Schlagwort: Mali

Frankreich hätte „die Tore der Hölle geöffnet“ und müsse damit rechnen, „im Herzen getroffen“ zu werden, drohte ein MUJAO Anführer. Dazu kommt die Sorge um die Sicherheit französischer Geiseln in der Sahelzone und neuerdings die Geiselnahme Dutzender Ausländer auf dem algerischen Gasfeld mit den blutigen Konsequenzen der Rettungsaktion. Forderung der Geiselnehmer war der Stopp des Militäreinsatzes in Mali.

Islamisten haben in Timbuktu einen angeblichen Mörder öffentlich hingerichtet. Nach Steinigungen und Amputationen ist es der neueste Beweis, dass sie entschlossen sind, auch gegen den Willen der muslimischen Bevölkerung, überall im Norden Malis die Scharia zu verhängen. Die Bischöfe haben in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung alle Katholiken um Solidarität mit den im besetzten Norden leidenden Menschen aufgerufen. Mali brauche „eine Kultur des Friedens…und eine Rückkehr zur Stabilität“. Inzwischen beschäftigt sich der UNO-Sicherheitsrat mit dem offiziellen Antrag Malis für einen internationalen Militäreinsatz. Manche Länder setzen auf Mediation, andere sind zu non-militärischer Hilfe bereit, die USA und Frankreich würden aktiv, unter malischer Leitung und mit Konsens der Nachbarstaaten.

Das berichtet der Sekretär der Bischofskonferenz in Bamako. Die politische Lage, besonders im Norden, bleibt prekär, und die Sorge um die humanitäre Versorgung der Bevölkerung wächst. 160,000 haben seit April Zuflucht in Nachbarstaaten, wie Burkina Faso, gesucht. Die UNO warnt vor den andauernden schweren Menschenrechtsverletzungen. Dazu sind 3,5 Mio. Menschen von der sich verschlimmernden Hungerkrise bedroht.

Tuareg-Rebellen haben zehn Soldaten der Armee, die sie im August entführt hatten, in die Freiheit entlassen. 24 weitere Militärs sind noch in ihrer Gewalt.

Die Islamisten, die zwei-Drittel des Landes unter ihre Kontrolle brachten und mit aller Gewalt die Scharia einführen wolle, kaufen jetzt mit Geldern von Drogenhandel und Lösegeldforderungen Kinder – $600 pro Kind – um sie als Kämpfer auszubilden. Das fand ein ranghoher Mitarbeiter der UNO heraus. Auch soll es furchterregende Listen von unverheirateten Frauen geben, die schwanger sind oder ein Kind geboren haben. Sie leben in ständiger Angst vor der zu erwartenden Scharia-Strafe.

Die demokratische Allianz (ADP) von Präsident Amadou Toumani Touré, eine Koalition aus 40 Parteien, hat bei den Parlamentswahlen 123 der 148 Sitze gewonnen. Die bedeutendste Oppositionspartei FDR erhielt nur 16 Sitze. 12 Abgeordnete sind Frauen. Die Wahlbeteiligung war gering, in der Hauptstadt Bamako nur 12%.

1,800 Soldaten aus dem Tschad, bekannt als erfahrene Wüstenkämpfer, haben Kidal, die letzte größere Stadt im Norden Malis, eingenommen. Die islamistischen Rebellen haben sich in den Bergen nahe der algerischen Grenze versteckt, verfolgt von französischen Luftangriffen. Tuaregs haben im Grenzgebiet zwei ranghohe Islamisten gefasst. Inzwischen treffen sich Vertreter von UNO, AU und EU in Brüssel, um zu beraten, wie ein Wiederaufbau organisiert und finanziert werden kann, wie den Hunderttausenden Flüchtlingen geholfen werden kann und wie es faire Wahlen und solide Sicherheit geben soll.

Eine inoffizielle „Koalition für Mali“ bestehend aus Politikern und Zivilgesellschaft hat Verhandlungen aufgenommen mit der Führung der islamistischen Bewegungen Ansar Dine und der Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika (MUJAO), die die nördlichen Städte Timbuktu, Gao und Kidal seit April kontrollieren. Sowohl in der Hauptstadt Bamako wie auch im Norden bilden sich Widerstandsgruppen von Jugendlichen, die gegen die Islamisten kämpfen wollen. Die Regierung lehnt eine militärische Intervention der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) weiterhin ab.

Präsident Toure weigert sich, das neue Familiengesetz, das Frauen mehr Rechte einräumt und sie vom Gehorsam dem Mann gegenüber befreit, zu unterzeichnen. Nach lautstarken Protesten der muslimischen Gesellschaft soll der Entwurf zur weiteren Prüfung ins Parlament zurück. Die Frauengruppen sind bitter enttäuscht, doch Toure, selbst ein Befürworter des Gesetzes, fürchtet eine Spaltung des Landes.

Zusammen mit den meisten Bewohnern des malischen Dorfes Mole floh auch Massaya mit Frau und sechs Kindern vor dem Krieg. Sie schafften es mühsam zum mauretanischen Flüchtlingslager Mbera. Das Lager war ihr Glück, denn Taghri erwartete Vierlinge, und ohne den kompetenten Einsatz von „Ärzte ohne Grenzen“ hätten Mutter und Babys nicht überlebt. Noch leben die Eltern mit zehn Kindern in der Bruthitze eines Zeltes in der Sahara und harren auf eine Rückkehr.

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