Schlagwort: Burkina Faso

Die Militärregierung von Burkina Faso hat die französischen Truppen zum Abzug innerhalb eines Monats aufgefordert. Die Entscheidung wurde von der offiziellen Agence d’Information du Burkina (AIB) am Samstag bekannt gegeben. In der Hauptstadt Ouagadougou demonstrierten Hunderte gegen Frankreich; sie trugen riesige Plakate, auf denen die Staatsoberhäupter von Mali und Guinea – beide ebenfalls durch Putsche an die Macht gekommen – sowie der russische Präsident Wladimir Putin abgebildet waren. Dies ist das jüngste Zeichen für die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Frankreich und seiner ehemaligen Kolonie seit einem zweiten Militärputsch im September letzten Jahres. Frankreich hat rund 400 Soldaten in Burkina Faso stationiert, die gegen Gruppen kämpfen, die mit Al-Qaida und ISIL (ISIS) verbunden sind.

Mehr als 50 Frauen sind in der Gegend von Arbinda entführt worden, einem Gebiet, das von dschihadistischen Gruppen blockiert wird und auf Nahrungsmittellieferungen von außerhalb angewiesen ist. Die Frauen waren auf der Suche nach wilden Früchten; mehrere Frauen konnten entkommen und in ihre Dörfer zurückkehren, um Alarm zu schlagen.

Die US-Regierung hat, auf Grund von politischen Unruhen, Burkina Faso aus dem Wirtschaftsabkommen African Growth and Opportunity Act ausgeschlossen. Das Land soll nicht mehr vom zollfreien Zugang zum US-Markt profitieren. Ungefähr 6.500 Produkte wie Bekleidung, Rohstoffe, industrielle Vorprodukte und Textilerzeugnisse sind betroffen. Um die AGOA-Anforderungen zu erfüllen, müssen die Länder eine marktwirtschaftliche Ordnung, Rechtsstaatlichkeit, politischen Pluralismus und das Recht auf ein ordnungsgemäßes Gerichtsverfahren aufweisen. Bereits 2022 hat die US-Regierung Äthiopien, Mali und Guinea aus dem Handelsabkommen ausgeschlossen.

Ghana hat seinen Minister für nationale Sicherheit nach Burkina Faso entsandt, um einen diplomatischen Streit beizulegen. Ghanas Präsident Akufo-Addo warf Burkina Faso vor, Söldner der russischen Wagner-Gruppe anzuheuern und ihnen als Bezahlung die Einnahmen aus einer Mine zukommen zu lassen. Der Bergbauminister von Burkina Faso hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Forschern zufolge haben mehrere afrikanische Länder, darunter Mali und die Zentralafrikanische Republik, Soldaten der Wagner-Gruppe zur Bekämpfung von Aufständen angeworben.

Burkina Faso hat am Samstag die sofortige Einstellung der Sendungen von Radio France Internationale (RFI) angeordnet und dem Sender vorgeworfen, eine „Botschaft der Einschüchterung“ zu verbreiten. RFI habe zu einem „verzweifelten Manöver terroristischer Gruppen“ beigetragen, um Tausende von burkinischen Bürgern, die für die Verteidigung des Landes mobilisiert wurden, abzuschrecken, sagte der burkinische Regierungssprecher Jean Emmanuel Ouedraogo. Die Leitung von RFI erklärte, dass sie “ gegen die völlig unbegründeten Anschuldigungen protestiert“. RFI wird jede Woche von mehr als 40 % der Bevölkerung gehört. Nach Mali, einem weiteren Land, das von einer Militärjunta regiert wird und gegen dschihadistische Kräfte kämpft, ist es das zweite westafrikanische Land, das in diesem Jahr RFI verbietet.

Seit 2015 befindet sich Burkina Faso in einem Kampf gegen mehrere bewaffneten Gruppen, von denen einige mit ISIL (ISIS) und Al-Qaida in Verbindung stehen und die vom benachbarten Mali aus in die Sahelzone, den halbtrockenen Streifen unterhalb der Sahara, eingedrungen sind. Schulen in Mali und Niger – das ebenfalls von den Aktivitäten der Rebellen betroffen ist – sind im Zuge des Konflikts angegriffen worden. Die burkinische Regierung schätzt, dass 1/5 der Schulen des Landes geschlossen sind, dies betrifft etwa 700.000 Kinder und 20.000 Lehrer. Aber es könnten mehr Kinder betroffen sein, da die Zahl der Binnenflüchtlinge in der Region auf über 1,6 Millionen gestiegen ist. Was bedeutet dies für die Sicherheitslage der Kinder und ihr Recht auf Bildung?

