Schlagwort: Mali

Eine inoffizielle „Koalition für Mali“ bestehend aus Politikern und Zivilgesellschaft hat Verhandlungen aufgenommen mit der Führung der islamistischen Bewegungen Ansar Dine und der Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika (MUJAO), die die nördlichen Städte Timbuktu, Gao und Kidal seit April kontrollieren. Sowohl in der Hauptstadt Bamako wie auch im Norden bilden sich Widerstandsgruppen von Jugendlichen, die gegen die Islamisten kämpfen wollen. Die Regierung lehnt eine militärische Intervention der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) weiterhin ab.

Präsident Toure weigert sich, das neue Familiengesetz, das Frauen mehr Rechte einräumt und sie vom Gehorsam dem Mann gegenüber befreit, zu unterzeichnen. Nach lautstarken Protesten der muslimischen Gesellschaft soll der Entwurf zur weiteren Prüfung ins Parlament zurück. Die Frauengruppen sind bitter enttäuscht, doch Toure, selbst ein Befürworter des Gesetzes, fürchtet eine Spaltung des Landes.

Zusammen mit den meisten Bewohnern des malischen Dorfes Mole floh auch Massaya mit Frau und sechs Kindern vor dem Krieg. Sie schafften es mühsam zum mauretanischen Flüchtlingslager Mbera. Das Lager war ihr Glück, denn Taghri erwartete Vierlinge, und ohne den kompetenten Einsatz von „Ärzte ohne Grenzen“ hätten Mutter und Babys nicht überlebt. Noch leben die Eltern mit zehn Kindern in der Bruthitze eines Zeltes in der Sahara und harren auf eine Rückkehr.

Hunderte EU Militärausbilder und Sanitäter, darunter 80 Deutsche, haben heute ihren Einsatz begonnen. In 15 Monaten sollen 3,000 malische Soldaten ausgebildet werden, damit sie in Zukunft ihr eigenes Land verteidigen können. Auch soll die Armee zur politischen Versöhnung beitragen. So gibt es neben dem Umgang mit Waffen, auch Information über Völkerrecht und Schutz der Zivilbevölkerung. Ohne logistische Unterstützung könnte die malische Armee den Kampf gegen islamistische Extremisten im Norden nicht aufnehmen.

An dem Tag, an dem die Tuareg-Rebellen ihren neuen Staat Azawad ausriefen, entschloss sich die Militärjunta, nach nur zwei Wochen die Macht an eine zivile Regierung zu übergeben. Der von den Putschisten gestürzte Präsident Touré trat offiziell zurück, so dass eine Übergangsregierung durch Wahlen einen Weg aus der Krise finden kann. Während bisher noch kein Land den Rebellenstaat im Norden anerkannt hat, wird der Schritt zur Neuordnung in Bamako weltweit begrüßt. Die Entwicklung im Norden, wo die mit al-Qaida im Islamistischen Maghreb (AQIM) verbündete Bewegung Ansar Dine die Macht hat, ist nicht abzusehen.

In Mali gelingt es nicht, für die Präsidentschaftswahl am 29. April zu mobilisieren. NGOs von Frauen und Jugendlichen riefen die Wahlberechtigten auf, ihre Wählerkarten abzuholen und zur Wahl zu gehen. In der Hauptstadt Bamako wurden davon erst 15% abgerufen und im Landesinneren ca. 30%.

Nach dem Militärputsch Anfang des Jahres wurde Mali zeitweise suspendiert. Nun hat die AU Mali wieder aufgenommen und verhandelt über militärische Hilfe. Alle involvierten Gruppen zeigen „einzigartige Einigkeit in der gemeinsamen Sache“. Alle ersehnen eine „gesetzliche Ordnung und nationale Einheit“ für den Norden Malis.

Eines der größten zivilgesellschaftlichen Ereignisse wurde ein Forum über Migration, in dem abgeschoben Migranten von ihrem Schicksal und den erlittenen Schikanen erzählten. Rückkehrer haben eine Selbsthilfe Organisation aufgebaut. Von den 13 Millionen Maliern leben 3.5 Millionen im Ausland, davon 100.000 in Frankreich und 100.000 im restlichen Europa. In zahlreichen Städten in Europa und Afrika gab es Proteste zum „Transnationalen Migrations Aktionstag“.

Wissenschaftler eines internationalen Kongresses in Montpellier schätzen, dass 40% der Landoberfläche, vor allem in Afrika und Asien, von der Wüstenbildung bedroht sind. In Norden Malis bedecken die Wanderdünen immer mehr Ackerland, während im Osten Überschwemmungen den fruchtbaren Boden wegschwemmen.

In den beiden letzten Tagen soll es 47 Tote gegeben haben, die meisten von ihnen Rebellen. Vor drei Jahren hatten sie Frieden mit der Regierung in Bamako gemacht. Nun, gestützt durch gut bewaffnete Rückkehrer aus Libyen, die Gaddafi gedient hatten, nehmen sie den Kampf für ein autonomes Gebiet im Norden wieder auf. Die drei genommenen Wüstenstädte soll die Regierungsarmee zurück erobert haben.

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