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Laut dem Index für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen ist der Sahelstaat das am schnellsten wachsende Land der Welt und zugleich das ärmste. Etwa die Hälfte der rund 25 Millionen Einwohner ist unter 15 Jahre alt – und dennoch werden 40 % der Kinder nach ihrer Geburt nicht offiziell registriert, weil es zu teuer und zu zeitaufwendig ist, zu einem abgelegenen Regierungsvertreter zu reisen und den Papierkram zu erledigen. Daher schaffen es viele Familien nicht, Neugeborene innerhalb von 60 Tagen zu registrieren, wie es das Gesetz vorschreibt. Ein Identitätsdokument ist erforderlich, um sich in einer Schule einzuschreiben, ein Stipendium zu erhalten, ein Bankkonto zu eröffnen, zu wählen oder eine Polizeikontrolle zu passieren.

Während Frankreich und seine europäischen Verbündeten Mali aufgrund von Putschen und zunehmender antifranzösischer Stimmung in dramatischer Weise verlassen, wird Niger zur neuesten Drehscheibe für westliche Militärs, die sich bemühen, den jahrzehntelangen Konflikt in der Sahelzone zu bewältigen. Das nigrische Parlament billigte einen Gesetzentwurf, der den Weg für die Verlegung von zwei französisch geführten Anti-Terror-Missionen, der Operation Barkhane und der europäischen Task Force Takuba, aus Mali in das Land ebnete. Die USA, Frankreich und auch Deutschland unterhalten bereits Militärstützpunkte in der Hauptstadt Niamey und in der Region Agadez im Norden.

Bei einem nigerianischen Luftangriff auf das Dorf Nachade, in der Region Maradi in Niger, wurden 7 Kinder getötet. Niger und Nigeria führen seit einiger Zeit gemeinsame Militäroperationen gegen bewaffnete Banden durch, denen man Entführungen und Morde in der Region zur Last legt. Die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS) hat versucht, eine gemeinsame Task Force zu bilden, um zu verhindern, dass flüchtende Kriminelle anderswo in der Region Zuflucht suchen. Im Jahr 2018 hat Niger die Sicherheitsvorkehrungen an seiner Grenze zu Nigeria verstärkt, um die Einreise von Banden zu verhindern.

Die Armeen von Burkina Faso und dem benachbarten Niger erklärten, sie hätten bei einer gemeinsamen Militäroperation gegen Dschihadisten an der Grenze zwischen dem 25. November und dem 9. Dezember rund 100 „Terroristen“ getötet. Außerdem haben sie 2 Stützpunkte aufgelöst, einen in Kokoloukou im Westen Nigers und einen weiteren in Yeritagui im Osten Burkina Fasos. Tillaberi liegt im sogenannten Dreiländereck – einem Krisengebiet, in dem die Grenzen von Niger, Burkina Faso und Mali aufeinandertreffen. Gruppen, die mit Al-Qaida und der Gruppe „Islamischer Staat“ in Verbindung stehen, sind in der Sahelzone seit 2015 aktiv.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von Maradi wurden die Leichen von über 20 Kindern (ein Zehntel der ganzen Grundschule) bestattet. Sie starben, als ein massives Feuer drei aus Holz und Stroh gezimmerte „Klassenzimmer“ niederbrannte. Mangels solider Schulen stehen im ganzen Land tausende strohgedeckte Holzschuppen. Nun verbietet die Regierung, diese gefährlichen Unterkünfte weiterhin zu benutzen. Es ist sicherer, die Kinder unter einem Baum zu unterrichten. Schon im April verbrannten in Niamey 20 Kinder.

Dieses Jahr fiel das jährliche Fest wesentlich größer aus als letztes Jahr, denn es war wegen Corona- 19 ausgefallen. In der Oasenstadt Ingall feiern die Tuareg- und Wodaabe-Hirten, in ihren farbigen Kleidern, ihre kulturelle Verbundenheit und begehen mit dem„Cure Salee-Fest“ „das Ende der Regenzeit. Die Feierlichkeiten sind nur eine kurze Unterbrechung in ihrem Leben, das immer härter wird; es wird immer schwieriger, Wasser und Weideland für ihre Tiere zu finden. „Früher waren wir frei. Wir konnten unsere Herden überallhin mitnehmen“, erklärt Assamou Malem, ein lokaler Anführer. „Aber in den letzten 50 Jahren haben sich die Probleme gehäuft: Mangel an Arbeit, Landprobleme, viel Ungerechtigkeit.“

Das Verfassungsgericht hat Mohamed Bazoum, die rechte Hand des bisherigen Regierungschefs von der regierenden PNDS-Partei als Sieger der Präsidentschaftsstichwahl bestätigt. Bazoum gewann mit 55,66% der Stimmen, während sein Herausforderer, Mahamane Ousmane von der Partei RDR-Tchanji, 45,34% der Stimmen erhielt, so das veröffentlichte Endergebnis. Die Vereidigung soll am 2. April stattfinden. Die Oppositionskoalition CAP 2021 und ihre Verbündeten hatten die Ergebnisse angefochten, da sie Betrug vermuten. CAP2021 beansprucht den Sieg mit 50,3% der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,81%. Das Land ist eins der wichtigsten Transitländer für afrikanische Geflüchtete. Europa versucht, die nigrische Regierung zu mehr Maßnahmen gegen Menschenschmuggel zu bewegen.

In der Region Tillabery, die nahe der Grenze zu Mali und Burkina Faso, haben bewaffnete Männer mindestens 58 Menschen getötet, als sie einen Konvoi abfingen, der von einem Wochenmarkt zurückkehrte, und ein nahegelegenes Dorf angriffen. Die zunehmenden tödlichen Angriffe werden von bewaffneten Gruppen verübt, die in der gesamten Region aktiv sind und Verbindungen zu ISIL (ISIS) und al-Qaida haben.

Der kürzlich aus dem Amt geschiedene Präsident Mahamadou Issoufou wurde als neuer Gewinner des begehrten mit 5 Millionen Dollar dotierten Ibrahim Preises ausgezeichnet. Bedingungen für die Ehrung sind pomptes Zurücktreten nach der legalen Amtszeit und erwiesene Führungsqualitäten während des Amtes. Issoufou hat trotz der Armut Nigers das Wirtschaftswachstum gefördert und sich für regionale Stabilität, die Verfassung, demokratische Werte und Frauenrechte eingesetzt. Nach Ellen Johnson (Liberia), Pohamba (Namibia), Pires (Cabo Verde), Mogae (Botswana) und Chissano (Mosambik) ist Issoufou erst  der sechste Empfänger des Ibrahim Preises. Zu wenig Kandidaten auf dem Kontinent erfüllen die hohen Kriterien.

Das Land geht in die 2te Runde der Präsidentschaftswahlen, Mohamed Bazoum, (Kandidat der Regierungspartei) wird als Favorit gesehen, nachdem er in der ersten Runde am 27. Dezember 2020 39,3% der Stimmen erhielt. Er tritt gegen den ehemaligen Präsidenten Mahamane Ousmane an, der 17% der Stimmen hatte.  Amtsinhaber Mahamadou Issoufou trat nach 2 Mandaten verfassungsgemäß nicht mehr an. Seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960 wäre dies der erste demokratische Machtwechsel. Das Land ist eines der Ärmsten der Welt und wird von den islamistischen Gruppen aus den Nachbarländern Mali und Nigeria bedroht.

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