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Tobore Ovuorie erhält den diesjährigen „Freedom of Speech Award“ der DW. Die 33-jährige recherchierte undercover über Menschenhandel und Zwangsprostitution in Nigeria. Sie nahm eine andere Identität an, gab sich als Prostituierte aus und wurde von einem Zuhälter aufgenommen. Am eigenen Leib erlebte sie die düsteren Machenschaften krimineller Gangs, die in Prostitution, Menschenhandel und Organhandel verstrickt sind. Ihr Haar wurde abgeschnitten, sie wurde geschlagen, missbraucht und entkam nur knapp dem Tod. Nach einigen Monaten in Nigeria sollte sie nach Italien geschmuggelt werden; ein Bus brachte sie mit einer Gruppe junger Frauen ins Nachbarland Benin. Unterwegs musste sie miterleben, wie zwei Mitgefangene enthauptet wurden. Ihre Organe sollten auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. In Benin gelang ihr mit Hilfe einer Kollegin die Flucht. Obwohl sie heute noch mit den Folgen der Recherche zu kämpfen hat, berichtet sie nun über die Opfer des Menschenhandels in Libyen und die Stigmatisierung von nigerianischen Kindern, die HIV-positiv sind. Beeindruckendes video

Zwei Anschläge an einem Tag erschütterten Beni, im Osten des Landes. Kurz vor dem Beginn einer Konfirmation explodierte eine Bombe vor der katholischen Kirche, eine weitere detonierte vor einer Bar. Es ist nicht bekannt, wer hinter den Explosionen steht; jedoch verübt eine Rebellengruppe "Allied Defence Forces" (ADF) häufig Anschläge in der Region und hat schon früher Kirchen angegriffen. Im Mai wurden 2 Imame, die dafür bekannt waren, sich gegen die Gewalt der ADF auszusprechen, erschossen - einer von ihnen in einer Moschee.

Südafrika hat eine der liberalsten Verfassungen der Welt, die gleichgeschlechtliche Ehen für alle und Polygamie für Männer zulässt. Nun schlägt ein Dokument auch die rechtliche Anerkennung von muslimischen, hinduistischen, jüdischen und Rastafari-Ehen und Polyandrie vor. Der neue Gesetzesvorschlag wird weitgehend begrüßt; nur an dem Vorschlag, dass eine Frau mehr als einen Ehemann (Polyandrie) hat, scheiden sich die Geister. Charlene May, eine Anwältin des Women's Legal Centre, argumentiert: "Es ist wichtig .. die Menschenrechte aufrechtzuerhalten …wir können die Gesetzesreform nicht ablehnen, weil sie bestimmte patriarchalische Ansichten in unserer Gesellschaft in Frage stellt." Polyandrische Gesellschaften gibt es heute noch vor allem in Asien und in einigen Ländern Afrikas (z.B. Kongo, Nigeria). Die fraternale Polyandrie (alle Brüder eine Frau) ist die häufigste heute noch existierende Form der Polyandrie.

Ein schockierender Rechtsstreit ist über die Besitzverhältnisse der "Plantations et Huileries du Congo“ (PHC) ausgebrochen, die über 100.000 Hektar Land in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) kontrolliert. Während die lokalen Gemeinden ihres Landes beraubt wurden und mit schrecklichen Menschenrechtsverletzungen durch das Unternehmen konfrontiert sind, haben die dahinterstehenden Schlüsselpersonen und Investmentfonds und die Regierung der DRC rechtliche Schritte gegeneinander eingeleitet, um die Eigentumsrechte an der Plantage zu klären. Vier Gerichtsverfahren in Delaware, New York, Kanada und der DRC sind im Gange. In den letzten zehn Jahren haben auch europäische Entwicklungsbanken Dutzende von Millionen Dollar in die Plantagen gesteckt.

Präsident Nana Akufo-Addo sagt, "Wir müssen den Planeten Erde und unser Mutterland Ghana schützen", und fordert die Bevölkerung auf, an einem einzigen Tag fünf Millionen Bäume zu pflanzen - als landesweite Aktion gegen Abholzung und Klimawandel. 

Emmanuel Taban war erst 17 Jahre alt, als er - bereits geprügelt, inhaftiert und angeschossen - seine Heimatstadt Juba im kriegszerrütteten Südsudan verließ. Heute ist er einer der berühmtesten Lungen Spezialisten in Afrika. Seit dem Ausbruch der Pandemie hat er in einer Johannesburger Klinik über 170 Covid19 Patienten vor dem Erstickungstod bewahrt. Er revolutionierte die  diagnostische Bronchoskopie für therapeutische Zwecke, riskant aber effektiv, wandte sie aber nur an, wo sonst nichts mehr half. In seiner Autobiografie „Der Junge, der niemals aufgab“ dankte ihr den katholischen Missionaren, die ihm zur ersten Bildung verhalfen und ihn auf seiner langen Flucht unterstützten, sowie den Deutschen, weil er dort einen Teil seiner medizinischen Ausbildung erhielt.  Den Rest seines Lebens will er medizinische Hilfe geben und am Weltfrieden mitwirken.

