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Ex-Präsident Hosni Mubarak wurde zur Eröffnung des Verfahrens gegen ihn auf einem Krankenbett in den Gerichtssaal gebracht. Die Anklage lautet: Korruption und Erteilung eines Schießbefehls auf Demonstranten, worauf die Todesstrafe steht. Vor dem Gebäude in der Polizeiakademie bewarfen sich Anhänger und Gegner Mubaraks mit Steinen. 600 Ägypter können den Prozess im Gerichtssaal und Millionen auf dem Fernsehschirm verfolgen.  
Behandelnde Ärzte sagen, dass der gestürzte Präsident sehr depressiv sei und jegliche Nahrung verweigere. Kritiker sehen darin einen Trick, um der bevorstehenden Gerichtsverhandlung zu entgehen. Er soll sich nächste Woche für die Tötung von Demonstranten und Korruption verantworten. Eine Verzögerung des Prozesses könnte, nach Ansicht von Beobachtern, wieder Unruhen im Land aufflammen lassen.
Die ägyptische Führung, zusammen mit Saudi-Arabien, hat beschlossen, die seit 1988 geplante gigantische Brücke über den Golf von Aqaba zu bauen. Bei einer Länge von knapp 32 km und geschätzten Baukosten von fünf Milliarden Dollar soll es auf Straße und Schiene möglich sein, in 50 Minuten von Afrika nach Asien zu gelangen, und das ohne Israel durchqueren zu müssen – für Nordafrikas Araber ein Triumph. Nutzungsgebühren von Millionen Pilgern, von Touristen und Gastarbeitern sollten zur Kostendeckung beitragen. Umweltforscher sind jedoch besorgt über mögliche Schäden an den Korallenriffen.
Essam Sharaf hat ernstlich mit einer Kabinettsumbildung begonnen, da die Proteste über die langsamen politischen Reformen an Heftigkeit zunahmen. Der Außenminister ist bereits zurück getreten. Mindestens 15 weitere Minister sollen in der Säuberungsaktion von Mubarak Anhängern ihre Posten verlieren. Gerüchte, dass Mubarak selbst, der am 3. August vor Gericht erscheinen soll, einen Schlaganfall erlitten oder in ein Koma gefallen sein soll, wurden dementiert.
Nach dem letzten Freitagsgebet gab es Massenproteste in Kairo und Suez, bei denen Demonstranten die Übergangsregierung zur Einlösung ihrer Versprechen drängten. Sie wollten ein Ende der militärischen Prozesse und Strafverfolgung für Polizisten, die mit ihren Pferd- und Kamelritten für den Tod von hunderten Menschen verantwortlich waren. Auch sollte es transparente Verfahren gegen Amtsinhaber im alten Regime geben. Die angekündigte Entlassung verdächtiger Polizisten ist ein Teilerfolg.
Saboteure haben die Gas Pipeline von der Sinai-Halbinsel nach Israel und Jordanien gesprengt und so die Lieferung gestoppt. Es war schon der dritte Anschlag seit dem Sturz von Mubarak im Februar. Die Versorgung Israels mit Erdgas, um damit Strom zu erzeugen, ist in Ägypten schon länger umstritten.
In Kairos Tahrir Platz ging die Polizei gegen Hunderte von Anti-Regierung Demonstranten vor, sogar mit Tränengas. Mehrere Menschen wurden verletzt. Die Bevölkerung will, dass die Strafverfolgung der Verantwortlichen für die Gewalt vom Januar und Februar, die zum Sturz Mubaraks führte, beschleunigt wird.
Mit Hilfe von hochauflösenden Infrarotbildern, von einem NASA Satelliten etwa 700 km von der Erde entfernt aufgenommen, konnten Wissenschaftler der Alabama Universität 17 Pyramiden und etwa 1000 Gräber und 3000 antike Siedlungen orten. Die ersten Testgrabungen haben den Fund von zwei Pyramiden bestätigt. In Ägypten hofft man, dass die neuen Entdeckungen den durch die Revolution geschrumpften Tourismus wieder ankurbeln können.
Mubaraks Ehefrau Susanne hat ihr Privatvermögen den Behörden übergeben. Auf diese Weise hofft sie, einer Haftstrafe zu entgehen. Als die unter Korruptionsverdacht stehende frühere First Lady befragt werden sollte, brach sie zusammen und musste ins Krankenhaus. Mubarak selbst ist weiter in Untersuchungshaft.
Zwei brennende Kirchen , 12 Tote und 230 Verletzte sind das Fazit der jüngsten Straßenschlachten zwischen koptischen Christen und radikalen Muslimen in Kairo, ausgelöst durch den Verdacht, dass die Christen eine Frau entführt hätten, die zum Islam übergetreten war. Es war eine der schlimmsten Auseinandersetzungen. Der Zusammenhalt zur Zeit der Revolution ist vorbei. Kairo will nun mit „eiserner Hand“ weitere Gewalt verhindern. Die Christen jedoch fordern, dass die Regierung nicht nur reagiert, sondern durch ehrliche Debatte die Konflikte auszuräumen versucht.

Zitat

„Wir müssen die Zeit nutzen,
um auf einen radikalen Wandel hinzuarbeiten...

Wir haben in diesen Wochen gelernt,
dass wir auf einem kranken Planeten nicht gesund leben können."

Erklärung des Jesuitenordens in Europa

NEUES VOM NAD

Hintergrundpapier: Covid-19 in Afrika

Die Coronaepidemie erreichte Afrika mit zwei Monaten Verzögerung und bisher ist die Zahl der positiv Getesteten relativ klein.
Manche befürchten katastrophale Folgen; andere sehen Afrika in einer guten Position, die Krise zu meistern.

Unser pdfHintergrundpapier blickt auf die Stärken und Schwächen Afrikas im Kampf gegen die Pandemie.

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