Schlagwort: Libyen

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und mit Grenzen zu Ägypten und Tunesien dicht, begeht Libyen den zweiten Jahrestag des Revolutionsbeginns. Während Tripolis ausgiebig feiert, sind die Menschen in Bengasi, der Wiege des Aufstands, nüchterner. Erst wenn das Ziel erreicht ist, gäbe es Grund zum Feiern. Die Stimmen dort für eine größere regionale Autonomie und eine bessere Verteilung des Wohlstands werden immer lauter. Auch müsse die Gefahr von zahlreichen bewaffneten Milizen gebannt werden.

Bei ihrer Konferenz in Malta letzte Woche haben die Vertreter der verschiedenen Länderbüros der Jesuiten – Flüchtlingsdienste sich für Migranten aus Afrika eingesetzt. Sie sind besorgt über die geplante Zusammenarbeit der EU-Kommission mit Libyen. Abschiebungshaft, die Migranten mit Kriminellen gleichstellt, sollte nicht angewandt werden.

Nur vier km vom Land entfernt, etwa 50 km östlich von Tripolis sank ein provisorisches Boot. 36 Migranten kamen um, 52 wurden gerettet, doch werden noch 42 vermisst. Die Suche geht weiter.

Verärgert über Gaddafis Vorschlag, Nigeria in zwei Staaten – einen muslimischen und einen christlichen – aufzuteilen, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, hat Nigeria seinen Botschafter von Libyen zurück gerufen. Seine Aussage sei verantwortungslos. Obwohl die Gewalt, die dieses Jahr schon Hunderte Menschenleben kostete, zwischen den beiden religiösen Gruppen ausbrach, sind die eigentlichen Gründe eine komplexe Mischung von politischen, sozialen und wirtschaftlichen Differenzen.

Nach wochenlangen Gefechten hat das islamistische Bündnis Fajr Libyia den Flughafen von Tripolis erobert und die lokalen Al-Sintan Milizen vertrieben. Bei den Kämpfen wurde der Flughafen fast vollständig zerstört. Nach Medienberichten sollen auch Kampfflugzeuge aus den Vereinigten Emiraten von Ägypten aus in die Kämpfe eingegriffen haben. Das gewählte, aber machtlose Parlament, das in die Grenzstadt Tobruk geflohen ist, erklärte die Fajr Libya und die Answar al Sharia Milizen zur Terrororganisationen.

Ein in den USA produzierter Film, der angeblich den Propheten Mohammed beleidigt hat, löste in Libyen und Ägypten heftige Unruhen aus und brachte Tausende wütende Menschen auf die Straße. In Ägypten zerrissen sie die Fahne; in Bengasi zündeten sie die Botschaft an. Ein Mitarbeiter des US-Außenministeriums kam ums Leben.

General Gaddafi, zurzeit Vorsitzender der AU, rief den Kontinent auf, die Integration voranzutreiben. Seine Vision von einer Pan-Afrikanischen Regierung hatte schon beim AU Gipfel im Februar Spannungen ausgelöst. Jetzt haben sich über 60 AU Minister in Tripoli versammelt, um Gaddafis detaillierten Entwurf zu hören. Unter anderem soll es eine Armee, eine Währung und einen Reisepass geben. Mit Libyen befreundete Länder äußern sich positiv. Andere sind besorgt um ihre Staatshoheit; wieder andere sehen die Spaltung des Kontinents als zu tief um so schnell überwunden werden zu können.

Die Leichen von sieben ägyptischen Christen wurden am Strand nahe der libyschen Stadt Bengasi gefunden; sie wiesen Schusswunden auf. Ein Motiv für die Ermordung ist nicht bekannt, doch sind seit dem Sturz Gaddafis solche exekutionsartige Morde häufig, da das Land einen Überfluss an Waffen hat und viele unkontrollierbare Milizen Gruppen, die sie gebrauchen. Nachdem fünf ägyptische Diplomaten vor einem Monat entführt wurden, hat Kairo seine diplomatische Mission in Tripolis sowie in Bengasi evakuiert.

Wegen der instabilen Sicherheitslage sollen USA Bürger das Land sofort verlassen. Das Botschaftspersonal wurde bereits reduziert und in Sizilien sind Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die jüngsten Unruhen wurden durch die Offensive des früheren Generals Haftar gegen islamistische Milizen verursacht.

Anders als in Tunesien und Ägypten, haben sich in Libyen die liberalen Kräfte in der ersten demokratischen Parlamentswahl in 42 Jahren behauptet. Die „Allianz der Nationalen Kräfte“ des früheren Regierungschefs der Übergangsregierung, Mahmud Jibril, erhielt 39 von 80 Sitzen. Die Partei steht für einen moderaten Islam, freie Wirtschaft und Öffnung zum Westen. Wie das Kräfteverhältnis endgültig aussehen wird, ist noch nicht klar, denn die andern 120 von insgesamt 200 Parlamentssitzen gehen an unabhängige Kandidaten.

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