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Der Vorsitzende des „Enough Project“ lobte Präsident Obamas Grundsatzrede in Kairo, in der er der muslimischen Welt die Hand reichte und um einen Neuanfang in den Beziehungen warb, als beeindruckend. Er bedauerte aber, dass die Sudan Krise, die Obama selbst „einen Schandfleck auf unserm kollektiven Gewissen“ nannte, keine größere Aufmerksamkeit fand, besonders da der Sudan einer der engsten Nachbarn Ägyptens ist und die Kampfhandlungen, die das Leben der Bevölkerung unerträglich machen, wieder aufgeflammt sind.
Kairos Totenstadt, früher ein Treffpunkt für Intellektuelle, hat sich in eine Siedlung verwandelt. Zwischen den Kuppeln und Minaretten der etwa 10 km langen Nekropole spielt sich ein reges Alltagsleben ab. Die akute Wohnungsnot trieb Menschen dazu, sich mit den Toten zu arrangieren. Trotz mangelnder Wasser - und Stromversorgung und schlechter Kommunikation ziehen die Bewohner das Leben dort dem in den neuen Wohnsiedlungen am Rande der Wüste vor. Auch Oppositionelle und Schriftsteller finden Zuflucht unter den Toten.
Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ bedauert, dass durch die Schlachtung von 250.000 Schweinen der koptischen Christen die schon bestehenden Spannungen weiter geschürt wurden. Die koptische Minderheit würde weiter isoliert und ihre Lebensgrundlage zerstört, doch die Regierung behauptet, dass die Maßnahme eine Gesundheitsvorsorge sei.
Seit Baubeginn vor 150 Jahren sorgt der Kanal für Kontroversen zwischen Afrika und Asien. Im Moment sind die illegalen Waffenlieferungen via Suez zum Gazastreifen problematisch. Ägypten kassiert jährlich etwa vier Milliarden US Dollar an Gebühren. Diese Einnahmen schrumpfen wegen der globalen Wirtschaftskrise und den Piratenattacken südlich des Kanals. Manche Reeder ziehen schon den viel weiteren aber sicheren Weg ums Kap der Guten Hoffnung vor.
Nach der Vigilfeier des orthodoxen Osterfestes haben muslimische Täter in Südägypten zwei koptische Christen ermordet. Die Mörder konnten gestellt werden, sind aber später entkommen. Es könnte ein Fall von Familienrache sein. Die Kopten stellen nur 8 bis 10 % der Bevölkerung und leiden unter ständiger Bedrohung.
Nachdem Archäologen bei Vermessungen des Tempels Taposiris Magna nahe Alexandria drei viel versprechende Stellen lokalisiert haben, werden sie ab kommender Woche nach dem Grab von Königin Kleopatra suchen. Kleopatra und ihr Geliebter, der römische General Marcus Antonius, hatten sich nach der Niederlage bei Actium in 31 v. Chr. das Leben genommen. Lange wurde um ihr Grab gerätselt. Jetzt haben Archäologen am Ausgrabungsort Masken, Statuen und Münzen mit Kleopatras Portrait gefunden.
Das Internet wurde das effektivste Mittel zur Meinungsäußerung und Mobilisierung der Massen im Land. Der Aufruf junger Ägypter zum „Tag der Wut“, ein Generalstreik gegen Inflation und Korruption und für höhere Mindestlöhne, wurde hauptsächlich über Internet organisiert. Wer online protestiert, riskiert staatliche Repressionen. In 2008 wurden 500 Blogger festgenommen, einige davon inhaftiert. Mit dem wachsenden Einfluss des Internets werden staatliche Kontrollen weiter verschärft.
Das von Ibrahim Abouleish 1977 gegründete Unternehmen Sekem hat in der Wüste nordöstlich von Kairo eine biologisch-dynamische Landwirtschaft aufgebaut. Neben Bio-Lebensmitteln gibt es auch Gesundheitsprodukte und Öko-Textilien aus eigenem Anbau und eigener Verarbeitung. Besonderes Gewicht liegt auf fairem Handel. Für die 2000 Mitarbeiter und die Umgebung gibt es Kindergärten, Schulen, Kliniken und demnächst eine freie Universität.
Eine christliche Anwältin, Mervat Ragey Iskander, sei zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil sie gegen eine erniedrigende Behandlung durch die Polizei vorgehen wollte. Auch sei sie geschlagen und misshandelt worden. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte hat Klage gegen die ägyptische Justiz eingereicht.
Der Bombenanschlag auf einen Basar in der ägyptischen Hauptstadt Kairo am Wochenende sollte nicht im Rahmen früherer Terrorakte gesehen werden, meinte der Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde. Es handele sich eher um einen Einzelfall, der von keiner politischen oder religiösen Schicht unterstützt würde. Doch wäre bei den Touristen ein Feingefühl für die andere Kultur ratsam, um ähnliche Provokationen zu vermeiden.

Zitat

„Wir müssen die Zeit nutzen,
um auf einen radikalen Wandel hinzuarbeiten...

Wir haben in diesen Wochen gelernt,
dass wir auf einem kranken Planeten nicht gesund leben können."

Erklärung des Jesuitenordens in Europa

NEUES VOM NAD

Hintergrundpapier: Covid-19 in Afrika

Die Coronaepidemie erreichte Afrika mit zwei Monaten Verzögerung und bisher ist die Zahl der positiv Getesteten relativ klein.
Manche befürchten katastrophale Folgen; andere sehen Afrika in einer guten Position, die Krise zu meistern.

Unser pdfHintergrundpapier blickt auf die Stärken und Schwächen Afrikas im Kampf gegen die Pandemie.

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