Schlagwort: Ägypten

Die Stiftung „Pro Oriente“ berichtet von koptischen Christen, die nach Todesdrohungen ihre Heimat in Rafah im nördlichen Sinai, dem einzigen Grenzübergang zum Gazastreifen, verlassen und in El-Arisch Zuflucht suchen mussten. Trotz der Zusicherung von Präsident Mursi leben viele Christen in Panik, besonders da es schon ähnliche Ereignisse nahe Alexandrien und in der Giza Provinz gab.

Nach einer langen Geschichte von Pharaonen, Königen, fremden Statthaltern und Generälen hat Ägypten in Mohammed Mursi den ersten zivilen Politiker an der Spitze des Staates. Er wolle der Präsident „aller Ägypter“ sein, für nationale Einheit arbeiten und internationale Verträge einhalten. Den Vorwurf, Beziehungen zu Iran und Israel ändern zu wollen, dementierte er vehement. Man wirft ihm „Mangel an Charisma“ vor und verpasste ihm den Spitznamen „Ersatzreifen“, doch die Ägypter erwarten viel von ihm, obwohl seine Kompetenzen durch den Militärrat massiv beschnitten sind. Inzwischen stellt Mursi sein Kabinett zusammen, in dem auch Christen und Frauen vertreten sein sollen. Die Amtseinführung ist für Samstag geplant.

Die Polizei hat über 70 Muslimbrüder, die im Wahlkampf für ihre Kandidaten für das Oberhaus engagiert waren, verhaftet. Für die Verteidigung von 40 Angeklagten vor einem Militärgericht traten 100 Rechtanwälte auf. Menschenrechtsorganisationen beschuldigen die Regierung, die Opposition einschüchtern zu wollen.

Saboteure haben die Gas Pipeline von der Sinai-Halbinsel nach Israel und Jordanien gesprengt und so die Lieferung gestoppt. Es war schon der dritte Anschlag seit dem Sturz von Mubarak im Februar. Die Versorgung Israels mit Erdgas, um damit Strom zu erzeugen, ist in Ägypten schon länger umstritten.

Die gewaltsame Räumung von zwei Camps der Anhängern des gestürzten Präsidenten Mursis in Kairo durch die Sicherheitskräfte löste im ganzen Land tagelange gewaltsame Proteste aus, bei denen bereits Hunderte von Toten zu beklagen sind. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand. Koptische Christen werden von den Muslimbrüdern für die Entmachtung Mursi verantwortlich gemacht und duzende christliche Kirchen sollen in Flammen aufgegangen sein. Vize-Präsident Mohamed ElBaradei trat zurück. Das Ausland kritisierte die exzessive Gewalt der Polizei.

Anlässlich der ersten Sitzung des ersten frei gewählten Parlaments seit 1952 war die Atmosphäre gespannt. Da der mächtige Militärrat die Fäden noch in der Hand hält, hat das Parlament kaum Entscheidungsfähigkeit. Viele Ägypter sind enttäuscht über die verschlechterte Wirtschaftslage, die Stärke der islamistischen Parteien (73%) und den langsamen Weg zur Demokratie. Da wird auch die angekündigte Massenamnestie von 2,000 inhaftierten Demonstranten zum Jahrestag der Revolution am 25. Januar nicht viel ändern.

Eine Gruppe von Männern, die HIV positiv betestet wurden, sind von der Sittenpolizei misshandelt und an ihre Krankenhausbetten gekettet worden . Human Rights Watch fordert, Aidskranke nicht zu kriminalisieren.

Der emeritierte Bischof Antonios Naguib of Minya wurden zum neuen Patriarchen von Alexandria der katholischen koptischen Kirche gewählt. Es gibt in Ägypten etwa 250.000 katholische Kopten.

Trotz weit verbreiteter Gewalt konnte in Kairo eine Interim-Regierung zusammengestellt werden, die auch Frauen und Christen enthält, aber keine Islamisten. Der Militärchef el-Sissi, der Präsident Mursi stürzte, wurde Vize-Premier, behält aber seinen Posten als Verteidigungsminister. Die Muslimbrüder und die konservative al-Nur Partei weigern sich, mit der neuen Administration zusammen zu arbeiten und drohen mit weiteren pro-Mursi Protesten.

Die ägyptische Regierung hat mit einer Volksabstimmung umfangreiche Änderungen der Verfassung mit 75% der Stimmen durchgesetzt. Nach offiziellen Angaben lag die Wahlbeteiligung bei 27%, nach unabhängigen Beobachtern bei 5%. Der Imam der Al-Azhar-Universität hatte die Teilnahme an der Volksabstimmung als „Pflicht gegenüber Gott“ bezeichnet. Kritiker sehen in den Änderungen eine Beschneidung der demokratischen Rechte.

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