Schlagwort: Mali

Die Islamisten, die zwei-Drittel des Landes unter ihre Kontrolle brachten und mit aller Gewalt die Scharia einführen wolle, kaufen jetzt mit Geldern von Drogenhandel und Lösegeldforderungen Kinder – $600 pro Kind – um sie als Kämpfer auszubilden. Das fand ein ranghoher Mitarbeiter der UNO heraus. Auch soll es furchterregende Listen von unverheirateten Frauen geben, die schwanger sind oder ein Kind geboren haben. Sie leben in ständiger Angst vor der zu erwartenden Scharia-Strafe.

Die demokratische Allianz (ADP) von Präsident Amadou Toumani Touré, eine Koalition aus 40 Parteien, hat bei den Parlamentswahlen 123 der 148 Sitze gewonnen. Die bedeutendste Oppositionspartei FDR erhielt nur 16 Sitze. 12 Abgeordnete sind Frauen. Die Wahlbeteiligung war gering, in der Hauptstadt Bamako nur 12%.

1,800 Soldaten aus dem Tschad, bekannt als erfahrene Wüstenkämpfer, haben Kidal, die letzte größere Stadt im Norden Malis, eingenommen. Die islamistischen Rebellen haben sich in den Bergen nahe der algerischen Grenze versteckt, verfolgt von französischen Luftangriffen. Tuaregs haben im Grenzgebiet zwei ranghohe Islamisten gefasst. Inzwischen treffen sich Vertreter von UNO, AU und EU in Brüssel, um zu beraten, wie ein Wiederaufbau organisiert und finanziert werden kann, wie den Hunderttausenden Flüchtlingen geholfen werden kann und wie es faire Wahlen und solide Sicherheit geben soll.

Eine inoffizielle „Koalition für Mali“ bestehend aus Politikern und Zivilgesellschaft hat Verhandlungen aufgenommen mit der Führung der islamistischen Bewegungen Ansar Dine und der Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika (MUJAO), die die nördlichen Städte Timbuktu, Gao und Kidal seit April kontrollieren. Sowohl in der Hauptstadt Bamako wie auch im Norden bilden sich Widerstandsgruppen von Jugendlichen, die gegen die Islamisten kämpfen wollen. Die Regierung lehnt eine militärische Intervention der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) weiterhin ab.

Präsident Toure weigert sich, das neue Familiengesetz, das Frauen mehr Rechte einräumt und sie vom Gehorsam dem Mann gegenüber befreit, zu unterzeichnen. Nach lautstarken Protesten der muslimischen Gesellschaft soll der Entwurf zur weiteren Prüfung ins Parlament zurück. Die Frauengruppen sind bitter enttäuscht, doch Toure, selbst ein Befürworter des Gesetzes, fürchtet eine Spaltung des Landes.

Zusammen mit den meisten Bewohnern des malischen Dorfes Mole floh auch Massaya mit Frau und sechs Kindern vor dem Krieg. Sie schafften es mühsam zum mauretanischen Flüchtlingslager Mbera. Das Lager war ihr Glück, denn Taghri erwartete Vierlinge, und ohne den kompetenten Einsatz von „Ärzte ohne Grenzen“ hätten Mutter und Babys nicht überlebt. Noch leben die Eltern mit zehn Kindern in der Bruthitze eines Zeltes in der Sahara und harren auf eine Rückkehr.

Hunderte EU Militärausbilder und Sanitäter, darunter 80 Deutsche, haben heute ihren Einsatz begonnen. In 15 Monaten sollen 3,000 malische Soldaten ausgebildet werden, damit sie in Zukunft ihr eigenes Land verteidigen können. Auch soll die Armee zur politischen Versöhnung beitragen. So gibt es neben dem Umgang mit Waffen, auch Information über Völkerrecht und Schutz der Zivilbevölkerung. Ohne logistische Unterstützung könnte die malische Armee den Kampf gegen islamistische Extremisten im Norden nicht aufnehmen.

An dem Tag, an dem die Tuareg-Rebellen ihren neuen Staat Azawad ausriefen, entschloss sich die Militärjunta, nach nur zwei Wochen die Macht an eine zivile Regierung zu übergeben. Der von den Putschisten gestürzte Präsident Touré trat offiziell zurück, so dass eine Übergangsregierung durch Wahlen einen Weg aus der Krise finden kann. Während bisher noch kein Land den Rebellenstaat im Norden anerkannt hat, wird der Schritt zur Neuordnung in Bamako weltweit begrüßt. Die Entwicklung im Norden, wo die mit al-Qaida im Islamistischen Maghreb (AQIM) verbündete Bewegung Ansar Dine die Macht hat, ist nicht abzusehen.

In Mali gelingt es nicht, für die Präsidentschaftswahl am 29. April zu mobilisieren. NGOs von Frauen und Jugendlichen riefen die Wahlberechtigten auf, ihre Wählerkarten abzuholen und zur Wahl zu gehen. In der Hauptstadt Bamako wurden davon erst 15% abgerufen und im Landesinneren ca. 30%.

Nach dem Militärputsch Anfang des Jahres wurde Mali zeitweise suspendiert. Nun hat die AU Mali wieder aufgenommen und verhandelt über militärische Hilfe. Alle involvierten Gruppen zeigen „einzigartige Einigkeit in der gemeinsamen Sache“. Alle ersehnen eine „gesetzliche Ordnung und nationale Einheit“ für den Norden Malis.

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