Schlagwort: Tschad

Präsident Mahamat Idriss Deby hat den inhaftierten ehemaligen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der größten Oppositionspartei, Succes Masra, sowie acht weitere Oppositionsführer begnadigt. Masra, einer der schärfsten Kritiker des Präsidenten, war vor einem Jahr wegen Hassrede, Fremdenfeindlichkeit und Anstiftung zu einem Massaker zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. „Wir danken dem Präsidenten der Republik dafür, dass er sich den Hindernissen gestellt und beschlossen hat, im Geiste der nationalen Einheit, die nun entsteht, voranzuschreiten“, sagte Ndolembai Sade Njesada, Vizepräsident von Masras Partei „The Transformers“. Wie andere Oppositionspolitiker war auch der 42-jährige Wirtschaftswissenschaftler Masra aus dem Tschad geflohen, nachdem Armee und Polizei im Oktober 2022 das Feuer auf Demonstranten eröffnet hatten, die gegen eine Verlängerung der politischen Übergangsphase unter der von Deby geführten regierenden Junta protestierten. Deby steht seit 2021 an der Spitze des Tschad.

Die wichtigsten Religionsgemeinschaften des Landes haben formell eine Plattform ins Leben gerufen, die den Frieden des Landes stärken, den sozialen Zusammenhalt fördern und den Aufbau eines geeinten, prosperierenden Tschad verwirklichen soll. Scheich Abdadayim Abdallah Ousman unterzeichnete für den Nationalen Rat für Islamische Angelegenheiten (CNAIT), Erzbischof von N’Djamena, Edmond Djitangar Goetbé für die katholische Bischofskonferenz und Generalsekretär Tao Élysée für die Vereinigung/Allianz der evangelischen Kirchen und Missionen (EEMET). Strukturell soll es 13 feste Mitglieder (5 Muslime, 4 Katholiken, 4 Protestanten) geben.

Boko Haram, die an der Schnittstelle von Kamerun, Tschad, Niger und Nigeria operiert, hat auf der Insel Barka Tolorom einen Angriff verübt. Mindestens 23 tschadische Soldaten wurden getötet und 26 verletzt. Tschadische Soldaten geraten in der Region des Tschadsees zunehmend unter Beschuss von Boko Haram. In den letzten Monaten kam es zudem zu einer Zunahme von Angriffen der JAS-Fraktion, insbesondere auf den Inseln und entlang des nigerianischen Ufers des Tschadsee. Der Tschad leidet seit Jahren unter Instabilität, geprägt von wiederkehrenden Rebellionen, bewaffneten Gruppen und Staatsstreichen. Trotz seines Ölreichtums gehören das Land aufgrund wirtschaftlicher Stagnation und eines rauen Klimas weiterhin zu den ärmsten Nationen Afrikas.

Durch den Krieg im Nahen Osten wird verstärkt nach alternativen Energiequellen gesucht. So gewinnt die „grüne Kohle“ bestehen aus Pflanzenabfällen wie Hirse- und Sesamstängeln oder Palmwedeln, gemischt mit Gummiarabikum und Ton an Bedeutung. Sie brennt bis zu dreimal länger als herkömmliche Holzkohle und ist billiger. Raikina Association (Adser) betreibt eine Produktionsstätte in Pont Belile, nördlich der Hauptstadt N’Djamena, und stellt täglich etwa 7 bis 10 Tonnen Briketts her. Die Regierung betrachtet die „grüne Kohle“ als eine der wichtigsten Energiequellen der Zukunft, um die seit den 1970er Jahren, um über 90 % zurückgegangenen Waldbestände zu schützen. 1kg grüner Kohle spart etwa 6 Kilogramm Holz ein.

In der Provinz Wadi Fira eskalierte ein Konflikt, der ursprünglich zwischen zwei Familien ausgebrochen war, zu einer Welle von Vergeltungsangriffen. Er breitete sich über ein weites Gebiet aus. Dörfer wurden niedergebrannt. Rivalisierende ethnische Gruppen stritten sich um einen Wasserbrunnen. Tödliche Zusammenstöße zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen sind an der Tagesordnung, was auf langjährige Konflikte zwischen Bauern und Hirten sowie ethnische Spannungen zurückzuführen ist. Nach Angaben des Thinktanks „International Crisis Group“ wurden zwischen 2021 und 2024 bei etwa 100 Zusammenstößen 1.000 Menschen getötet und 2.000 verletzt. Der Wettbewerb um Wasser und Weideland ist ein chronischer Auslöser für Gewalt zwischen Bauern und Viehzüchtern im Tschad, der häufig durch den Klimawandel und Dürren verschärft wird.

