Schlagwort: Mosambik

Angesichts anhaltender Unsicherheit und Gewalt in Mosambik hat die Bischofskonferenz des Landes einen nationalen Gebetstag ausgerufen. Am 3. Dezember, dem Fest des heiligen Franz Xaver, sollen landesweit Gottesdienste und Gebete stattfinden, um Frieden, Versöhnung und Stabilität zu erbitten. Die Parlamentswahlen Anfang Oktobers hatten landesweit Proteste ausgelöst, da sie von Manipulationsvorwürfen und der Tötung von Oppositionsanhängern überschattet waren. Auch die Bischofskonferenz hatte die Ergebnisse der Parlamentswahlen als gefälscht und manipuliert zurückgewiesen. Bischof Osório betonte, dass gerade jetzt es notwendig sei, „das Engagement der Kirche für Frieden, Gerechtigkeit, Menschenwürde und den Aufbau einer brüderlichen Gesellschaft zu bekräftigen.“ In Zeiten der Spaltung müsse die Kirche die Einheit fördern und ein Raum der Versöhnung sein.

Die mosambikanische Polizei hat Berichten zufolge sieben Demonstranten erschossen und ein Dutzend weitere in Namicopo, in Nampula, verwundet. Seit Beginn der Demonstrationen am 21. Oktober 2024 gab es 50 Tote. Ein Ende der Gewalt nach den Wahlen scheint nicht in Sicht zu sein, denn der Vorsitzende der Oppositionspartei Podemos, Venancio Mondlane, kündigte drei weitere Tage der Proteste an. Mondlane forderte die Demonstranten außerdem auf, sich auf das Recht auf Selbstverteidigung zu berufen, während die Regierung vor einem möglichen militärischen Eingreifen warnte.

Bei den Protesten nach den Wahlen in Mosambik sind seit dem 11. Oktober mindestens 10 Menschen gestorben und 76 verletzt worden. Nun ist für Donnerstag eine landesweite Großdemonstration geplant. Die Polizei setzte Tränengas und scharfe Munition ein, um die Menschen auf der Mao Tse Tung Avenue im Zentrum Maputos zu vertreiben, während Anwohner die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Gebiet Xiquelene blockierten und Demonstranten die Autobahn in Matola blockierten. Die Coligação Aliança Democrática (DAC), eine Partei, die die Präsidentschaftskandidatur von Venancio Mondlane unterstützte, behauptete, dass die Ruanda Defence Force (RDF) bei der Unterdrückung der Proteste in Maputo half. Mondlanes Lager behauptet, er habe weit über 50 % der Stimmen erhalten, und ficht das offizielle Ergebnis an, das zu einem Erdrutschsieg für Daniel Chapo von der Frelimo führte.

Kamal Moukheiber sah eine Marktlücke und entschloss Zigarren in Maputo herzustellen. Der Tabak wird hauptsächlich in Mosambik hergestellt, denn das Klima und der Boden eignen sich hervorragend für den Anbau von Qualitätstabak.  Seine ersten Bongani-Zigarren wurden 2016 in einem Geschäft in Mosambik verkauft. Inzwischen beschäftigt er ein Dutzend Mitarbeiter und stellt 10 000 bis 12 000 Zigarren pro Monat her. Etwa ein Drittel der Zigarren wird in ganz Afrika verschickt, wobei Mosambik und Südafrika die größten Märkte sind, aber sie sind auch online erhältlich. Ein weiteres Drittel wird in den Vereinigten Staaten verkauft und das letzte Drittel in Europa.

Bis Freitag müssen die Ergebnisse der Wahlen vom 9. Oktober offiziell vorliegen. Am Wochenende wurde in Mosambik Elvino Dias, Anwalt des unabhängigen Präsidentschaftskandidaten Venâncio Mondlane, ermordet. Zusammen mit einem weiteren Mondlane-Gefolgsmann. In der Hauptstadt wird demonstriert und Frelimo-Flaggen verbrannt. Die Staatsmacht lässt Polizeikräfte in schwerer Montur auffahren und treibt die Menschen auseinander. Schon länger gibt es Proteste wegen der anhaltenden Korruption, der rasant steigenden Lebenshaltungskosten und des gebrochenen Versprechens, massenhaft Arbeitsplätze zu schaffen. Offensichtliche Unregelmäßigkeiten bei der Wahl, auf die auch EU-Wahlbeobachter hinwiesen, heizen die Wut an. Die Opposition spricht von Betrug. Vorläufige Auszählungen deuten darauf hin, dass die seit knapp einem halben Jahrhundert regierende Front zur Befreiung Mosambiks (Frelimo) an der Macht bleiben wird.

