Schlagwort: Libyen

Die Regierung in Tripolis ist empört, dass nach anderen wichtigen Ländern nun auch Großbritannien den Nationalen Übergangsrat als einzige legitime Regierung Libyens anerkannt und Gaddafis Diplomaten ausgewiesen hat. Gaddafi wütet über das ihm gemachte Angebot, dass er im Land bleiben kann, wenn er alle Macht abgibt. Er werde alles „opfern“, um die Rebellen zu besiegen. Obwohl er eine Schutzhülle nach der andern verliert, gibt er sich weiter undurchdringbar.

Bischof Martinelli von Tripolis sprach von Gottesdiensten in Sicherheit. Nur die medizinische Behandlung sei wegen Medikamentenmangel sehr schwierig. Äußerst ernst sei auch die Lage der afrikanischen Gastarbeiter, die von beiden Seiten viel Ablehnung und Schikane erfahren.

Etwa 75 Migranten kamen um, als sie in einem Schlauchboot von Libyen nach Italien unterwegs waren. Man vermutet Hunger, Durst und Treibstoffmangel als Ursachen des Unglücks. Fünf Überlebende, darunter ein Kind, wurden von dem treibenden Boot gerettet.

Während die Abgeordneten einen neuen Ministerpräsidenten wählten, stürmten Bewaffnete ins Parlament. Die Wahl wurde unterbrochen; die Parlamentarier flohen durch den Hinterausgang. Die Angreifer sollen angeblich zu einer Gruppe gehört haben, die befürchtet, dass ihr Kandidat bei der Wahl unterliegen könnte. Der neue Premier wäre schon der dritte in diesem Jahr. Abspaltungsversuche und Überfälle durch Rebellen Gruppen sind seit dem Sturz Gaddafis an der Tagesordnung.

Britische Wissenschaftler und libysche Geologen, unterstützt von Satellitenaufnahmen und fossilen Untersuchungen, fanden Hinweise auf ein ausgedehntes Netz von Flüssen quer durch die Sahara, durch das Homo Sapiens vor 120 000 Jahren gewandert sein könnte. Der Nil sei also nicht die einzige Verbreitungsroute gewesen. Heute geht weniger als ein mm Regen dort nieder, und Libyen hat nicht einen einzigen ständigen Fluss.

Nach den heftigen Gefechten zwischen rivalisierenden Milizen um den Hauptstadt Flughafen musste der Flugverkehr in Tripolis eingestellt werden. 90% aller parkenden Flugzeuge sind zerstört oder beschädigt und der Kontrollturm betriebsunfähig. Die Regierung schafft es nicht, die seit dem Sturz Gaddafis randalierenden Banden zu entwaffnen und überlegt zum ersten Mal, internationale militärische Hilfe anzunehmen, um Sicherheit im Land zu schaffen. Inzwischen hat auch die UNO ihr Personal zurückgezogen.

Gestern hat er die Erstürmung Bengasis vorbereitet und mit Vergeltungsschlägen im Mittelmeerraum gedroht, falls ausländische Truppen sein Land angreifen. Heute sprach das Regime erstmals von Waffenruhe. Trotzdem gehen die Kämpfe weiter und Bomben fielen auf Misrata. Nach französischen Angaben sollen die Luftangriffe „in einigen Stunden“ beginnen. Die historische Entscheidung des UN-Sicherheitsrates schließt alle militärischen Handlungen ein, außer Bodentruppen, die zum Schutz der zivilen Bevölkerung und ihrem Streben nach Freiheit notwendig sind.

Beim Angriff auf das US- Konsulat in Bengasi gab es drei weitere Opfer, darunter der Botschafter selbst, der an einer Rauchvergiftung starb. Die Attacke am 11. Jahrestag des Terrorangriffs auf die USA könnte eine gezielte Aktion gewesen sein. Um die US-Militärpräsenz zu stärken, kreuzte schon ein Kriegsschiff vor der libyschen Küste auf; ein zweites ist unterwegs.

Human Rights Watch berichtet, dass sich die Menschenrechtslage in Libyen leicht verbessert hat, besonders in Bezug auf freie Meinungsäußerung, obwohl Missbrauch durch Sicherheitskräfte immer noch die Norm ist. Doch können die begrenzten Änderungen nicht Schritt halten mit den Bemühungen Gaddafis, Libyen aus der internationalen Isolation zu holen und dem Land ein moderneres Image zu geben.

Libyen gewährleistet die Mindeststandards für Flüchtlinge nicht, dennoch arbeiten Italien und Malta bei der Abschiebung von Schwarzafrikanern mit Tripolis zusammen.

Länder