Schlagwort: Niger

Die Opposition bezeichnet die Aussetzung der Verfassung und die Auflösung des Obersten Gerichtshofs durch den Präsidenten als einen ‚Coup d’etat‘ und ruft zu einem Generalstreik auf. Mamadou Tandja will sich durch ein Referendum im August die Möglichkeit für eine dritte Amtszeit verschaffen.

Bei einem Staatsbesuch in Paris verkündete der Minister für Kommunikation, Mohamed Ben Omar, dass Niger seine Uranproduktion von jetzt 3.500 Tonnen auf 10.500 Tonnen jährlich erhöhen will. Wichtigster Partner werde das französische Unternehmen Areva bleiben. Der Preis für Uran auf dem Weltamarkt ist stark gestiegen.

Eine Million Hektar Weideland und 500,000 ha Ackerland werden verwüstet, wenn die Schwärme von Heuschrecken, die sich schon im Norden des Landes niederlassen, nicht vorher vernichtet werden. 80% der 15 Mio. Einwohner leben vom Land; und die Hälfte von ihnen ist schon von der Nahrungsmittelknappheit in der Sahel – Zone betroffen. Bewaffnete Konflikte in der Region verhindern die effektive Bekämpfung der Heuschrecken.

Alle 2 Stunden stirbt in diesem großflächigem Wüstenstaat eine Frau während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Mehrere Gründe dafür treffen zusammen: wenig qualifizierte Ärzte, Unterfinanzierung des Gesundheitssystems, schlechte Straßen und fehlende öffentliche Transportmittel, Unkenntnis der Frauen.

In Niger, Mali und Benin sind hunderttausende Menschen von Überschwemmungen des Niger Flusses betroffen, ironisch nach mehreren devastierenden Dürreperioden. Neben den 75 Opfern und zerstörten Dörfern sind es auch die überfluteten Felder, die große Sorge um die Nahrungssicherheit der ganzen Region bereiten. Der Wasserspiegel hatte nach schweren Regenfälle im August den höchsten Pegel erreicht; die Degradierung von Acker- und Weideland und die Versandung des Flussbettes haben die schon prekäre die Lage verschärft.

Wegen des Versuchs von Präsident Mamadou Tandja über ein Referendum eine dritte Amtszeit zu erzwingen, hat die EU ihre Entwicklungshilfe zeitweilig eingestellt.

Hauptthema bei Sarcozys Besuch war der geplante Bau der weltweit größten Uranmine im Norden des Landes. Tuareg Politiker reichen Klage ein wegen Enteignung, Vertreibung und Landdegradierung. Nach 40 Jahren Urangewinnung durch den Atomkonzern Areva für Frankreich bleibt Niger das drittärmste Land der Welt. Atomkritiker nennen das Projekt „Katastrophe“ für Boden, Wasser und Menschenrechte. Auch könnte es militärische Konsequenzen in einer schon unruhigen Region haben. Frankreich sollte eher Entschädigung zahlen und beim Ausbau alternativer Energie behilflich sein.

Tausende von Menschen strömen über die Grenze nach Nigeria, weil in ihrer Region eine ernste Hungersnot herrscht. Etwa acht Millionen, die Hälfte der Bevölkerung Nigers, ist davon betroffen. Noch ist im Aufnahmeland kein Unwille über die Ankömmlinge zu spüren. Die letzte Massenflucht gab es vor fünf Jahren.

Wie beim unblutigen Sturz von Präsident Mamadou Tandja im vergangenen Februar versprochen, hat die Militärregierung gestern sieben Millionen Bürger zur Wahl aufgerufen. Da kein Mitglied der Junta kandidierte, besteht die Möglichkeit, eine demokratische zivile Führung zu bilden. Sollte keiner der zehn Kandidaten eine absolute Mehrheit erreichen, ist für den 12. März eine Stichwahl vorgesehen. Trotz Uran – und Ölvorkommen ist Niger eines der ärmsten Länder der Welt, das auch immer wieder von Dürre oder Flut heimgesucht wird.

Im Referendum am vergangenen Sonntag haben 90,18% der Wähler dem Entwurf für die neue Verfassung zugestimmt. Dies öffnet den Weg zum Ende der Militärherrschaft, Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Januar und die Machtübergabe im April. Das Mandat des Präsidenten wurde unumstößlich auf höchstens zwei Amtszeiten von je fünf Jahren festgesetzt. Auch sollen Parlamentarier einen Hochschulabschluss vorweisen können.

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