Schlagwort: Sudan

Die Verhandlungen über die weitere Füllung des umstrittenen Megastaudamm am Blauen Nil sind in der ägyptischen Hauptstadt Kairo wieder aufgenommen worden. Der 5 Mrd. $ teure Staudamm steht seit mehr als einem Jahrzehnt im Mittelpunkt eines diplomatischen Streits zwischen Äthiopien und den beiden flussabwärts gelegenen Ländern Ägypten und Sudan. Ägypten und der Sudan befürchten, dass ihre lebenswichtige Wasserversorgung durch den Staudamm gefährdet ist. Äthiopien erklärt, der Staudamm sei Teil seiner Bemühungen, Millionen von Haushalten vor allem in ländlichen Gebieten zu elektrifizieren.

Während die Menschen weiterhin vor dem Konflikt im Sudan fliehen, sind mehr als 358.000 Flüchtlinge in der Grenzstadt Adré im Osten des Tschad angekommen. Es werden Flüchtlingslager errichtet, aber die Unterkünfte und grundlegenden Einrichtungen in den Lagern sind völlig unzureichend. Die bestehenden Lager in diesem Gebiet sind bereits voll ausgelastet, ebenso wie die vorübergehenden Transitunterkünfte. Daher werden die Menschen an andere Orte weit außerhalb der Stadt verlegt, wo immer noch neue Lager gebaut werden. Täglich kommen etwa 2.000 Flüchtlinge an.

Seit Beginn der bewaffneten Konflikte im April sind 130.000 Menschen vom Sudan in den Südsudan geflohen, die meisten von ihnen Süd Sudanesen, die in ihr Heimatland zurückkehrten. 10.000 sind als Flüchtlinge registriert, darunter viele unbegleitete Kinder, Behinderte und Menschen mit ernsten medizinischen Bedürfnissen. Für den Südsudan, der seit der Unabhängigkeit in 2011 wegen Bürgerkrieg, Konflikten, Dürren und Überschwemmungen noch ums Überleben kämpft, ist dies eine ernste Belastung. Von den anderen Nachbarländern hat Ägypten 255.000 und der Tschad 120.000 sudanesische Kriegsflüchtlinge aufgenommen.

Als der Krieg im Sudan ausbrach, schätzte der UN Bevölkerungsfond, dass 219.000 schwangere Frauen gefährdet seien; 24.000 stünden nur wenige Wochen vor der Geburt. Inzwischen sind fast alle Krankenhäuser in der Hauptstadt Khartum geschlossen. Denjenigen, die noch offen bleiben, gehen oft Strom und sogar Wasser aus, was Geburten zu noch stressigeren Erfahrungen macht, besonders wenn eine Operation erforderlich ist. Ein der BBC zur Verfügung gestelltes Video zeigt, wie bei einem Kaiserschnitt die assistierenden Ärzte ihre Mobiltelefone hochhalten, um den Bereich des Schnitts zu beleuchten. Manche der Ärzte und Pfleger bleiben tagelang im Krankenhaus, weil zu viele Risikogeburten anstehen. Sie wissen, dass es viele häusliche Todesfälle unter jenen Frauen gibt, die es nicht zum Krankenhaus geschafft haben. Die Kämpfe fordern einen „katastrophalen Tribut“ von schwangeren Frauen im Sudan, einem Land, das schon vor dem Konflikt, nach Angaben der WHO, eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten der Welt hatte.

Immer mehr Länder haben ihre Diplomaten und Bürger aus der sudanesischen Hauptstadt evakuiert, da in Khartum weiterhin heftige Kämpfe toben. Die USA gab bekannt, dass sie Diplomaten aus dem Land ausgeflogen haben. Der britischen Regierung gelang es, britische Diplomaten und ihre Familien in einer „komplexen und schnellen“ Operation aus dem Land zu bringen. Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien haben ebenfalls Diplomaten und andere Staatsangehörige evakuiert; die spanische Mission umfasste Bürger aus Argentinien, Kolumbien, Irland, Portugal, Polen, Mexiko, Venezuela und dem Sudan. Kanada hat sein diplomatisches Personal evakuiert. Mehr als 150 Menschen, vor allem aus den Golfstaaten, aber auch aus Ägypten, Pakistan und Kanada, wurden auf dem Seeweg in den saudi-arabischen Hafen Dschidda evakuiert. Viele ausländische Studenten aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten, die ebenfalls in der Sechs-Millionen-Stadt Khartum festsitzen, haben verzweifelt um Hilfe gebeten.

Die rivalisierenden Gruppen im Sudan kämpfen nicht nur vor Ort, sondern führen auch einen Propagandakrieg, der hauptsächlich über das Internet und die sozialen Medien geführt wird. Ein Projekt des „Atlantic Council“, hat nach eigenen Angaben mehr als 900 Twitter-Konten entdeckt, die „anscheinend gekapert und umgestaltet wurden, um Inhalte zu verbreiten, die Hemedti und die RSF unterstützen und die paramilitärischen Kräfte populärer erscheinen lassen, als sie sind“.

18. April: Die sudanesische Armee und die Rapid Support Forces (RSF) haben sich auf eine 24-stündige Waffenruhe geeinigt, die um 18 Uhr Ortszeit (16:00 GMT) beginnt. Immer dringlicher wird die Frage gestellt welche Rolle die Wagner Gruppe in dem Konflikt einnimmt. Dazu einige Pressemeldungen:
Daily Mail: Is Wagner behind the bloodshed in Sudan?; Deutsche Welle:  Wagner-Gruppe in Afrika: Viel mehr als nur Söldner; Aljazeera : Die Wagner – Gruppe und ihre Rolle im Sudan; The Hill: Russia’s fingerprints are on Sudan coup attempt; Inews – The growing alliance between Russia’s Wagner group and Sudan’s rebel commander, Mohamed Hamdan Daglo

Da die Kämpfe im Sudan nicht nur in Khartum stattfinden, teilte Regierungssprecher Aziz Mahamat Saleh mit: „Angesichts dieser beunruhigenden Situation hat der Tschad beschlossen, die Grenze zum Sudan bis auf weiteres zu schließen“. Der Tschad hat eine mehr als 1 000 km lange Grenze mit dem Sudan, von der ein großer Teil an Darfur grenzt, das seit langem Schauplatz von Stammesgewalt ist, die oft durch Streitigkeiten über Territorium und Wasser angeheizt wird. Im Sudan sind Militärchef Abdel Fattah al-Burhan und sein Stellvertreter, der paramilitärische Kommandeur Mohamed Hamdan Daglo, wegen der geplanten Eingliederung von Daglos paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) in die reguläre Armee aneinandergeraten.

Bei einem Mineneinsturz im Norden des Sudan sind 14 Bergleute ums Leben gekommen und mehr als 20 verletzt worden. Ein Teil eines Berghangs stürzte in der Nähe der 70 km von der Stadt Wadi Halfa entfernten Mine al Jabal al Ahmar ein. Zeugen berichteten, dass Bergleute mit schweren Maschinen nach Gold schürften, was den Einsturz verursacht habe, so die Sudan News Agency (SUNA).

Der UN-Sicherheitsrat hat die Sanktionen und ein Waffenembargo gegen den Sudan um ein Jahr verlängert. Der 15-köpfige Rat stimmte dafür, das Mandat bis zum 12. März nächsten Jahres zu verlängern. Dreizehn Länder stimmten für den Antrag, Russland und China enthielten sich.

Länder