Schlagwort: Sierra Leone

Zum ersten Mal seit dem Verbot von Kinderheirat in Sierra Leone vor zwei Jahren wurden Personen, denen dieses Verbrechen vorgeworfen wird, vor Gericht gestellt. Vier Männer erschienen vor einem Obergericht in Freetown, angeklagt wegen der Zwangsheirat einer 17-Jährigen. Zu den Angeklagten gehören der Vater des Mädchens und ihr sogenannter Ehemann. Alle vier Männer bekannten sich schuldig – doch da der mutmaßliche Bräutigam unter Berufung auf das veraltete Gesetz über die Gewohnheitsheirat behauptete, er habe die Zustimmung der Mutter des Kindes zur Heirat eingeholt, wurde sein Geständnis vom Staatsanwalt in „nicht schuldig“ umgewandelt. Im Falle einer Verurteilung drohen den Angeklagten mindestens 15 Jahre Haft oder eine Geldstrafe von rund 4.000 US-Dollar oder beides. Nach dem neuen Gesetz können sogar diejenigen, die an der Hochzeit eines Kindes teilnehmen, festgenommen und inhaftiert werden.

Sierra Leone hat sich bereit erklärt, Hunderte westafrikanischer Migranten aufzunehmen, die von den Vereinigten Staaten abgeschoben werden. Der erste Flug wird am 20. Mai in Sierra Leone eintreffen. An; Bord befinden sich 25 Staatsangehörige aus dem Senegal, Ghana, Guinea und Nigeria. „Sierra Leone hat mit den USA ein Abkommen über Drittstaatsangehörige unterzeichnet, wonach jährlich 300 ECOWAS-Bürger aus den USA aufgenommen werden sollen, mit einer Obergrenze von 25 pro Monat. Die USA haben zuvor bereits Drittstaatsangehörige in afrikanische Staaten abgeschoben, darunter die Demokratische Republik Kongo, Ghana, Kamerun, Äquatorialguinea und Eswatini.

Die westafrikanische Regionalorganisation ECOWAS hat ihre Besorgnis über die zunehmenden Spannungen an der Grenze zwischen Guinea, Liberia und Sierra Leone zum Ausdruck gebracht und alle Parteien zur Zurückhaltung aufgefordert. ECOWAS kündigte die Entsendung einer technischen Erkundungsmission an, um die Entwicklungen im umstrittenen Gebiet von Yenga zu bewerten – einem seit langem bestehenden Konfliktherd aufgrund historischer Territorialstreitigkeiten zwischen Guinea und Sierra Leone. Für heute 16.03. 26 wurde ein Notfall-Gipfel der Mano River Union (MRU) in Conakry anberaumt, an dem die Präsidenten von Guinea, Liberia, Sierra Leone und der Elfenbeinküste teilnehmen sollen. 

Präsident Julius Maada Bio sagte in einer Ansprache an die Nation: „Ich bitte Sie nur darum, dass unsere Nation in Ihrer Zeit und auf Ihre Weise die Gnade findet, vollständig zu heilen, ihre Würde wiederherzustellen und gemeinsam voranzuschreiten.“ Sierra Leone feierte seinen ersten Nationalen Gedenktag zu Ehren der Opfer des zehnjährigen Bürgerkriegs. Der Krieg gilt als einer der brutalsten in der jüngeren Geschichte. Er begann 1991, als die Kämpfe aus dem benachbarten Liberia übergriffen und Rebellen mit den Streitkräften Sierra Leones zusammenstießen. Der Konflikt forderte etwa 120.000 Menschenleben und hinterließ Tausende Verletzte und Verstümmelte, bevor er am 18. Januar 2002 offiziell beendet wurde.

Sierra Leone, eines der ärmsten Länder Westafrikas, hat kürzlich im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegen die Verlängerung der Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran gestimmt. Analysten vermuten, dass diese Entscheidung die starke Abhängigkeit des Landes von britischer Entwicklungshilfe widerspiegelt, was Fragen darüber aufwirft, wie wirtschaftliche Abhängigkeit die Außenpolitik in gefährdeten Ländern beeinflusst. Sierra Leone gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt und liegt auf dem Human Development Index auf Platz 185 von 193. Rund 25 % der 8,8 Millionen Einwohner leben in extremer Armut, und das Pro-Kopf-BIP des Landes beträgt 874 US-Dollar. Sierra Leone, bis 1961 eine ehemalige britische Kolonie, hat in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von Krisen durchlebt. Der Bürgerkrieg von 1991 bis 2002 forderte zwischen 50.000 und 200.000 Menschenleben und hinterließ bleibende Spuren, darunter zerstörte Infrastruktur und generationenübergreifende Traumata. Das Land wurde außerdem schwer vom Ebola-Ausbruch 2014 getroffen, und 2017 forderten Schlammlawinen Hunderte von Todesopfern.

