzte Präsident sehr depressiv sei und jegliche Nahrung verweigere. Kritiker sehen darin einen Trick, um der bevorstehenden Gerichtsverhandlung zu entgehen. Er soll sich nächste Woche für die Tötung von Demonstranten und Korruption verantworten. Eine Verzögerung des Prozesses könnte, nach Ansicht von Beobachtern, wieder Unruhen im Land aufflammen lassen.
Die ägyptische Führung, zusammen mit Saudi-Arabien, hat beschlossen, die seit 1988 geplante gigantische Brücke über den Golf von Aqaba zu bauen. Bei einer Länge von knapp 32 km und geschätzten Baukosten von fünf Milliarden Dollar soll es auf Straße und Schiene möglich sein, in 50 Minuten von Afrika nach Asien zu gelangen, und das ohne Israel durchqueren zu müssen – für Nordafrikas Araber ein Triumph. Nutzungsgebühren von Millionen Pilgern, von Touristen und Gastarbeitern sollten zur Kostendeckung beitragen. Umweltforscher sind jedoch besorgt über mögliche Schäden an den Korallenriffen.
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