Schlagwort: Mali

Einige Stunden nach dem erzwungenen Rücktritt von Premier Diarra ernannte Übergangspräsident Traoré einen neuen Regierungschef, Django Cissoko, der das Land aus der Krise ziehen soll. Welche Auswirkung die Ereignisse der letzten Tage auf die UN-Mission zur Rückeroberung des von Islamisten besetzten Nordens haben wird, ist völlig unklar. Inzwischen fürchten die Stammesbrüder im benachbarten Niger, dass die Islamisten, nachdem sie Malis Tuaregs überrumpelt haben, nun auch in ihr Land eindringen.

Die EU-Außenminister haben am Montag in Luxemburg beschlossen, eine Ausbildungsmission für die malische Armee vorzubereiten. Eine europäische Kampftruppe käme nicht in Frage. Der UNO-Sicherheitsrat hat Unterstützung für eine afrikanische Friedenstruppe zugesagt und will selbst die Planungen übernehmen. Der Konflikt in Mali bedroht die Stabilität Afrikas und ist eine Gefahr für Europa, weil der große „rechts-und staatsfreie Raum“ ideales Rückzugsgebiet für terroristische Gruppen ist. Die Bischöfe Malis hoffen, dass eine internationale Intervention Wirklichkeit wird, um das Leid und die Angst der Bevölkerung zu mindern.

Im Ifoghas – Massiv an der Grenze zu Algerien sind 15 Islamisten umgekommen. Soldaten aus dem Tschad berichteten vom Tod von Mokhtar Belmokhtar, dem einäugigen Anführer, der auch für die Geiselnahme in Algerien verantwortlich war, und von einem weiteren Aqim Extremist Abdelhamid Abou Zeid. Die offizielle Bestätigung steht noch aus. Obwohl der Vorstoß gegen die in den Bergen verschanzten Islamisten schwierig ist und einem Guerillakrieg ähnelt, könnte die Moral der Wüstenkämpfer doch gelitten haben.

Nachdem in der vergangenen Woche fünf Ausländer (aus Frankreich, Schweden, Niederlande und Südafrika) entführt und ein Deutscher getötet wurden, ist die Regierung unter Druck, die Städte des Landes sicherer zu machen. Die Täter sind noch nicht bekannt, aber AQIM hat Verantwortung für ähnliche Angriffe in der Vergangenheit übernommen.

Regierungsvertreter wollen am 16. Juli in Algiers mit Tuareg Separatisten zusammen kommen, zum ersten Mal seit den neuen Kämpfen in Kidal vor zwei Monaten. Frankreich und Ecowas drängen auf ein Abkommen, das die Jahrzehnte andauernden Tuareg Aufstände in Malis Wüstenregion enden soll. Die separatistischen Bewegungen verlangen größere Autonomie für den Norden Malis, den sie Azawad nennen.

Auf Druck der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hat Interim-Präsident Dioncounda Traoré sein neues Kabinett vorgestellt. Scheich Modibo Diarra bleibt trotz Protesten Premierminister. Die 31 Mitglieder, darunter vier Frauen, repräsentieren die unterschiedlichen politischen Kräfte im Land. Dass die Schweiz Vermittlungsversuche Burkina Fasos mit der Tuareg-Bewegung MNLA finanziert und die Rebellen damit aufwertet, wird in Mali kritisch gesehen.

Unter Einsatz seines Lebens hat Abdel Kader Haidara hunderttausende Manuskripte gerettet, als die Islamisten die nord-malische Stadt Timbuktu überfielen und die alte kostbare Bibliothek zerstörten. Die Handschriften – manche aus dem 11. Und 12. Jahrhundert – lagern zurzeit in der Hauptstadt Bamako. Für die Rettung des wichtigen Kulturerbes erhält Haidara von der Deutschen Afrika Stiftung den diesjährigen „Afrika-Preis“. Mit finanzieller Unterstützung von Dubai und der Schweiz wollen deutsche Experten bei der Digitalisierung und Auswertung der Handschriften mitarbeiten.

Islamistische Extremisten setzen ihr Zerstörungswerk fort. Am Wochenende fielen sieben der 16 Mausoleen in Timbuktu ihrer Wut zum Opfer. Jetzt haben sie noch die „heilige Tür“ der Sidi-Yahya-Moschee aus dem 15. Jahrhundert mit Spitzhacken eingeschlagen. Es ist nicht nur eine sinnlose Verwüstung von Weltkulturerbe Stätten, sondern auch ein Verbrechen an der Identität der Menschen dort, die diese Heiligtümer nutzten, denn ihr Islam hat sich über die Jahrhunderte mit afrikanischen Praktiken durchsetzt. Ban Ki Moon rief zum Einhalt der Zerstörung und zu Verhandlungen auf.

Burkina Fasos Außenminister Djibrill Bassole flog in Auftrag der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) nach Gao und besuchte das Krankhaus, führte aber keine Gespräche mit den Führern der „Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika“ (MUJAO). In Kidal traf sich Bassole mit den Anführern der islamistischen Gruppe Ansar Dine. ECOWAs diskutiert eine militärische Intervention, während UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Sanktionen fordert. Die Hälfte der Bevölkerung ausGao ist geflohen, 400.000 Menschen in der ganzen Region sind heimatlos geworden.Trotz Protesten der Bevölkerung wurden in strikter Anwendung der Sharia zwei Ehebrecher gesteinigt und einem Dieb die Hand amputiert. Auf seiner Afrikareise machte Minister Dirk Niebel einen Abstecher nach Bamako.

Eine Regierungsdelegation hat Vertreter der Tuareg getroffen, die Armeelager im Norden Malis angegriffen hatten. Die Tuareg wünschen, dass Algerien als Vermittler die Verhandlungen führt.

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