Schlagwort: Sudan

Der BBC liegen neue Beweise für ethnische Gewalttätigkeiten vor, die den Westsudan seit dem blutigen Machtkampf zwischen Machthaber Abdel Fattah al-Burhan und seinem bisherigen Vize Mohammed Hamdan Daglo erschüttern. Die Armee unter al-Burhans Kommando kämpft gegen die „Rapid Response Forces“ (RSF), einer mächtigen paramilitärischen Gruppierung, die von Daglo angeführt wird – auch bekannt unter dem Namen Hemeti.  Eine Analyse von Satelliten- und Social-Media-Daten zeigt, dass seit dem 15. April 2023 mindestens 68 Dörfer in Darfur von bewaffneten Milizen in Brand gesetzt wurden. Die letzten bestätigten Brände ereigneten sich in einem Dorf namens Amarjadeed im Süden Darfurs. Ein Großteil der ethnischen Gewalt wird den Milizen angelastet, die Teil der RSF sind, der paramilitärischen Gruppe, die mit der Sudanese Armed Forces (SAF) – um die Kontrolle des Landes kämpft. Nach Angaben der UNO wurden mindestens 7.000 Menschen getötet und mehr als 5 Millionen aus ihren Häusern vertrieben.  Viele haben sich außerhalb des Sudan in Sicherheit gebracht. Etwa die Hälfte der Bevölkerung – rund 24 Millionen Menschen – ist auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Die zweite Runde der trilateralen Verhandlungen über den Großen Äthiopischen Renaissance-Damm (GERD), der auch für Ägypten und den Sudan von großer Bedeutung ist, endete ohne Ergebnis, wobei Äthiopien zusagte, die Gespräche „in gutem Glauben“ fortzusetzen. An den Gesprächen in Addis Abeba nahmen Vertreter aus Äthiopien, Sudan und Ägypten teil. Die potenziellen Auswirkungen des Staudamms auf den Wasserfluss flussabwärts nach Ägypten und Sudan sind die größte Sorge. Ägypten und der Sudan, die für ihre Landwirtschaft, ihr Trinkwasser und ihren Lebensunterhalt in hohem Maße auf das Wasser des Nils angewiesen sind, haben immer wieder betont, wie wichtig es ist, eine faire Lösung zu finden. Nach Angaben der Vereinten Nationen könnte Ägypten „bis 2025 kein Wasser mehr haben“, und Teile des Sudan sind aufgrund des Klimawandels zunehmend von Dürren bedroht.

Nach schweren Kämpfen zwischen der Armee und rivalisierenden Kräften zeigen Videos wie der berühmte Turm der Greater Nile Petroleum Oil Company in Flammen aufging. Der 18-stöckige Wolkenkratzer des Ölkonzerns liegt in der Nähe des Nils und ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Khartums. Die Gewalt im Sudan begann am 15. April 2023, ausgelöst durch einen Machtkampf zwischen der Führung der sudanesischen Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF). Auch in der Stadt El-Obeid, etwa 400 km südlich von Khartum, wurden Kämpfe gemeldet. Alle großen Krankenhäuser in Khartum und in der Region Darfur sind außer Betrieb. Der Konflikt hat rund 7.500 Menschen getötet und mehr als fünf Millionen vertrieben.

Die Verhandlungen über die weitere Füllung des umstrittenen Megastaudamm am Blauen Nil sind in der ägyptischen Hauptstadt Kairo wieder aufgenommen worden. Der 5 Mrd. $ teure Staudamm steht seit mehr als einem Jahrzehnt im Mittelpunkt eines diplomatischen Streits zwischen Äthiopien und den beiden flussabwärts gelegenen Ländern Ägypten und Sudan. Ägypten und der Sudan befürchten, dass ihre lebenswichtige Wasserversorgung durch den Staudamm gefährdet ist. Äthiopien erklärt, der Staudamm sei Teil seiner Bemühungen, Millionen von Haushalten vor allem in ländlichen Gebieten zu elektrifizieren.

Während die Menschen weiterhin vor dem Konflikt im Sudan fliehen, sind mehr als 358.000 Flüchtlinge in der Grenzstadt Adré im Osten des Tschad angekommen. Es werden Flüchtlingslager errichtet, aber die Unterkünfte und grundlegenden Einrichtungen in den Lagern sind völlig unzureichend. Die bestehenden Lager in diesem Gebiet sind bereits voll ausgelastet, ebenso wie die vorübergehenden Transitunterkünfte. Daher werden die Menschen an andere Orte weit außerhalb der Stadt verlegt, wo immer noch neue Lager gebaut werden. Täglich kommen etwa 2.000 Flüchtlinge an.