Kush, ein synthetischer Cocktail, der in der Regel aus Eibischblättern (marshmallow leaves) hergestellt wird, tauchte erstmals in den frühen 2020er Jahren in Sierra Leone auf und verbreitete sich schnell über Liberia, Guinea, Gambia, Guinea-Bissau und Senegal. Es wird zunehmend mit Opioiden gemischt, die bis zu 25-mal stärker sind als Fentanyl (synthetisches Opioid). Kush ist wahrscheinlich für Tausende von Todesfällen in Westafrika verantwortlich. Da Kush billig herzustellen ist und stark süchtig macht, erklärte die Regierung von Sierra Leone im April 2024 den Notstand für die öffentliche Gesundheit, doch die Droge breitet sich weiter aus.

Dr. Ngashi Ngongo, Leiter des Incident Management Support Teams der Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC), gab bekannt, dass in Afrika 141.000 Verdachtsfälle von Mpox aufgetreten sind, von denen über 35.000 bestätigt wurden. 94 % aller bestätigten Mpox-Fälle auf dem Kontinent sind auf vier Länder konzentriert: Demokratische Republik Kongo, Uganda, Sierra Leone und Burundi. In Sierra Leone wurden 4.032 Fälle registriert, davon 15 Todesfälle, was 53 % aller in den letzten drei Wochen neu bestätigten Mpox-Fälle auf dem Kontinent entspricht. Er gab ferner bekannt, dass 2,5 Millionen Dosen des Mpox-Impfstoffs an Afrika verteilt wurden, wobei 11 Länder Impfstoffe erhalten haben und 7 Länder derzeit Impfprogramme durchführen.

Yvonne Aki-Sawyerr, seit 2018 Bürgermeisterin der Hauptstadt Freetown, ist–laut der Deutschen Afrika Stiftung–eine „Inspiration“. Nach 25 Arbeitsjahren im Londoner Finanzsektor hat sie sich unerschütterlich für „ ihre“ Stadt eingesetzt. Es gibt in Freetown eine Abwasser-Aufbearbeitungsanlage, 160 Wasserspeicher und Regenwassersammelsysteme, Kompost, Biogas und Heizbriketts aus Abfällen. Letzteres schützt auch die Wälder. Unter ihrer Leitung wurden 977.000 Bäume gepflanzt. Freetown soll „Tree-Town – Baumstadt“ werden. Eine geplante Seilbahn soll die Luftverschmutzung reduzieren. Freetown wird als Vorbild für Afrika gesehen, sogar für Südafrikas Hauptstadt Pretoria. Yvonne Aki-Sawyerr wird  am 16. Oktober in Berlin voller Freude und Dankbarkeit den Preis entgegennehmen im Namen des ganzen Teams und aller Bürger Freetowns.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) begrüßt den Beitrag der japanischen Regierung in Höhe von ca. 1,36 Mio. USD zur Unterstützung von 28.800 Grundschulkindern im Bezirk Pujehun im Schuljahr 2024-2025. Mit diesem Beitrag wird WFP täglich warme und nahrhafte Mahlzeiten aus japanischem Reis zusammen mit frischem Gemüse bereitstellen, das von Kleinbauern vor Ort bezogen wird. Die Hilfe wird 137 staatlichen und staatlich unterstützten Grundschulen in sechs Chiefdoms in Sierra Leone zugutekommen, die von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen und anfällig für Klimaveränderungen sind. Japan war in den letzten fünf Jahren der zweitgrößte Geber des WFP und stellte über das WFP kontinuierlich Nahrungsmittelhilfe im Wert von fast 15 Millionen US-Dollar bereit.

Das Kambui Hills Forest Reserve liegt in der Ostprovinz von Sierra Leone, einem Gebiet an der Grenze zu Guinea und Liberia mit großen Gold-, Rutil- und Diamantenvorkommen. Seit dem Jahr 2000 hat Sierra Leone laut Global Forest Watch, einer Online-Überwachungsplattform, mehr als 35 % seiner gesamten Baumbestände und 14 % seiner feuchten Primärwälder – einige der ökologisch bedeutendsten Lebensräume der Welt – verloren. Es war der Handel mit so genannten Blutdiamanten, der den brutalen 11-jährigen Bürgerkrieg des Landes mit rund 120.000 Toten weitgehend finanzierte. Heute suchen die Menschen entlang der felsigen Flussufer des Kambui-Waldes vor allem nach Gold. Die National Protected Area Authority (NPAA) hat die Aufgabe, den Regenwald vor illegalem Bergbau und Holzeinschlag zu bewahren. Aber mit nur 62 Wächtern, die etwa 14.000 Hektar (35.000 Acres) abdecken ein fast aussichtsloses Unterfangen. Die Ranger machen die wirtschaftliche Not für die zunehmende Ausbeutung der Naturlandschaft verantwortlich. Das an bodenschätzreiche Sierra Leone ist eines der ärmsten Länder der Welt.

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