Der Tschad entsendet insgesamt 1.500 Sicherheitskräfte nach Haiti, um den Kampf gegen die dortige Bandengewalt zu unterstützen. Haitis Hauptstadt Port-au-Prince wird fast vollständig von kriminellen Banden kontrolliert. Der UN-Sicherheitsrat hatte im Oktober 2023 die multinationale Sicherheitstruppe (Gang Suppression Force, GSF) beschlossen, um die haitianische Polizei bei der Bekämpfung von Banden zu unterstützen. Die tschadischen Truppen, die überwiegend Französisch sprechen, gelten aufgrund ihrer Erfahrung in internationalen Friedensmissionen als besonders geeignet für diesen Einsatz. Der Einsatz ist auf 12 Monaten begrenzt.

Der Tschad hat mit der Notfallumsiedlung von Flüchtlingen aus dem Grenzgebiet zum Sudan in der Provinz Ennedi Est begonnen. Präsident Mahamat Idriss Deby befahl der Armee letzte Woche, sich auf Vergeltungsmaßnahmen vorzubereiten, nachdem bei einem grenzüberschreitenden Drohnenangriff aus dem Sudan 17 Menschen im Tschad getötet wurden, darunter Trauergäste, die an einer Trauerfeier teilnahmen. Die ersten Umsiedlungsmaßnahmen betreffen rund 2.300 Menschen, mehr als die Hälfte davon sind Frauen und Kinder.

Der Tschad hat am Montag seine östliche Grenze zum Sudan „bis auf Weiteres“ geschlossen. Die Maßnahme sei notwendig, um wiederholte Übergriffe sudanesischer bewaffneter Gruppen zu stoppen. Die Schließung wurde bekannt gegeben, nachdem es in der Grenzstadt al-Tina zu schweren Kämpfen zwischen den sudanesischen Rapid Support Forces (RSF) und lokalen Kämpfern gekommen war, die mit der sudanesischen Armee verbündet sind. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2023 sind fast eine Million Sudanesen über die Grenze in den Tschad geflohen.

In Korbol, in der Region Moyen-Chari, kam es zu Zusammenstößen zwischen der tschadischen Armee und den Rebellen der MPRD (Mouvement Patriotique pour le Renouveau de la Démocratie), bei denen mindestens sechs Menschen getötet wurden. Das Militär hatte kürzlich seine Präsenz in der Region, die an die Zentralafrikanische Republik grenzt, verstärkt. Die MPRD hat eine ganz klare Forderung: den Sturz des derzeitigen Systems. Präsident Mahamat Idriss Déby Itno, wurde 23. Mai 2024 nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen offiziell vereidigt. Nach dem Tod seines Vaters (2021), leitete Idriss Déby zunächst einen Militärrat, bevor er zum Übergangspräsidenten wurde und schließlich die Wahl gewann, wodurch die 34-jährige Herrschaft seiner Familie fortgesetzt wurde. 

Im Rahmen der Umsetzung des Projekts zur Erweiterung des Zugangs zu Energie im Tschad (PAAET) werden 145.000 Solar-Kits zu subventionierten Preisen an Haushalte in den 23 Provinzen des Landes verteilt. Jedes Set im Wert von 100 US-Dollar wird für umgerechnet 20 US-Dollar verkauft. Das Gerät ermöglicht die Beleuchtung von Häusern und das Aufladen von Mobiltelefonen und versorgt so etwa 6 Millionen Tschader mit Strom. In ländlichen Regionen hat der Einsatz von autonomen Solaranlagen zahlreiche Haushalte mit sauberer und zuverlässiger Energie versorgt und damit die Abhängigkeit von Brennholz und Kerosinlampen verringert, die beide zur Umweltverschmutzung beitragen und Gesundheitsrisiken bergen.

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