Beim jüngsten Staatsstreich in Burkina Faso schwenkten junge Menschen in den Straßen der Hauptstadt Ouagadougou russische Flaggen; dies hat zu Spekulationen geführt, dass Russland an den Ereignissen beteiligt war, die Kapitän Ibrahim an die Macht brachten. Jewgeni Prigoschin, ein dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahestehender Oligarch und Gründer der Wagner-Gruppe, beglückwünschte Traoré und bezeichnete ihn als „einen wahrhaft würdigen und mutigen Sohn seines Vaterlandes“. Sergej Markow, ein ehemaliger Kreml-Berater, äußerte: „Unsere Leute haben dem neuen Führer [von Burkina Faso] geholfen…Ein weiteres afrikanisches Land wird von der Zusammenarbeit mit Frankreich zu einem Bündnis mit Russland wechseln.“ Kurz nach seiner Machtübernahme machte Kapitän Traoré deutlich, dass er mit neuen internationalen Partnern zusammenarbeiten wolle, um militante islamistische Gruppen zurückzudrängen, die seit 2015 im Land aktiv sind. Viele nehmen an, dass er damit Russland meinte.

3 Tage nach der Absetzung des Übergangspräsidenten von Burkina Faso und dem Ausbruch gewaltsamer Demonstrationen kehrte am Montag in Ougaodugou wieder Ruhe ein. Die togolesischen Behörden bestätigten, dass der gestürzte Staatschef Damiba in Lomé Zuflucht gefunden hat. Paul-Henri Sandaogo Damiba erklärte: „In vollem Bewusstsein und in voller Verantwortung trete ich von meiner Rolle als Staatsoberhaupt und Übergangspräsident zurück, nachdem ich einen Dialog mit den traditionellen und religiösen Autoritäten, mit Hauptmann Ibrahim Traoré und mit dem derzeitigen Präsidenten der ECOWAS geführt habe“, er fügte hinzu „Gott segne Burkina Faso und bewahre es vor dem Chaos“. Burkina Fasos letzter demokratisch gewählter Präsident wurde im Januar aus Enttäuschung darüber gestürzt, dass seine Regierung nicht in der Lage war, extremistische Anschläge zu verhindern. Doch die dschihadistische Gewalt, der Tausende zum Opfer gefallen sind und die 2 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen hat, dauert an, und seit Mitte März haben die Angriffe zugenommen. Der selbsternannte Anführer Ibrahim Traoré versprach, den von seinem Vorgänger und den westafrikanischen Staats- und Regierungschefs vereinbarten 24-monatigen Übergangszeitplan einzuhalten. Es bleibt abzuwarten, ob Traore und seine Truppen die Krise überwinden können.

Ein Gericht in Burkina Faso hat zwei Führungskräfte des kanadischen Bergbauunternehmens Trevali wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, nachdem bei einer Überschwemmungskatastrophe in einer Mine im April acht Bergleute ums Leben gekommen waren. Das Bergwerk besteht aus einem Tagebau mit darunter liegenden Schächten und Stollen. Die meisten der Arbeiter, die sich zum Zeitpunkt der Sturzflut dort aufhielten, konnten entkommen, aber die acht Vermissten befanden sich mehr als 520 m unter der Oberfläche. 6 der Männer waren Staatsangehörige von Burkina Faso, einer kam aus Tansania und ein weiterer aus Sambia. Der Bergbau- und Mahlbetrieb bei Perkoa wird auf absehbare Zeit ausgesetzt bleiben, und das Unternehmen hat seine Produktions- und Kostenprognose für 2022 in Bezug auf Perkoa ausgesetzt.

Dschihadisten sprengen 2 wichtige Brücken in Burkina Faso und wecken Befürchtungen, dass die Sahelzone isoliert werden soll. Die Angreifer zerstörten die Woussé-Brücke und zwangen einen Konvoi, der die Stadt Djibo versorgen sollte, zur Rückkehr nach Kongoussi. Auch die Naré-Brücke wurde in die Luft gesprengt, wodurch der Verkehr in der Region weiter unterbrochen wurde; nun ist es praktisch unmöglich, von der Hauptstadt nach Dori zu gelangen. Nach Angaben einiger Nichtregierungsorganisationen (NRO) sind die Verbindungsstraßen zwischen Niamey und Ouagadougou, die Hauptrouten für die Ein- und Ausfuhr in die Länder am Golf von Guinea, nicht mehr sicher. Militante Angriffe, die 2015 in Burkina Faso begannen, haben die Hungersnot verschärft und große Teile des Landes entvölkert und die Landbevölkerung in die städtischen Zentren gezwungen, wo die Ressourcen immer knapper werden. Burkina Faso liegt südlich des Nigerbogens und grenzt an Mali, Niger, Benin, Togo, Ghana und die Elfenbeinküste.  Es wurde am 5. August 1960 unabhängig.

Länder