Auf einer Pressekonferenz erklärte Chefbeobachterin Laura Ballarin Cereza, wie EU-Beobachter in sechs Provinzen Zeuge von Wahlurnenmanipulationen wurden. Die nationalen Beobachter sahen in 10 % der besuchten Wahllokale in Sambézia Wahlmanipulationen. Beobachter in Sambesia berichteten, dass viele Wahlvorstände bereits Stapel von Stimmzetteln aus dem Wahlbuch herausgerissen hatten, um sie ausgewählten Personen auszuhändigen, die mehrere Stimmzettel für die Frelimo ausfüllten und sie dann zusammenlegten. Ein Wahlleiter hatte 38 Stimmzettel vor sich liegen, ein anderer 45. Diese wurden an vorher vereinbarte Personen ausgeteilt, von denen einige 200 Meticais (3 $) erhielten. Die Commonwealth-Beobachtergruppe (COG) ruft Zurückhaltung, während das Land auf die Wahlergebnisse wartet.

Fast 17 Millionen Wählerinnen und Wähler werden am 9. Oktober den nächsten Präsidenten sowie 250 Mitglieder des Parlaments und der Provinzversammlungen wählen. Der derzeitige Präsident, Filipe Nyusi, kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren. Korruption und Armut waren wichtige Wahlkampfthemen, da das Land mit hoher Arbeitslosigkeit und Hunger zu kämpfen hat, der durch die von El Nino verursachte schwere Dürre noch verschärft wurde. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen leiden 1,3 Millionen Menschen in Mosambik aufgrund der Dürre unter akuter Nahrungsmittelknappheit. Es wird allgemein erwartet, dass die Frelimo, die das Land seit der Unabhängigkeit 1975 regiert, erneut gewinnt.

Anabela Lemos erhielt mit 3 Anderen den Alternativen Nobelpreis. Sie ist die Direktorin der 2004 gegründeten Umweltschutzorganisation „Justica Ambiental“. Die Umweltaktivistin aus Mosambik geht gegen Bauvorhaben fossiler Großkonzerne vor, die sie als schädlich für die Lokalbevölkerung und das Klima bezeichnet, darunter vor allem gegen das Multimilliardenprojekt „Mozambique LNG“ in der nördlichen Provinz Cabo Delgado. Der Alternative Nobelpreis zeichnet Menschen aus, die sich für langfristige Veränderungen einsetzen. 

Etwa 17.000 Menschen aus Mosambik haben als Vertragsarbeiter in der DDR gearbeitet. Viele von ihnen warten noch immer auf ihren Lohn. Um dem Arbeitskräftemangel in der DDR entgegenzuwirken, wurden aus sozialistischen „Bruderstaaten“ auch Mosambik, Vertragsarbeiter angeworben. Von dem versprochenen Lohn erhielten sie allenfalls einen Teil, weil die DDR den anderen Teil als Abzahlung für die Schulden einbehielt, die Mosambik bei der DDR hatte. Viele Betroffene kehrten nach dem Ende der DDR 1990 auch gänzlich ohne Lohn in ihre Heimat zurück. Nach der Wiedervereinigung überwies die Bundesrepublik im Jahr 1993 rund 38,4 Millionen Euro als Pauschalzahlung für die Leistungen der Vertragsarbeiter an den mosambikanischen Staat. Bei den Betroffenen kam davon aber wenig an. Die Bundesregierung sieht nach eigenen Angaben keinen Handlungsbedarf. Verpflichtungen aus dem Vertragsarbeiterabkommen mit Mosambik, die von der ehemaligen DDR auf die Bundesrepublik übergegangen sind, seien „vollständig erfüllt“ worden. Sollte es Forderungen geben, wäre es „Aufgabe der mosambikanischen Regierung, das zu adressieren.“

Mosambik hat das größte Mangrovenaufforstungsprojekt Afrikas genehmigt, bei dem über einen Zeitraum von 60 Jahren 200 Millionen Bäume gepflanzt werden sollen. Das in der Golfregion ansässige Unternehmen Blue Forest sagte, es werde im November mit den Arbeiten beginnen und fügte hinzu, es habe die Lizenz nach etwa zweieinhalb Jahren Machbarkeitsstudien erhalten. Im November sollen die ersten der 200 Millionen Mangroven gepflanzt werden. Das Projekt zielt darauf ab, eine Fläche von 155.000 Hektar abzudecken, was der doppelten Größe Singapurs entspricht.  Die Bäume sollen Mosambiks geschädigte Küstenlinie wiederherstellen und rund 5.000 Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft schaffen. Das Unternehmen trägt zur Finanzierung des Projekts bei, indem es Emissionszertifikate auf der Grundlage des von den Küstenbäumen absorbierten Kohlenstoffs im Voraus verkauft.

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