Schlagwort: Ägypten

Nicht wissend, dass es eine live-Sendung war, haben Politiker in einem Krisengepräch mit Präsident Mursi militärische Drohungen und Aktionen vorgeschlagen, um Äthiopien vom Bau der Talsperre über den Blauen Nil abzuhalten. In Ägypten, Äthiopien und dem Sudan hat diese versehendliche Veröffentlichung eine Welle von Spott und Wut ausgelöst.

Das Justizministerium hat einen neuen Gesetzentwurf angekündigt, der Heirat und Scheidung für die religiösen Minderheiten regulieren soll, ohne auf ihre Überzeugungen überzugreifen. Dies folgt einem Streit über eine Gerichtsentscheidung, die geschiedenen Kopten eine Wiederheirat gestattet.

Proteste gegen Mursis Erlass, dass seine Entscheidungen bis zu einer neuen Verfassung unanfechtbar sind, gehen weiter und nehmen an Heftigkeit zu. Es gab bereits ein Todesopfer und etwa 60 Verletzte in Straßenkämpfen zwischen Mursis Anhängern und Gegnern. Er selbst will sich mit den streikenden Richtern und Anwälten treffen. Oppositionspolitiker und Friedensnobelpreisträger El Baradei befürchtet, dass so viel gebündelte Macht einen Bürgerkrieg auslösen könnte.

Zwei brennende Kirchen , 12 Tote und 230 Verletzte sind das Fazit der jüngsten Straßenschlachten zwischen koptischen Christen und radikalen Muslimen in Kairo, ausgelöst durch den Verdacht, dass die Christen eine Frau entführt hätten, die zum Islam übergetreten war. Es war eine der schlimmsten Auseinandersetzungen. Der Zusammenhalt zur Zeit der Revolution ist vorbei. Kairo will nun mit „eiserner Hand“ weitere Gewalt verhindern. Die Christen jedoch fordern, dass die Regierung nicht nur reagiert, sondern durch ehrliche Debatte die Konflikte auszuräumen versucht.

Präsident Muhammed Mursi hat zwei hochrangige Militärs, Feldmarschall Mohamad Hussein Tantawi und Stabschef Sami Annan, aus ihrem Amt entlassen und die Posten mit eigenen Kandidaten besetzt. Auch hob er die im Juni vom Militärrat verabschiedeten Verfassungsveränderungen auf. Politische Beobachter sehen darin einen entscheidenden Schritt im Machtkampf zwischen der Armee und den regierenden Muslimbrüdern.

In der Wüste Sinai wurden vier afrikanische Flüchtlinge, die versuchten nach Israel zu kommen, von Grenzpolizisten erschossen. Seit Mai sollen schon zwölf Menschen so umgekommen sein.

Die Organisation ‚Reporter ohne Grenzen‘ (ROG) hat neben Tunesien auch Ägypten auf die Liste der 13 ‚Feinde des Internets‘ gesetzt, die die Freiheit der Internetnutzung einschränken. In einer Internetaktion rief ROG auf, gegen Yahoo zu protestieren. Das Unternehmen hat in China einer staatlichen Kontrolle seiner Suchmaschine zugestimmt.

Der Dachverband ägyptischer Menschenrechtsverbände berichtet, dass seit März etwa 100,000 vor allem koptische Christen das Land verlassen haben. Wachsende interreligiöse Spannungen und Angriffe von islamistischen Salafiten seien der Grund für den Exodus. Als am vergangenen Freitag der Rohbau der koptischen Georgskirche im südägyptischen Edfu in Brand gesteckt wurde, griffen Sicherheitskräfte nicht ein und hinderten die Feuerwehr daran, den Brand zu löschen. Von den Medien wurde der Vorfall geleugnet oder runter gespielt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kritisiert die ägyptischen Sicherheitskräfte, die nach dem Anschlag auf ein Hotel in Taba in letzten Oktober in der Umgebung über 2.500 Beduinen verhaftet und gefoltert habe. Die Resultate des Untersuchungsbericht, der fünf lokale Täter verantwortlich macht, werden angezweifelt.

Beim „Weltwirtschaftsforum“ im ägyptischen Sharm El Sheik haben 138 islamische Gelehrte ein wichtiges theologisches Dokument an christliche Kirchenführer verfasst. Der Brief „Ein gemeinsames Wort“, schon von 246 muslimischen Gelehrten unterschrieben, sei ein ausgezeichneter Gegenentwurf zum Radikalismus und eine Einladung zum Dialog.

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