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Libyen – Beobachter glauben, dass in dem herrschenden Chaos zwischen Regierung und mehreren Milizen-Gruppen die IS Dschihadisten mehr Einfluss gewinnen. Sie sollen die 150,000 Einwohner Stadt Derna im Osten des Landes als neuen Stützpunkt gewählt haben. Der ISIS Anführer Abu Bakr al-Baghdali hat kürzlich behauptet, treue Anhänger in Libyen, Ägypten, Algerien, sowie in Jemen und Saudi Arabien zu haben. Die Dschihadisten nutzen die fehlende zentrale Autorität und die porösen Grenzen und schlagen mit der gleichen Brutalität zu wie die Terrormiliz in Syrien und Irak. Sollten sie Kontrolle über das libysche Öl gewinnen, wird sich ihre Macht noch steigern. Derna ist nur 350 km Luftlinie von Kreta entfernt.

Libyen – Allein im vergangenen Monat mussten 106,000 Libyer ihre Heimat verlassen; seit Mai waren es 400,000, berichtet das UN-Flüchtlingswerk UNHCR. Grund dafür sind die bewaffneten Konflikte zwischen den verschiedenen Milizen, besonders in den Städten. Wegen der prekären Sicherheitslage und der schrumpfenden Finanzen ist es extrem schwer, notwendige Hilfsgüter zu den Betroffenen zu bringen. Der kommende Winter verschlimmert die Lage noch.

Die ölreiche Region um Bengasi hat sich am Dienstag als autonom erklärt, wäre aber bereit, die außenpolitischen Entscheidungen von Tripolis anzuerkennen. Bengasi und die Region Cyrenaika fühlten sich schon immer vernachlässigt. Hier begann auch der Aufstand im Februar 2011. Der Präsident des Nationalen Übergangsrat jedoch ist nicht bereit, Libyen zu teilen; wenn nötig, würde er die Einheit „mit Gewalt“ verteidigen.

Diesen Rat ihres Vaters wollte Aisha Gaddafi folgen, als sie gestern aus ihrem algerischen Asyl ihre Landsleute aufrief, die neuen Machthaber zu stürzen. Sie könnte mit der öffentlichen Äußerung den humanitären Flüchtlingsstatus, den sie und der Rest ihrer Familie in Algerien genießt, verlieren.

Ein US-Gericht hat Libyen zur Zahlung von 6 Milliarden Dollar an die sieben amerikanischen Familien verurteilt, deren Angehörige 1989 beim Abschuss einer französischen Maschine über dem Niger umkamen.

Trotz bedauerlicher Zwischenfälle im Osten des Landes, wo Wahllokale angegriffen und Stimmzettel verbrannt wurden, verlief die erste freie Wahl nach 42 Jahren geordnet und mit Jubel. Während der Auswertung ruft der frühere Übergangspremier Jibril die Libyer zur nationalen Einheit auf. Nur so könne ein funktionierender Staatsapparat geschaffen werden. Nach den ersten offiziellen Ergebnissen hat seine „Allianz der Nationalen Kräfte“ einen bedeutenden Vorsprung. Internationale Beobachter loben Libyens Wahl als „historische Leistung“.

Frankreich will Libyen einen Atomreaktor zur Aufbereitung von Trinkwasser aus Meerwasser liefern, wie beim Besuch von Präsident Sarkozy vereinbart wurde. Die deutsche Regierung und Umweltverbände kritisierten das Vorhaben als ein Sicherheitsrisiko für Europa.

Nach vier Wochen Haft in der westlibyschen Stadt Al-Sinta ist das Mitarbeiter Team des Internationalen Gerichtshofs wieder frei. Hauptangeklagte waren die Australierin Melinda Taylor und ihre Übersetzerin, denen man vorgeworfen hatte, dem dort inhaftierten Gaddafi Sohn geheime Unterlagen übergeben zu haben. Die beiden männlichen Kollegen aus Russland und Spanien blieben aus Solidarität bei ihnen. Inzwischen sind alle zurück in Den Haag.

Libysche Milizen haben zur Entführung von USA Bürgern in Tripolis und zu Angriffen aus US Schiffe, Flugzeuge und Gas Pipelines aufgerufen. Sie wollen sich rächen für die Entführung eines al-Qaida Anführers, Abu Anas al-Libi, durch amerikanische Spezialeinheiten. Washington solle den Entführten wieder freigeben, was die US Regierung nie tun wird, weil sie in ihm einen Drahtzieher bei den Bomben auf die US Botschaften in Kenia und Tansania, wobei über 200 Menschen umkamen.

Im Haushaltsplan 2007 sollen 400.000 Beamte eingespart werden. Bei einer Bevölkerung von 6.5 Millionen hat Libyen eine Million Beamte, die den Staat jährlich 2.5 Milliarden Euro kosten. Entlassene Beamte sollen drei Jahre Gehalt und Kredite für einen Neuanfang erhalten.

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