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Der zivile Premierminister Abdalla Hamdok ist am Sonntag zurückgetreten, mehr als zwei Monate nach einem Staatsstreich und nach einem weiteren tödlichen Vorgehen gegen Demonstranten, bei dem das Militär die Kontrolle übernommen hat. Seit dem Sturz des Autokraten Omar al-Bashir im Jahr 2019 befand sich der Sudan auf einem zerbrechlichen Weg zu einer zivilen Regierung, wurde aber in Turbulenzen gestürzt, als der Militärführer General Abdel Fattah al-Burhan am 25. Oktober putschte und Hamdok festnahm. „Ich habe beschlossen, meinen Rücktritt bekanntzugeben und Platz für andere zu machen“, sagte Hamdok. Sein Versprechen, eine politische Katastrophe in dem Land am Horn von Afrika zu verhindern, habe er nicht einhalten können, sagte er.

Nachdem der höchste Militärvertreter im Land, General Abdel Fattah al-Burhan, die Auflösung der Übergangsregierung und des Souveränen Rates verkündete und den Ausnahmezustand verhängte nehmen die Proteste auf den Straßen kein Ende. Mindestens 3 Menschen sind Berichten zufolge ums Leben gekommen und etwa 80 wurden verletzt, nachdem Soldaten auf eine Menschenmenge geschossen haben, die sich gegen eine Machtübernahme durch das Militär im Sudan wehrte. Berichten zufolge gingen die Truppen in der Hauptstadt Khartum von Haus zu Haus und verhafteten örtliche Protestorganisatoren. Die USA stoppten Hilfsgelder in Höhe von 700 Millionen Dollar.

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben schwere Regenfälle und Sturzfluten 13 der 18 sudanesischen Bundesstaaten heimgesucht und mehr als 288 000 Einwohner und Flüchtlinge in Mitleidenschaft gezogen. Im benachbarten Südsudan hat die Flut rund 426.000 Menschen betroffen und vertrieben. Die Dorfbewohner sagen, dass sie solche Überschwemmungen seit 40 Jahren nicht mehr erlebt haben.

Im Bundesstaat West-Darfur wurde der Notstand ausgerufen. In der Stadt El Geneina kam es zu gewaltigen Auseinandersetzungen zwischen arabischen Gruppen und der nicht-arabischen Volksgruppe der Massalit. Im Januar führte der Konflikt zum Tod von mindestens 129 Einwohnern und zur Vertreibung von über 108.000 Menschen. Die Stadt ist die Drehscheibe für die Lieferung von Hilfsgütern. Nach Angaben der UN sind inzwischen über 700.000 Menschen von der Verschlechterung der Sicherheitslage betroffen.

Der sudanesische Premierminister Abdalla Hamdok hat die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union (AU), die Europäische Union und die Vereinigten Staaten schriftlich um ihre Vermittlung in einem erbitterten regionalen Streit um die Befüllung des von Äthiopien gebauten riesigen Staudamms, Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD), am Blauen Nil gebeten. Abdalla Hamdok zeigt sich besorgt, dass Äthiopien erklärte den Stausee hinter dem GERD wie im vergangenen Jahr wieder aufzufüllen.

Sudan, Ägypten und Äthiopien führen seit fast einem Jahrzehnt in ergebnislosen Gesprächen über das Fluten des Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD). Sowohl Ägypten als auch der Sudan liegen flussabwärts des GERD.  Äthiopien beansprucht das Nilwasser zu nutzen und begann damit das Reservoir hinter dem Damm zu füllen. Khartum befürchtet, dass der Damm, der am Blauen Nil nahe der Grenze zum Sudan liegt, das Risiko von Überschwemmungen erhöhen und den sicheren Betrieb seiner eigenen Nildämme beeinträchtigen könnte, während das wasserarme Ägypten befürchtet, dass seine Wasserversorgung aus dem Nil beeinträchtigt werden könnte. Ägypten und Sudan wollen wieder verhandeln, um ein „faires“ und „ausgewogenes“ Abkommen über die Füllung des äthiopischen Mega-Damms zu erreichen, sagt Abd al-Fattah as-Sisi.

In den geplanten Marinestützpunkt Bur Sudan, im Zugangsbereich  des strategisch wichtigen Seeweges Bab al-Mandab, ist das erste russische Kriegsschiff eingelaufen. Schiffe mit Nuklearantrieb können dort festmachen.  Die Basis wird etwa 300 militärische und zivile Mitarbeiter beherbergen. Es ist die erste russische Militärbasis in Afrika.

Premierminister Abdallah Hamdok hat die Mitglieder des neuen 25-köpfigen Kabinetts der Übergangsregierung mitgeteilt. Er sagte, die neue Regierung sei durch politischen Konsens zustande gekommen, um einen „Regierungskollaps“ zu vermeiden. Dem neuen Kabinett gehören 7 ehemalige Rebellenchefs als Minister an. Die Gouverneure der Bundesstaaten und die Mitglieder des Gesetzgebungsrates sollen am 15. Februar am 25. Februar bekannt gegeben werden.

Lange Zeit war der Sudan ein Pariahstaat für die internationale Gemeinschaft. Mit der einer Übergangsregierung, in der sowohl das Militär wie auch die Zivilgesellschaft vertreten wird, normalisieren sich langsam die gestörten Beziehungen. Die USA strichen den Sudan aus der Liste der terroristischen Staaten und gewährten dem Sudan einen Kredit, um die Rückstände bei der Weltbank von 1,2 Milliarden US-Dollar zu begleichen und somit den Weg für weitere Schritte in der HIPC-Initiative frei zu machen. Außerdem nahm die Regierung wieder diplomatische Beziehungen mit Israel auf und strebt eine engere Zusammenarbeit mit anderen Staaten in der Region an.

2003 begann in der Provinz Darfur ein Aufstand gegen die Regierung, der brutal niedergeschlagen wurde. Die Regierung benutzte dabei vor allem die lokalen Milizen der Dschandschawid, die ein Blutbad unter der Bevölkerung anrichteten. Nach UN-Schätzungen kamen dabei bis zu 300.000 Menschen ums Leben, 2,5 Millionen wurden vertrieben. Um die Bevölkerung zu schützen, entsandte die UN bis zu 16.000 Friedenstruppen (UNAMID) nach Darfur. Nach dem Umsturz des Diktators Bashir 2019, bat die neue Übergangsregierung um den Abzug der Truppen, der Anfang 2021 beginnen soll. Trotz eines Abkommens mit den Rebellengruppen kam es zu neuen Konflikten, die die Regierung mit eigenen Truppen beruhigen will.

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