Schlagwort: Libyen

Libyen und Italien wollen gemeinsam gegen die illegale Immigration vorgehen. Italien liefert sechs Schnellboote. Ein gemeinsame Besatzung soll die Boote, mit denen jährlich Tausende von illegalen Migranten nach Europa kommen, an der Überfahrt hindern.

Nachdem Libyens Außenminister Moussa Koussa sich in Großbritannien abgesetzt hatte, wurde bekannt, dass ein ranghoher Vertreter des Regimes schon Gespräche mit der britischen Regierung führe. Man weiß nicht, ob es um eine Exit-Strategie geht. Laut Al-Jazeera sollen noch weitere Minister und Diplomaten sich von Gaddafi getrennt haben. Kirchliche Vertreter, darunter der Nuntius in London, Erzbischof Mennini, plädieren für ein Ende des Militäreinsatzes und den Beginn humanitärer Hilfe für alle Betroffenen.

Laut eines Berichts von IGFM (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte) sind in jüngster Zeit rund 100 koptische Christen aus Ägypten wegen angeblicher „Verbreitung des Christentums“ oder „illegaler Einwanderung“ inhaftiert worden. Seit einer von ihnen, der 45-jährige Ezzat Atallah in einem Bengasi Gefängnis an Folterungen starb, werfen Kopten in Kairo Steine und brennen Fahnen vor der libyschen Botschaft. In der Kyrenaika haben salafistische Milizen koptische Händler vorübergehend eingesperrt, weil sie auf ihren Ständen christliche Symbole zeigten. Auch haben Extremisten versucht, mit Säure christliche Symbole aus der Haut zu ätzen.

Der Tod Gaddafis gibt Libyen die Chance eines Neuanfangs nach jahrzehntelanger autokratischer Regierung. Ban Ki Moon rief das Volk zur Versöhnung und Zusammenarbeit auf, damit ein freies demokratisches Land entstehen kann.

Die US-Erdölkonzerne Occidental und Chevron Texas haben den Löwenteil an neuen Lizenzen zur Erdölexploration gewonnen, die von Tripolis vergeben wurden. Europäische Firmen gingen leer aus.

In 15 Anlagen südlich von Bengasi fördert der italienische Energiekonzern ENI etwa 31,900 Barrel Öl täglich. Weitere Gebiete sollen folgen. Bis die tägliche Produktion wieder 1,6 Millionen Barrel am Tag erreicht, wie vor dem Krieg, könnte es noch ein Jahr dauern. Inzwischen hat der Angriff von Gaddafi Kriegern aus Algerien heraus auf grenznahe Städte die Angst vor einem Untergrundkrieg aufkommen lassen.

Der bulgarische Präsident Georgi Parvanov will nach Libyen kommen, um das Leben von sechs Krankenschwestern zu retten. Sie sind zum Tode verurteilt, weil sie 1999 380 libyschen Kindern absichtlich HIV-infiziertes Blut übertragen hätten, geben jedoch an, dass die Geständnisse durch Folter gezwungen wurden.

Sicherheitskräfte erbeuteten 100 Panzerfahrzeuge und 30 Granatwerfen bei einem Angriff auf ein Lager Gaddafitreuer Milizen, die für zwei Bombenanschläge in Tripolis verantwortlich gemacht werden. Immer noch befinden sich riesige Waffenbestände in den Händen verschiedener Gruppen. Der Prozess gegen Gaddafis Sohn, Saif al-Islam, soll im September in Zintan beginnen, obwohl der Internationale Gerichtshof seine Auslieferung gefordert hatte.

In Frankreich sorgt der Besuch des libyschen Staatschefs Ghadafi weiterhin für Empörung. Am zweiten Tag seines Aufenthalts wurde er vom Präsidenten der Nationalversammlung empfangen. Der Grossteil der Abgeordneten, darunter Mitglieder der Regierungspartei UMP, boykottierte das Treffen

Die EU Außenbeauftragte Catherine Ashton hat bei ihrem Besuch eine Vertretung in Tripolis eröffnet. Das seit Mai bestehende Büro in Bengasi kann so geschlossen werden. Die EU hat Libyen Hilfe beim Aufbau eines demokratischen Staates versprochen.

Länder