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Nach dem Tod mehrerer Christen in Kairo hat der koptische Patriarch, Tawadros II. Präsident Mursi „Fahrlässigkeit“ im Umgang mit der christlichen Minderheit des Landes vorgeworfen. Die Zusicherung des Präsidenten, alles zu tun, um die Markus Kathedrale zu schützen, könne nach den Übergriffen von letzter Woche nicht mehr ernst genommen werden. In der zweitausendjährigen Geschichte der Christenheit in Ägypten sei der Angriff „beispiellos“ gewesen. International haben die anti-christlichen Vorfälle Besorgnis ausgelöst.
Als man in der Kairoer Markuskathedrale der vier getöteten Kopten vom Vortag gedachte, kam es zu neuen Zusammenstößen. Wütende Teilnehmer riefen Anti-Regierung Parolen und wurden mit Steinen und Brandsätzen beworfen. Auslöser der Gewalt am Samstag sollen Graffiti gewesen sein, die christliche Kinder auf ein muslimisches Schulzentrum sprühten. Präsident Mursi rief die Ägypter auf, „alles zu unterlassen, was die Sicherheit und den Zusammenhalt der Nation bedrohen könnte“.
Hunderte Muslime überrumpelten in der südägyptischen Stadt al-Wasta die Läden von Christen und beschuldigten sie, ein muslimisches Mädchen entführt zu haben. Es gäbe jedoch keinen Anlass zu dieser Vermutung, meint der Staatsanwalt. Bekehrungen zum Christentum, muslimisch-christliche Liebschaften und der Bau einer Kirche sind immer noch Anlass zu Angriffen.
Wütende Bürger haben zwei mutmaßliche Diebe wegen einer gestohlenen Rikscha verprügelt und mit den Füßen nach oben aufgehängt. Beide Männer starben. Eine Woche zuvor hatte der Generalstaatsanwalt Zivilisten ermutigt, Verbrecher zu verhaften und der Polizei zu übergeben.
Der Himmel über Kairo war schwarz mit Schwärmen von Millionen Heuschrecken, die alles zerstören, was grün ist. Bei der letzten großen Plage in 2004 wurden 38% der ägyptischen Ernte vernichtet. Laut Experten soll das Ursprungsland der Insekten der Sudan sein. Inzwischen sind die Schwärme unterwegs nach Saudi Arabien und Palästina.
Vier Tote und mindestens 420 Verletzte kosteten die neuesten Zusammenstöße, in denen Tausende demonstrierten, als die Polizei die Angeklagten in den blutigen Fußball-Krawallen vom vergangenen Jahr verlegen wollte.
Als erster Präsident seit der islamischen Revolution in 1979 kam Ahmadinedschad nach Ägypten für das Gipfeltreffen islamischer Länder. Mursi begrüßte ihn mit Bruderkuss; ein führender sunnitischer Kleriker beschimpfte ihn, und ein Syrer versuchte einen Schuhangriff, der vom Iran runter gespielt wurde. Die Annäherung ist nur möglich seit die Islamisten Ägypten regieren. Ägypten hofft nun auf iranische Investitionen und der Iran sucht die Unterstützung Ägyptens gegen die wachsende internationale Isolation.
Die Verhängung von 21 Todesurteilen über Fußballfans, die für die blutigen Stadionkravallen vor einem Jahr in Port Said verantwortlich waren, nur einen Tag nach dem emotionsgeladenen zweiten Jahrestag der Revolution ließ die Gewalt eskalieren. In fünf Tagen von Straßenschlachten starben 52 Menschen. Trotz Ausgangssperre und Dialogangeboten gehen die Proteste gegen Mursi und die ihn unterstützende Muslimbruderschafr weiter. Mursi hat die Armee zu Hilfe gerufen. Der Verteidigungsminister al-Sisi warnt vor einem Zusammenbruch des Staates, wenn die politischen Kräfte nicht zu einer Einigung kommen. Oppositionsführer el-Baradei fordert eine Einheitsregierung und eine Reform der neuen Verfassung.
Am 2. Jahrestag des Beginns der Revolution wollen protestierende Gruppen zum Tahrir-Platz ziehen. Präsident Mursi hofft auf friedliche Kundgebungen, doch die Opposition und liberale Jugendbewegung demonstrieren gegen die Politik der regierenden Islamisten, gegen die neue Verfassung und gegen den allgemeinen Zerfall. Die Islamisten hätten die hochgesteckten Ziele und Hoffnungen des „arabischen Frühlings“ zerschlagen. Die Revolution müsse weiter gehen.
Kopten, Katholiken und Protestanten wollen nächste Woche einen Rat bilden, der in der zunehmend muslimisch geprägten Gesellschaft die Anwesenheit der Christen stärken und ihre Aktivitäten koordinieren soll. Auch soll er den Christen mehr politisches Gewicht geben. Leiter wird der koptisch-orthodoxe Patriarch Tawadros II. sein.

Zitat

„Wir müssen die Zeit nutzen,
um auf einen radikalen Wandel hinzuarbeiten...

Wir haben in diesen Wochen gelernt,
dass wir auf einem kranken Planeten nicht gesund leben können."

Erklärung des Jesuitenordens in Europa

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