Schlagwort: Somalia

Zehntausende Demonstranten wüteten in den Straßen von Mogadischu gegen Verteuerung und die Weigerung der Lebensmittelhändler, wegen der grassierenden Inflation keine alten Geldscheine mehr anzunehmen. Augenzeugen berichten von brennenden Autoreifen, fliegenden Steinen und einigen Toten.

So lautet das Urteil eines britischen Staatssekretärs über die Reaktion mancher Länder auf die verheerende Katastrophe. Zum ersten Mal seit 1992 hat die UNO die kritische Lage in zwei somalischen Gebieten mit dem emotionalen Wort „Hungersnot“ bezeichnet. Laut UNICEF spricht man von Hungersnot, wenn über 30% der Menschen in einem Gebiet an akuter Mangelernährung leiden oder wenn von 10,000 Kindern täglich mehr als vier sterben. Ohne schnelle und massive Hilfe werden sich die Krisengebiete ausweiten.

Die türkische Luftfahrtgesellschaft hat nach zwei Jahrzehnten Isolation das erste kommerzielle Flugzeug mit einer hochrangigen Delegation nach Mogadischu geflogen. Bisher gab es nur Regionalflüge. Die Entscheidung der Türkei, zwei Flüge in der Woche einzurichten, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Normalisierung, und die Somalier sind glücklich, dass ihre Familienangehörigen Übersee jetzt leichter auf Besuch kommen können.

Nach UN-Angaben sind in der letzten Woche über 10.000 Einwohner aus Mogadischu geflohen, während die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und islamistischen Milizen und Clankämpfern eskalieren.

Gestern haben die Islamisten dem Nachbarland Äthiopien ein Ultimatum gestellt. Wenn es nicht binnen sieben Tagen seine Truppen abziehe, werde Äthiopien angegriffen und mit Gewalt dazu gezwungen, Somalia zu verlassen. Regierungstruppen und Islamisten kämpfen seit längerem um die Herrschaft in Somalia. Und die Macht der Regierung, die mit internationaler Unterstützung im Ausland gebildet wurde und ihren Sitz in der südsomalischen Provinzstadt Baidoa hat, reicht kaum über diese Stadt hinaus.

Frankreich will nun mit den Somali Piraten verhandeln, um die Yacht, die an der Somali Küste vor Anker liegt, und die Besatzung von 30 Mann ohne Blutvergießen frei zu bekommen. Der Golf von Aden gehört zu den gefährlichsten Gewässern der Welt. Allein in 2007 wurden 25 Schiffe dort gekapert.

Mindestens 129 Menschen verloren bei Gewalttätigkeiten in Mogadischu im September ihr Leben und 217 schwer verletzt. Weitere 24.000 flohen aus der Stadt.

Nach dem Abzug der äthiopischen Truppen aus Baidoa haben die Islamisten innerhalb kürzester Zeit den Flughafen, das Parlamentsgebäude und den Wohnsitz des Präsidenten eingenommen. Das islamische Recht wurde in Kraft gesetzt. Die provisorische Regierung ist auf Mogadischu reduziert, wo sie täglich Angriffen von Aufständischen ausgesetzt ist. Das Parlament tagte diese Woche in Dschibuti, kann nun aber nicht nach Baidoa zurückkehren.

Die 200.000 Menschen, die aus Mogadischu geflohen sind, befinden sich nach UN-Beauftragtem Eric Larouche in einer dramatischen Notlage. Hunderte sind bereits an Cholera und Ruhr gestorben. Die Kämpfe in der Hauptstadt sind von neuem aufgeflammt.

Sechs Menschen starben in und um Mogadischu und Tausende von Flüchtlingen sind von den Wassermassen betroffen. Erst vor einer Woche gab es wieder gewaltsame Auseinandersetzungen mit mehreren Dutzend Toten, darunter zwei Helfer und ein BBC Berichterstatter. Die Konflikte dauern seit 1991 fast unaufhörlich an.

Länder