Die südafrikanische Staatengemeinschaft SADC beschloss, Truppen nach Mosambik zu entsenden, um bei der Bekämpfung eines islamistischen Aufstands in der nördlichen Provinz Cabo Delgado zu helfen. Portugal sagte, dass eine Militärmission der EU zur Unterstützung und Ausbildung mosambikanischer Truppen nächsten Monat genehmigt werden könnte; 60 portugiesische Soldaten sind bereits im Einsatz. Staatschef Filipe Nyusi, sagte, er nehme die Unterstützung gern an, betonte aber, jeder Staat habe das Recht, seine Souveränität zu bewahren. In dem seit 4 Jahren andauernden Aufstand sind fast 3.000 Menschen getötet und 800.000 vertrieben worden. Die Lage eskalierte im März, als Palma angegriffen wurde. Das Milliardenprojekt zur Erschließung von Flüssig-Erdgas von Total und dem US-Konzern ExxonMobil ist zum Stillstand gekommen.

Die 15 Länder des westafrikanischen Blocks ECOWAS haben einen neuen Anlauf genommen, den langgehegten Traum einer einheitlichen Währung zu verwirklichen. Seit 2003 gab es immer wieder  Verzögerungen, die letzte durch die Pandemie. Nun hat ECOWAS sich letztes Wochenende bei einem Treffen in Ghana entschlossen,  die neue Währung, den „eco“, in 2027 einzuführen. Jean-Claude Kassi Brou, der Präsident der ECOWAS Kommission, hat verkündet, dass die Road Map steht. Alle Länder sind überzeugt, dass der „eco“ den grenzüberschreitenden Handel ankurbelt und die weitere Entwicklung in allen Mitgliedsländern fördert.

Augenzeugen berichten der BBC, die äthiopische Luftwaffe habe am Dienstag die Stadt Togoga angegriffen, die 25 km von der Hauptstadt der Region, Mekelle, entfernt liegt. Viele Zivilisten wurden getötet und verwundet.  Medizinisches Personal berichtete Reuters, dass das äthiopische Militär sie daran hinderte, den Ort des Angriffs zu erreichen, um anderen Zurückgebliebenen zu helfen. Das Militär bestreitet, Zivilisten ins Visier genommen zu haben und sagte, es habe die Angriffe durchgeführt, um "Terroristen" zu neutralisieren. Tigrayanische Rebellen sollen in den letzten Tagen Vorstöße gemacht haben. Dies wurde jedoch von der äthiopischen Regierung dementiert. Äthiopiens Regierung, unterstützt von Truppen aus dem benachbarten Eritrea, startete im November 2020 eine Offensive, um die damalige Regierungspartei der Region, die Tigray People's Liberation Front (TPLF), zu bekämpfen. Am Ende des Monats erklärte sie den Sieg. Seitdem hat sich TPLF mit anderen Gruppen in der Region zur Rebellengruppe Tigray Defence Force (TDF) zusammengeschlossen. Seit dem Ausbruch des Konflikts vor fast acht Monaten sind Tausende von Menschen getötet und Millionen vertrieben worden.

Mohamed Ould Abdel Aziz (ehemaliger Präsident) wurde inhaftiert, nachdem er sich weigerte, sich bei der Polizei zu melden, als er unter Hausarrest gestellt wurde. Der Ex-Führer sagt, dass er verfolgt wird, um ihn aus der Politik herauszuhalten, hat aber geschworen, dass er nicht ins Exil gehen wird. Er regierte von 2008 bis Mitte 2019, als er von seiner ehemaligen rechten Hand und Ex-Verteidigungsminister Mohamed Ould Cheikh El Ghazouani abgelöst wurde. Die Anklagen folgten einer einjährigen Untersuchung, die vom Parlament initiiert worden war, um den Umgang mit Öleinnahmen, den Verkauf von Staatseigentum, die Abwicklung eines staatlichen Lebensmittelversorgungsunternehmens und die Aktivitäten einer chinesischen Fischereifirma zu untersuchen. Mitte März soll die Staatsanwaltschaft Bargeld und Vermögenswerte im Gegenwert von etwa 96 Mill. Euro beschlagnahmt haben.

Zitat

„Wir müssen die Zeit nutzen,
um auf einen radikalen Wandel hinzuarbeiten...

Wir haben in diesen Wochen gelernt,
dass wir auf einem kranken Planeten nicht gesund leben können."

Erklärung des Jesuitenordens in Europa

NEUES VOM NAD

Hintergrundpapier: Covid-19 in Afrika

Die Coronaepidemie erreichte Afrika mit zwei Monaten Verzögerung und bisher ist die Zahl der positiv Getesteten relativ klein.
Manche befürchten katastrophale Folgen; andere sehen Afrika in einer guten Position, die Krise zu meistern.

Unser pdfHintergrundpapier blickt auf die Stärken und Schwächen Afrikas im Kampf gegen die Pandemie.

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