Schlagwort: Niger

Wie beim unblutigen Sturz von Präsident Mamadou Tandja im vergangenen Februar versprochen, hat die Militärregierung gestern sieben Millionen Bürger zur Wahl aufgerufen. Da kein Mitglied der Junta kandidierte, besteht die Möglichkeit, eine demokratische zivile Führung zu bilden. Sollte keiner der zehn Kandidaten eine absolute Mehrheit erreichen, ist für den 12. März eine Stichwahl vorgesehen. Trotz Uran – und Ölvorkommen ist Niger eines der ärmsten Länder der Welt, das auch immer wieder von Dürre oder Flut heimgesucht wird.

Im Referendum am vergangenen Sonntag haben 90,18% der Wähler dem Entwurf für die neue Verfassung zugestimmt. Dies öffnet den Weg zum Ende der Militärherrschaft, Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Januar und die Machtübergabe im April. Das Mandat des Präsidenten wurde unumstößlich auf höchstens zwei Amtszeiten von je fünf Jahren festgesetzt. Auch sollen Parlamentarier einen Hochschulabschluss vorweisen können.

Nachdem die internationale Gemeinschaft Appelle zur Hilfe für 2 Million hungernde Menschen in Niger überhört hatte, sind jetzt 10 Mio. Dollar in den UN-Hilfsfonds eingegangen. Das verfügbare Geld zieht immer mehr Hilfsorganisationen ins Land.

Unter den 22 Gefangenen, die aus dem Gefängnis der Hauptstadt entkommen sind, sollen gefährlich eingestufte Extremisten sein. Drei Wächter wurden bei der Aktion getötet. Ermittlungen ergeben, dass vorher Waffen in das Gefängnis geschmuggelt wurden. Erst eine Woche zuvor wurden eine französische Uranmine und ein Militärcamp im Norden des Landes angegriffen. Die Islamistengruppe MUJAO scheint Racheakte für den Militäreinsatz in Mali verüben zu wollen.

Die Opposition hat zum Widerstand gegen die morgige „illegale“ Volksabstimmung aufgerufen, mit der Präsident Mamadou Tandja eine dritte Amtsperiode erreichen will. Mamadou glaubt, im Interesse des Volkes zu handeln. Er braucht Zeit, die laufenden Projekte, besonders den Niger Staudamm, zu vollenden. Die Bevölkerung wird durch Drohungen und Festnahmen gedrängt, im Referendum der Verfassungsänderung zuzustimmen.

Präsident Mamadou Tandja wurde gestürzt und wird mit seinem Kabinett von Militär bewacht. Die Junta hat die Verfassung außer Kraft gesetzt und eine Ausgangssperre verhängt. Tandja selbst kam 1999 durch einen Putsch an die Macht und, um sie zu halten, hat er im August 2009 die Verfassung geändert, ein Schritt der eine politische Krise auslöste.

Ein 63-Jähriger, der gegen lokalen Brauch eine 5. Frau genommen hat und sie als Sklavin hielt, wurde zu 4 Jahren Haft verurteilt. Eine Neuheit in einem Land, das auf dem Global Slavery Index Platz 28 von 160 einnimmt, in dem 130,000 Menschen in moderner Sklaverei gefangen sind. Meist sind es Frauen und Kinder, die für sexuelle Ausbeutung sowie Haus – und Zwangsarbeit gehandelt werden. Weltweit gibt es 29,8 Mio. versklavte Menschen.

Weil die Stipendien nicht zeitig gezahlt wurden, gingen Studenten der Universität in Niamey auf die Straße. Die Polizei benutzte Tränengas und Knüppel gegen die zerstörerische Gruppe. Es gab ein Dutzend Verletzte und 20 Festnahmen. Obwohl Niger der viertgrößte Uranproduzent ist und seit kurzem auch Erdöl fördert, bleibt das Land eines der ärmsten.

Das oberste Gericht hat die Wahlergebnisse validiert und den 12. März für die Stichwahl zwischen einem Verbündeten des abgesetzten Präsidenten Mamadou Tandja und einem seiner Gegner angesetzt. Durch diese Wahl soll das Uran produzierende Wüstenland eine Zivilregierung erhalten. Uran zieht Milliarden in Investitionen an, besonders vom französischen Nuklearkonzern Areva, ist aber auch Grund für Drohungen von Al-Qaida. Junta Führer Djibo, der das Land seit dem Coup vor einem Jahr regiert, erntet Lob für die Einlösung seines Versprechens, die Macht bis April 2011 abzugeben.

Nigers Außenminister Mohammed Bazoum bestätigte, dass Tuareg-Kämpfer und Gaddafi-treue Offiziere im Niger eingetroffen sind. Augenzeugen in Agadez berichteten, dass Fahrzeuge aus Arlit kommend Agadez passierten und weiter in Richtung Niamey und Burkina Faso fuhren. Dessen Präsident Blaise Campaore regiert sein Land schon 24 Jahre und ist von Gaddafi mit viel Geld unterstützt worden.

Länder