Schlagwort: Ägypten

Das von Ibrahim Abouleish 1977 gegründete Unternehmen Sekem hat in der Wüste nordöstlich von Kairo eine biologisch-dynamische Landwirtschaft aufgebaut. Neben Bio-Lebensmitteln gibt es auch Gesundheitsprodukte und Öko-Textilien aus eigenem Anbau und eigener Verarbeitung. Besonderes Gewicht liegt auf fairem Handel. Für die 2000 Mitarbeiter und die Umgebung gibt es Kindergärten, Schulen, Kliniken und demnächst eine freie Universität.

Eine Volksbefragung soll über einen neuen Modus der Präsidentschaftswahl entscheiden, bei der mehrere Kandidaten in einer direkten Wahl zugelassen sind. Die Zahl der Amtsperioden des Präsidenten bleibt unbegrenzt und die Bedingungen für unabhängige Kandidaten schwierig.

Nur ein paar Wochen vor der Präsidentschaftswahl im April gab Premier al-Beblawi mit seinem ganzen Kabinett überraschend auf. Die Regierung ist erst seit Juli 2013 an der manche, als al-Sisi den Islamisten-Präsident Mursi verdrängt hatte. A-Sisi, der sich wahrscheinlich um das Präsidentenamt bemühen will, war Verteidigungsminister in dem zurückgetretenen Kabinett.

Nach dem letzten Freitagsgebet gab es Massenproteste in Kairo und Suez, bei denen Demonstranten die Übergangsregierung zur Einlösung ihrer Versprechen drängten. Sie wollten ein Ende der militärischen Prozesse und Strafverfolgung für Polizisten, die mit ihren Pferd- und Kamelritten für den Tod von hunderten Menschen verantwortlich waren. Auch sollte es transparente Verfahren gegen Amtsinhaber im alten Regime geben. Die angekündigte Entlassung verdächtiger Polizisten ist ein Teilerfolg.

Drei Menschen, darunter ein acht-jähriges Mädchen, kamen um, als maskierte Motorradfahrer auf die Hochzeitsgäste feuerten, als diese aus der koptisch christlichen Kirche in Kairo kamen. Es gab schon länger Spannungen zwischen Kopten und Muslimen, aber seit dem Sturz von Mursi werden die Angriffe häufiger und heftiger.

Gerade zwei Tage vor der Stichwahl für das Präsidentenamt löste das Verfassungsgericht das erst kürzlich gewählte Parlament auf, weil ein Drittel der Sitze ungültig besetzt seien. Besonders betroffen ist die Muslimbruderschaft, die von einem „vollwertigen Staatsstreich“ des Militärrats spricht. Die Menschen sind empört und versammeln sich wieder auf dem Tahrir Platz. Die geplante Machtübergabe an eine demokratisch gewählte zivile Regierung ist noch nicht in Sicht.

Für dieses Ideal stehen 40 Millionen Ägypter ab heute Schlange, um ihre Stimme abzugeben. Trotz der jüngsten Gewalt hoffen sie immer noch auf ein liberales, zivilisiertes Land. Eine Verschiebung der Wahl hatte der Militärrat entschieden abgelehnt. Man vermutet, dass die unter Mubarak verbotenen Muslimbrüder gut abschneiden könnten. Als Wahlauftakt hatten Saboteure in der Nacht vor Wahlbeginn eine Gas-Pipeline auf der Sinai Halbinsel gesprengt.

Bei drei terroristischen Bombenanschlägen im Dahab, einem Touristenresort am Roten Meer, kamen 23 Menschen ums Leben, unter ihnen ein Kind aus Deutschland. Mehrere Verdächtige wurden verhaftet.

Vier ausländische Zeitungen, die die Mohammed-Karrikaturen ein zweites Mal veröffentlicht hatten, wurden verboten, darunter die Frankfurter Allgemeine und Die Welt.

Die koptische Kirche wird von radikalen Islamisten beschuldigt, einen Parallelstaat in Ägypten aufgebaut zu haben. Durch soziale Angebote und viele Kontakte ins Ausland hätten sich die Kopten vom Rest der Gesellschaft abgespaltet. Es gab in letzter Zeit vermehrt Angriffe mit Todesfolgen auf Kopten, zuletzt im Christenviertel in Kairo.

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