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Das Niederbrennen einer Kirche letzte Woche hat wieder Zusammenstöße zwischen Kopten und Muslimen verursacht. Demonstrierende Kopten blockierten eine Straße in Kairo; aufgebrachte Muslime schlugen zurück. Ein Kopte starb; weitere Personen wurden verletzt. Die koptischen Christen – etwa 10% der Bevölkerung – haben sich oft über Schikanen und Diskriminierung beklagt.
Die Demonstranten an Kairos Tahrir Platz jubeln wieder über einen Sieg, den Rücktritt von Ahmed Shafiq, der immer noch als Symbol des alten Mubarak Regimes gesehen wurde. Das Volk verlangte einen „tiefgreifenderen Wandel“. Der neue Premier, Essam Sharaf, ein Technokrat, entspricht den Vorstellungen der Demonstranten. Er soll an den entscheidenden Tagen unter ihnen am Tahrir Platz gewesen sein.
1,5 Millionen Ägypter sind in Libyen gefangen. Zigtausende fliehen über den Landweg nach Hause, wo Proteste fast alltäglich sind. Vor dem Innenministerium in Kairo haben Ex-Polizisten für ihre Wiedereinstellung demonstriert und ein angrenzendes Verwaltungsgebäude angezündet.
Die Aufräumungsarbeiten liefen noch, da demonstrierten Beamte um höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Die Nachricht, dass der am Freitag geflohene Mubarak sich in einem arabischen Emirat aufhält, wird dort, sowie in Ägypten dementiert.
Die jüngste Fernsehansprache des „greisen Pharao“ Mubarak könnte verheerende Folgen haben. „Ägypten wird explodieren“, warnt der Oppositionspolitiker El Baradei. Ein Hoffnungsschimmer ist ein Augenzeugenbericht von der Nacht auf dem Tahrir Platz, nach dem Muslime und Christen sich gegenseitig schützten. Während die eine Gruppe niederkniete, formte die andere einen schützenden Kreis um die Beter.
Trotz Gesprächen zwischen Vizepräsident Omar Suleiman und Vertretern der Opposition über ein Ende des Ausnahmezustands, Entlassung politischer Häftlinge, mehr Meinungsfreiheit und Gehaltserhöhung, harren die Demonstranten aus und verlangen den sofortigen Rücktritt von Mubarak.
Der neue Premierminister Schadiq entschuldigte sich für die Angriffe von Mubaraks Anhängern auf friedliche Demonstranten, lehnte aber jede Verantwortung der Regierung ab. Die Armee versucht, mit zweifelhaftem Erfolg, die beiden Lager zu trennen. In 24 Stunden gab es fünf Tote und 836 Verletzte. Internationaler Druck auf Mubarak, besonders von fünf EU Ländern und den USA wächst. Die Massenversammlung beim Freitagsgebet könnte ein Schlüsselmoment in dem explosiven Konflikt werden.
Als Antwort auf die Ankündigung von Generalstreik und Massendemonstration hat die Regierung das Eisenbahnnetz gesperrt; auch Internet und Handynetz sind tot. Der Mut der Menschen wächst, seitdem das Militär signalisierte, dass es nicht auf friedliche Demonstranten feuern werde. Die Forderung der Bürger sei legitim. Inzwischen will Google die Kommunikation verbessern, indem es ermöglicht, per Telefonanruf zu twittern. Genau eine Woche nach Beginn der Unruhen versammeln sich zurzeit Tausende auf Kairos Tahrir Platz für den „Marsch der Million“, um Mubarak zum Rücktritt zu zwingen.
Während Mubarak ein neues Kabinett vereidigt und seinen Vize-Präsidenten mit Reformen beauftragt, breitet sich das Chaos und die Wut gegen den Präsidenten weiter aus. Man spricht von einer „bewusst herbeigeführten Eskalation“ von Plündern, Brandstiftung, Morden, verschärft durch das Fernbleiben der Polizei und die Präsenz von ungezählten entflohenen Gefangenen. Die Demonstranten haben zu einem unbegrenzten Generalstreik aufgerufen, und Dienstag soll es einen „Millionenmarsch“ auf den Präsidentenpalast geben.
Nach dem Freitagsgebet erwarten die Sicherheitskräfte tausende Demonstranten, die nach Ansicht der Opposition „die Angstbarriere überschritten“ haben. Man spricht von massiver Internet Unterbrechung und mindestens 1,000 Verhaftungen. Seit Anfang der Unruhen wurde Mubarak nicht öffentlich gesehen. Seine Partei, die NDP, sei dialogbereit, ließe sich aber nicht durch undemokratische Handlungen erpressen.

Zitat

„Wir müssen die Zeit nutzen,
um auf einen radikalen Wandel hinzuarbeiten...

Wir haben in diesen Wochen gelernt,
dass wir auf einem kranken Planeten nicht gesund leben können."

Erklärung des Jesuitenordens in Europa

NEUES VOM NAD

Hintergrundpapier: Covid-19 in Afrika

Die Coronaepidemie erreichte Afrika mit zwei Monaten Verzögerung und bisher ist die Zahl der positiv Getesteten relativ klein.
Manche befürchten katastrophale Folgen; andere sehen Afrika in einer guten Position, die Krise zu meistern.

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