Seit Beginn der bewaffneten Konflikte im April sind 130.000 Menschen vom Sudan in den Südsudan geflohen, die meisten von ihnen Süd Sudanesen, die in ihr Heimatland zurückkehrten. 10.000 sind als Flüchtlinge registriert, darunter viele unbegleitete Kinder, Behinderte und Menschen mit ernsten medizinischen Bedürfnissen. Für den Südsudan, der seit der Unabhängigkeit in 2011 wegen Bürgerkrieg, Konflikten, Dürren und Überschwemmungen noch ums Überleben kämpft, ist dies eine ernste Belastung. Von den anderen Nachbarländern hat Ägypten 255.000 und der Tschad 120.000 sudanesische Kriegsflüchtlinge aufgenommen.

Als der Krieg im Sudan ausbrach, schätzte der UN Bevölkerungsfond, dass 219.000 schwangere Frauen gefährdet seien; 24.000 stünden nur wenige Wochen vor der Geburt. Inzwischen sind fast alle Krankenhäuser in der Hauptstadt Khartum geschlossen. Denjenigen, die noch offen bleiben, gehen oft Strom und sogar Wasser aus, was Geburten zu noch stressigeren Erfahrungen macht, besonders wenn eine Operation erforderlich ist. Ein der BBC zur Verfügung gestelltes Video zeigt, wie bei einem Kaiserschnitt die assistierenden Ärzte ihre Mobiltelefone hochhalten, um den Bereich des Schnitts zu beleuchten. Manche der Ärzte und Pfleger bleiben tagelang im Krankenhaus, weil zu viele Risikogeburten anstehen. Sie wissen, dass es viele häusliche Todesfälle unter jenen Frauen gibt, die es nicht zum Krankenhaus geschafft haben. Die Kämpfe fordern einen „katastrophalen Tribut“ von schwangeren Frauen im Sudan, einem Land, das schon vor dem Konflikt, nach Angaben der WHO, eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten der Welt hatte.

Immer mehr Länder haben ihre Diplomaten und Bürger aus der sudanesischen Hauptstadt evakuiert, da in Khartum weiterhin heftige Kämpfe toben. Die USA gab bekannt, dass sie Diplomaten aus dem Land ausgeflogen haben. Der britischen Regierung gelang es, britische Diplomaten und ihre Familien in einer „komplexen und schnellen“ Operation aus dem Land zu bringen. Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien haben ebenfalls Diplomaten und andere Staatsangehörige evakuiert; die spanische Mission umfasste Bürger aus Argentinien, Kolumbien, Irland, Portugal, Polen, Mexiko, Venezuela und dem Sudan. Kanada hat sein diplomatisches Personal evakuiert. Mehr als 150 Menschen, vor allem aus den Golfstaaten, aber auch aus Ägypten, Pakistan und Kanada, wurden auf dem Seeweg in den saudi-arabischen Hafen Dschidda evakuiert. Viele ausländische Studenten aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten, die ebenfalls in der Sechs-Millionen-Stadt Khartum festsitzen, haben verzweifelt um Hilfe gebeten.

Die rivalisierenden Gruppen im Sudan kämpfen nicht nur vor Ort, sondern führen auch einen Propagandakrieg, der hauptsächlich über das Internet und die sozialen Medien geführt wird. Ein Projekt des „Atlantic Council“, hat nach eigenen Angaben mehr als 900 Twitter-Konten entdeckt, die „anscheinend gekapert und umgestaltet wurden, um Inhalte zu verbreiten, die Hemedti und die RSF unterstützen und die paramilitärischen Kräfte populärer erscheinen lassen, als sie sind“.

18. April: Die sudanesische Armee und die Rapid Support Forces (RSF) haben sich auf eine 24-stündige Waffenruhe geeinigt, die um 18 Uhr Ortszeit (16:00 GMT) beginnt. Immer dringlicher wird die Frage gestellt welche Rolle die Wagner Gruppe in dem Konflikt einnimmt. Dazu einige Pressemeldungen:
Daily Mail: Is Wagner behind the bloodshed in Sudan?; Deutsche Welle:  Wagner-Gruppe in Afrika: Viel mehr als nur Söldner; Aljazeera : Die Wagner – Gruppe und ihre Rolle im Sudan; The Hill: Russia’s fingerprints are on Sudan coup attempt; Inews – The growing alliance between Russia’s Wagner group and Sudan’s rebel commander, Mohamed Hamdan Daglo

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